Im April 2016 wurde die Chefin der Asien-Perle von Mitarbeitern des Lokals gefunden – ermordet. Foto: SDMG

Die mutmaßlichen Mörder einer Backnanger Restaurant-Chefin stehen von Donnerstag an vor Gericht. Die Ankündigung des Prozesses offenbart neue Details zum Fall, der im März 2016 für bundesweites Aufsehen gesorgt hatte.

Backnang/Stuttgart - Die rote Fassade des Lokals „Asien-Perle“ in Backnang und das flatternde Absperrband der Polizei im Vordergrund – diese Bilder sind am 4. März vergangenen Jahres durch Deutschland gegangen. Am Morgen hatten Mitarbeiter die Chefin der Gaststätte in einem Nebenraum gefunden – sie war ermordet worden.

Die Sonderkommission „Perle“, die die Polizei eingerichtet hatte, ermittelte sieben Monate lang. Mitte November 2016 vermeldete sie einen Erfolg und die Festnahme zweier Männer. Beide stehen von Donnerstag, 3. August, an vor dem Landgericht Stuttgart. „Die Anklage lautet auf Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge“, so eine Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Opfer zuerst niedergeschlagen und dann getötet

Die Verhandlung wird vor der ersten Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts stattfinden. Die Ankündigung des Landgerichtes verrät jedoch ein paar Details, die bislang noch nicht offiziell bekannt waren: Die beiden 42- und 46-jährigen Angeklagten sollen demzufolge die Inhaberin der Gaststätte zuerst niedergeschlagen haben und dann „derart mit Gewalt auf sie eingewirkt zu haben, dass sie an ihren Verletzungen verstorben sein soll“.

Über die genaue Todesursache war damals in der Boulevardpresse wild spekuliert worden. Mal soll ein Messer zum Einsatz gekommen sein, in einem anderen Bericht hieß es, die 53-Jährige sei erschlagen worden. All dies will die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht kommentieren, bis die Anklageschrift verlesen ist. Am ersten Prozesstag wird im Übrigen nicht viel mehr passieren als genau das: Zeugen sind am Donnerstag keine geladen.

Die Täter sollen in der Asien-Perle auch eine Uhr und Geld geraubt haben

Recht neu sind allerdings die Details zum Raub, der den beiden Männern vorgeworfen wird. Die Angeklagten sollen mit einer Uhr im Wert von rund 8 000 Euro und Bargeld in Höhe von „mindestens 20 000 Euro“ geflüchtet sein. Ob diese Beute das Mordmotiv war, ist jedoch noch unklar.

Eine ganze Zeit lang hatte von den Tätern jede Spur gefehlt. Die Ermittlungsarbeit der Polizei gestaltete sich schwierig: Dazu gehörte, einen Dolmetscher aufzutreiben, der den chinesischen Dialekt übersetzen konnte, den der Clan aus der südwestlichen Provinz Zhejiang spricht. Rund einen Monat nach dem Mord hatte die Soko rund 200 Personen ausgemacht, die es zu vernehmen galt.

Die Familie des Opfers ist weit verzweigt und in vielen Ländern unternehmerisch aktiv. Die Liste möglicher Feinde war also lang. Die Ermittler versuchten ihr Glück auch mit einem anonymen Online-Hinweissystem, doch selbst eine versprochene Belohnung von 12 000 Euro brachte keinen Erfolg. Dann blieb es still um die Soko, zumindest für die Öffentlichkeit. Im Hintergrund werteten die Ermittler knapp 500 Spuren aus und vernahmen 400 Menschen.

Ein genetischer Fingerabdruck führte zu den mutmaßlichen Mördern

Eine DNA-Spur hatte nach acht Monaten schließlich zum Durchbruch geführt. Nachdem diese – so stellte es der Kripo-Chef Rainer Möller dar – in langwieriger Arbeit aufbereitet worden war, brachte der Vergleich mit einer internationalen Datenbank einen Treffer: Einer der mutmaßlichen Mörder, ein 42-Jähriger, war bereits in einer rumänischen Kartei registriert. Zum zweiten, 46-jährigen Angeklagten – wie der erste im Bunde ein Rumäne, der seit einiger Zeit im Rems-Murr-Kreis lebt, – führte ebenfalls ein DNA-Abgleich. Darüber, in welcher Beziehung die beiden Männer zum Opfer oder dem Restaurant stehen, haben bislang sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft geschwiegen.

Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, wird sich am Donnerstag herausstellen. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich am 18. Oktober dieses Jahres verkündet werden.

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