Die Familien beim stillen Protest im Stuttgarter Rathaus. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Die Bürgermeisterinnen Isabel Fezer und Alexandra Sußmann haben sich gegenüber den Kindern entschuldigt, das ist nicht selbstverständlich. Aber Fragen bleiben. Unser Video-Kommentar.

Es war ein bewegender Anblick am Dienstag im Rathaus. Der obere Flur komplett gefüllt mit Eltern, Kindern und Schulbegleitungen, die nicht wissen, wie es mit ihnen weiter geht – seit die Stadt dem Arbeiter-Samariter Bund Stuttgart als Träger für die Schulbegleitungen gekündigt hat. Die Familien haben teils Unglaubliches auf sich genommen, um bei dem stillen Protest im Rathaus dabei sein zu können. Die Kinder zeigten: Sie wollen unbedingt wieder in die Schule.

 

Die Bürgermeisterinnen, Isabel Fezer und Alexandra Sußmann, haben sich bei den Familien entschuldigt. In der Politik sind Entschuldigungen selten geworden, damit heben sich die Bürgermeisterinnen positiv ab. Doch in diesem Fall sind sie auch angebracht. Schließlich hatte die Entscheidung der Stadt für die Familien eine enorme Tragweite. Kinder stehen von einem Tag auf den anderen ohne eine wichtige Bezugsperson da, müssen zu Hause bleiben – und viele verstehen nicht warum.

Auf dem Papier gibt es für erstaunlich viele bereits eine Lösung. Doch es wird lange dauern, bis an den Schulen wieder Ruhe einkehrt. Man kann nur hoffen, dass es der Stadt gelingt, so viele ASB-Schulbegleiter wie möglich bei anderen Trägern unterzubringen. Kontinuität ist wichtig für die Kinder.

Bei den Fahrdiensten kooperiert man mit dem Träger

Natürlich muss die Stadt sich von einem Träger trennen können, wenn sie eine grobe Pflichtverletzung feststellt. Aber weiterhin bleiben viele Fragen offen. Der Zeitpunkt der Kündigung erschließt sich bisher nicht. Im Sommer sollen Stadt und Träger wegen der Abrechnungsprobleme im Austausch gewesen sein. Warum hat man fürs neue Schuljahr an dem Träger festgehalten? War es wirklich nicht möglich, mit dem ASB eine Lösung zu finden, mit dem man zum Beispiel bei den Fahrdiensten weiterhin kooperiert? Bisher konnte die Stadt nicht überzeugend darlegen, dass ihr Vorgehen angesichts der gravierenden Folgen für die Kinder gerechtfertigt war.