In der Aspacher Comtech-Zentrale herrscht Krisenstimmung. Foto: Gottfried Stoppel

Der Aspacher Elektronik-Händler kommt aus eigener Kraft aus der wirtschaftlichen Schieflage nicht heraus. Der Insolvenzverwalter sucht deshalb auf einen Investor. 85 Mitarbeiter bangen um ihren Job.

Aspach - Vor ein paar Jahren hat der Firmenname noch stolz die damals neu gebaute Sportarena der SG Sonnenhof-Großaspach geziert. Während deren Fußballer bis in die dritthöchste Liga aufgestiegen sind, ist der Elektronik-Händler Comtech, der seine Produkte hauptsächlich über das Internet vertreibt, in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das Unternehmen hat Anfang September Insolvenz angemeldet. Deshalb ist der Geschäftsbetrieb noch bis zum Ende dieses Monats sichergestellt, die Gehälter der 85 Angestellten werden so lange über das Insolvenzgeld bezahlt. Danach indes soll die Firma an einen Investor verkauft werden.

Mehrere Investoren bekunden Interesse

Das ist jedenfalls das erklärte Ziel des Stuttgarter Rechtsanwalts Dietmar Haffa, der vom Amtsgericht Ludwigsburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist. Und er hat offenbar durchaus Anlass optimistisch zu sein, dass dies gelingt: Laut Ingo Schorlemmer, dem Sprecher der Anwaltsgesellschaft Schultze & Braun, für die Haffa tätig ist, hätten mehrere Investoren bereits ihr Interesse bekundet. Was genau diese mit dem Aspacher Unternehmen vorhaben, kann Schorlemmer zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, ein weiteres Ziel sei allerdings, die Arbeitsplätze und den Fortbestand der Firma dauerhaft zu erhalten. Wird man sich bis zum 1. November mit keinem Investor handelseinig, wird das sogenannte ordentliche Insolvenzverfahren eingeleitet. Das bedeutet, dass die Gehälter der Mitarbeiter wieder aus dem Unternehmen heraus erwirtschaftet werden müssten.

Comtech ist mit seinem Online-Shop 2004 an den Start gegangen, damals noch mit Sitz in Backnang und vornehmlich Computern im Angebot. Heute umfasst die Produktpalette auch TV- und Audiogeräte, Smartphones und Digitalkameras, elektrische Haushalts- und Küchenhelfer. Zwischenzeitlich verbuchte die Firma ein rasantes Wachstum, zuletzt wurde ein Jahresumsatz von rund 140 Millionen Euro notiert. Neben dem Firmensitz in Aspach ist Comtech mit Zweigstellen in Bremen und Braunschweig präsent.

Transparenter Markt erzeugt Preisdruck

Dass die Firma jetzt in wirtschaftliche Turbulenzen geraten ist, führt der Insolvenzverwalter vor allem auf den „äußerst transparenten Markt für Elektronikartikel“ zurück. Onlinehändler-Riesen wie Amazon, aber auch Vergleichsportale erzeugten einen enormen Preisdruck und damit vergleichsweise geringe Gewinnmargen. Gleichzeitig seien die Wachstumsmöglichkeiten eher gering. Aber auch „Uneinigkeiten zwischen den Gesellschaftern über die strategische Ausrichtung“ hätten eine positive Entwicklung des Unternehmens in den vergangenen Monaten behindert, so die Einschätzung des Insolvenzverwalters. Comtech gehört seit 2015 mehrheitlich zu der norwegischen Komplett-Gruppe, einem der größten Online-Händler in Skandinavien. Doch die Einkaufsvorteile, die sich die Eigner vermutlich von dem neuen Gesellschafter versprochen hatten, haben sich offenkundig nicht so ausgewirkt, wie erhofft.

In die Schlagzeilen war Comtech vor ein paar Jahren geraten, weil das Unternehmen von der Wettbewerbszentrale wegen seiner Service-Telefonnummern verklagt worden war. Der Online-Händler bot viele Jahre – wie vielfach üblich – eine 01805-Rufnummer für Kundenanfragen an. Deren Kosten waren weit höher als bei einem gewöhnlichen Anruf auf einer Festnetznummer, der viele Verbraucherheute dank Pauschaltarifen mit Telefonanbietern oft gar nichts mehr zusätzlich kostet. Das Verfahren landete letztlich beim Europäischen Gerichtshof. Der entschied 2017 zugunsten des Klägers: Die Kosten für den Anruf einer Service-Nummer dürfen den üblichen Festnetz- oder Mobilfunktarif nicht übersteigen.

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