Apotheken haben nicht immer alle Arzneimittel parat. Foto: picture alliance/dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Die Krise bei der Arzneimittelversorgung spiegelt ein über viele Jahre nicht hinterfragtes, einseitiges Kostendenken. Das muss sich ändern, findet Andreas Geldner.

Komplexe Probleme haben es in einer Welt der kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen nicht leicht. So ist das Problem, dass in Deutschland regelmäßig Hunderte von zum Teil wichtiger Medikamente teilweise längerfristig nicht lieferbar sind, schon seit Jahren bekannt. Doch es kocht höchstens dann hoch, wenn breitere Bevölkerungsschichten es bei dem einen oder anderen Wirkstoff am eigenen Leib spüren.

 

Letztlich war auf dem Arzneimittelmarkt schon lange vor Corona zu sehen, was eine Mentalität verursacht, die allein auf die Kosten blickt und auf Liefertreue, Stabilität und Nachhaltigkeit zu wenig Wert legt. Die Verantwortlichkeiten im Einzelnen sind vielfältig: Die Pharmaunternehmen zeigen auf die Krankenkassen, die deuten mit dem Finger auf die Arzneimittelhersteller.

Dilemma der Politik

Aber letztlich ist das Gesundheitssystem Sache der Politik. Und die steckt zugegebenermaßen in einem Dilemma: In einer überalternden Bevölkerung wachsen die Ansprüche an das Gesundheitssystem unaufhaltsam. Andererseits kann es nicht unbegrenzt finanziert werden. Ohne Maßnahmen zur Kostendämpfung geht es deshalb nicht. Noch weniger in einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Ressourcen nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen.

Das System ausbalancieren

Doch wenn teils wichtige Medikamente manchmal über längere Strecken ausfallen, dann muss dieses System besser austariert werden. Wie auch an anderen Stellen unserer Wirtschaft und Gesellschaft muss die viel strapazierte Nachhaltigkeit zu einem unverzichtbaren Kriterium werden. Bei Rabattverträgen gehören umfassendere Kriterien wie die Solidität des Lieferanten auf die Liste. Wie schon bei den Impfstoffen gegen Corona braucht es einen strategischen Blick etwa auf die vorhandenen Produktionskapazitäten. Wenn man es im Falle von Corona schafft, hier teils auch durch staatliche Anreize die regionale Produktion zu stabilisieren, dann muss das auch bei anderen Medikamenten der Fall sein.

Die Globalisierung im Medikamentenmarkt, die etwa bei Nachahmerpräparaten zur Abhängigkeit von China und Indien geführt hat, lässt sich nicht zurückdrehen. Aber ein anderes Denken ist möglich.