Die Stadt Waldenbuch testet den Gully-Aschenbecher. Zwei Exemplare befinden sich an der Bushaltestelle am Postamt, einer im Eingangsbereich des Hallenbades. Foto: Claudia Barner

Die Stadt Waldenbuch reagiert auf die Bequemlichkeit der Raucher und testet eine Neuheit. Sie will die Straßen damit befreien vom Fluppen-Teppich. Sollte das gelingen, spricht nichts gegen einen Ausbau des Experiments.

Waldenbuch - Im Kampf gegen Qualmer mit schlechten Manieren macht die Stadt Waldenbuch jetzt Dampf. Zug um Zug sollen Raucher zu mehr Achtsamkeit bei der Entsorgung ihrer Kippen bewogen werden. Statt auf Verbote und Strafen setzt man auf die Bequemlichkeit der Zigaretten-Freunde. Für mehr Sauberkeit im Stadtgebiet sorgt nun der „Clean Cube“. Die Idee zur quadratischen Box, die im Boden versenkt wird, stammt aus Holland. An drei Standorten wird der Raucher-Gully seit Anfang Juli in der Schönbuchgemeinde getestet. Das Motto lautet: einfach fallen lassen.

Zu oft landen die Dinger auf dem Gehweg

Wer an der zentralen Haltestelle am Waldenbucher Postamt den Bus erwischen will, hat nach dem letzten Zug oft keine Zeit mehr, die Zigarette gepflegt zu entsorgen. In den Beeten häufen sich die Nikotinfilter. Mal wird der stinkende Stummel in die Aich geschnippt. Mal landet das glimmende Ende der Zigarettenpause auf dem Gehweg. Einmal pro Woche qualmten bei den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs die Socken, wenn sie bei der routinemäßigen Müllrunde den Fluppen-Teppich vom Boden entfernen mussten.

Ihr Ärger über rücksichtlose Zeitgenossen soll sich nun in Rauch auflösen. Die zündende Idee dazu hat der Waldenbucher Tiefbau-Experte Joachim Russ von einem Ausflug nach Stuttgart mitgebracht. „Dort testet die Stuttgarter Straßenbahnen AG seit dem Frühjahr die im Boden versenkten Aschenbecher“, erzählt der Leiter des städtischen Bauamts. Der Funke sprang über. Die Stadtverwaltung machte rund 2300 Euro für den Erwerb und den Einbau von drei Prototypen locker.

Geeignete Standorte für das feuerverzinkte Glimmstängel-Grab waren schnell gefunden – immer den Kippen hinterher. „Rund um die Sitzbänke an der Post-Haltestelle und am Hallenbad liegen besonders viele Zigarettenreste herum“, erzählt Joachim Russ. Nimmt man dort künftig Platz, erblickt man zu seinen Füßen ein orangefarbenes Hinweisschild und einen quadratischen Gitterrost. Die Abbildung lässt keine Zweifel zu. Wer seinen Nikotinspargel hier zu Boden wirft, macht alles richtig. Ein kurzer Text erweitert das Entsorgungsangebot: Auch alte Kaugummis sollen an dieser Stelle in die Grube fahren.

Die Stadt denkt an das ganze Tabakwaren-Sortiment

Vier Wochen nach dem Beginn des Testlaufs glimmt im Waldenbucher Stadtbauamt Hoffnung auf. „Das Angebot wird gut angenommen“, stellt Joachim Russ fest. Dass neben den Kippen auch Schokoladenpapierchen, Zigarettenschachteln oder Gummibärchen den Weg in die versenkte Box gefunden haben, trübt seine Stimmung nicht. Der Stadtbaumeister, der sich in Mußestunden schon mal selbst eine Pfeife anzündet, hat das ganze Tabakwaren-Sortiment im Blick. „Auch dicke Zigarren müssen durch die Lücken passen“, sagt er.

Wie’s mit dem „Clean Cube“ auf Dauer weitergeht, ist noch nicht entschieden. Im Rathaus qualmen deshalb nach wie vor die Köpfe. „Wir beobachten das noch eine Weile. Wenn die Boden-Aschenbecher tatsächlich verhindern, dass Zigarettenreste achtlos weggeworfen werden, wird es weitere Standorte geben“, stellt der Bauamtsleiter in Aussicht. Er ist optimistisch. Schließlich will man sich nicht nachsagen lassen, man habe mit dem Qualmer-Gully viel Rauch um nichts gemacht.

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