Im Frühjahr Blüten für die Insekten, im Herbst und Winter Früchte für Vögel – und auch einige Schmetterlingsraupen mögen den Liguster. Foto: dpa-tmn/Andrea Warnecke

Das Ende der meisten Thujahecken ist gekommen. So traurig das für Gartenbesitzer ist: Die heimische Natur kann von einer neuen Heckenpflanzung profitieren. Was empfehlen Experten?

Der Abschied fällt vielen Gartenbesitzern schwer. Schon deshalb, weil das Entfernen der oft sehr großen Thujahecken mit viel Arbeit und Unkosten verbunden ist und es seine Zeit braucht, bis ein neuer Sichtschutz herangewachsen ist. Doch die Lebensbäume, wie die Thujas auch genannt werden, sterben zunehmend ab. Die zunehmende Trockenheit, aber auch Borkenkäfer setzen ihnen zu.

 

Die gute Nachricht: Der Tod der Thujas birgt eine Chance für mehr Leben im Garten. Genauer gesagt – für Honigbienen und Wildbienen, für Schmetterlinge, für Vögel. Denn eine Thujahecke nützt all diesen Tieren ebenso wenig wie der Kirschlorbeer.

Bunte Mischung von Gehölzen

Eine Hecke ist aber im besten Fall viel mehr als nur ein Sichtschutz. Für die Tierwelt bietet sie Nahrung ebenso wie Rückzugs- oder Nistmöglichkeiten. Am besten, da sind sich Naturschutzexperten einig, ist eine bunte Mischung mehrerer Gehölze. So blüht immer irgendetwas oder trägt Früchte. Oft braucht man dafür allerdings genügend Platz, und die Hecken sind oft eher locker als dicht.

Schnell wachsend und immergrün, aber nichts für die einheimische Tierwelt: Der Kirschlorbeer, eigentlich eine Lorbeerkirsche. /Imago/Gottfried Czepluch

Doch auch für kleinere Hecken gibt es einheimische Gewächse, die generell wertvoller für die hiesige Fauna sind als Exoten, wie Claudia Wild vom Nabu Baden-Württemberg betont: „Hecken aus heimischen Gehölzen haben viele Vorteile und fördern die Biodiversität, da die Insekten- und Vogelwelt sich darauf spezialisiert hat. Nicht nur die Blüten, auch die Blätter sind für Insekten wichtig, etwa für Schmetterlingsraupen.“ Auch unter den heimischen Gewächsen gibt es immergrüne oder zumindest halb wintergrüne Pflanzen.

Heimische Gewächse sind immer die bessere Hecke

Ein Beispiel ist die europäische Eibe, ein langsam wachsender Baum mit weichen Nadeln, der auch als Taxus bekannt ist und vor allem als Hecke genutzt wird. Als uraltes Gehölz ist sie auch für längere Trockenperioden geeignet. Gießt man sie, wenn sie einmal angewachsen ist, zu häufig, leidet sie sogar. Aber: Sie wächst langsam und ist deshalb teurer als Thuja oder Kirschlorbeer. Zudem sind die meisten ihrer Pflanzenteile giftig, und auch Insekten haben nicht viel davon. Doch Vögel und auch einige Säugetiere profitieren von ihr.

Der Gemeine Liguster ist eine recht schnell wachsende Heckenpflanze, die im Frühsommer duftende weiße Blüten trägt, die bei Insekten sehr beliebt sind. Daraus werden dunkle Beeren für die Vogelwelt. Und Schmetterlingsraupen mögen die Blätter, beispielsweise der Ligusterschwärmer. Die Hecke wächst sehr dicht, weswegen sie auch in strengen Wintern, wenn sie ihre Blätter verliert, noch einen guten Sichtschutz bietet – und auch Vögel bauen gern ihre Nester darin, weil der Nachwuchs dort gut geschützt ist.

Selbst über Efeu freuen sich Insekten und Vögel

Der Efeu schafft es ebenfalls in kurzer Zeit, Zäune zu beranken. Außerdem verliert er seine Blätter auch im Winter nicht. Ist er alt genug, fängt er an zu blühen. Obwohl die Blüten fürs menschliche Auge unsichtbar sind, sind sie für Insekten eine wichtige Pollenquelle im Spätsommer. Und Vögel freuen sich im Winter oder auch noch im Frühjahr über die Beeren, die für sie, anders als für Menschen, ungiftig sind.

Eine geschnittene Buchen- oder Hainbuchenhecke behält die Blätter, wenn auch braun gefärbt und vertrocknet, ebenfalls bis lang in den Winter hinein. Und wie die Eibe kommen beide Gehölze auch in Trockenperioden recht gut über die Runden. Dass ihre Blätter den Raupen kleiner Schmetterlinge gut schmecken, schadet den Pflanzen nicht. Die Vogelwelt hingegen freut sich darüber, denn diese Raupen sind die wichtigste Nahrungsquelle für viele junge Singvögel.

Keine gute Alternative: Kirschlorbeer und Glanzmispel

Etwas stachelig, aber immergrün, schön und ökologisch wertvoll ist die Stechpalme, die mit ihren roten Früchten im Winter nicht nur Vögel erfreut, sondern auch ein schöner Weihnachtsschmuck ist. Und wer kein Problem mit Stacheln hat, wird auch unter den heimischen Wildrosenarten fündig.

Wovon Helena Sommer, Gartenexpertin beim Nabu Baden-Württemberg dringend abrät, ist der Kirschlorbeer. „Der ist invasiv und wurde in der Schweiz inzwischen verboten.“ Auch die Glanzmispel ist für die Fachfrau keine gute Alternative: „Sie wird inzwischen sehr gerne gepflanzt, weil sie so pflegeleicht ist. Ihr ökologischer Wert ist aber sehr gering. Unter den Insekten könnte lediglich die Honigbiene als Generalist von ihr profitieren.“