Für den Artenschutz engagieren sich in der Stuttgarter Wilhelma viele Akteure. Innerhalb von drei Jahren kamen zwei Millionen Euro Spenden zusammen. Die helfen weltweit beim Erhalt bedrohter Arten und manchmal sogar bei der Eheanbahnung.
Stuttgart - Während das Land noch die Rechtsverordnung ausarbeitet, bereitet sich die Wilhelma auf ihre (erneute) Wiedereröffnung vor. Mutmaßlich wird der Besucherstrom zunächst über Online-Buchungen und Zeitfenster gelenkt. Laut Bund-Länder-Gipfel ist eine Öffnung schon vom kommenden Montag an denkbar.
Dessen ungeachtet feiert die Wilhelma den internationalen Tag des Artenschutzes: Sie konnte zwei Millionen Euro innerhalb der vergangenen drei Jahre an Spenden und Eigenmitteln zusammentragen und damit die Zahl der von ihr unterstützten Projekte zum Schutz von bedrohten Tierarten und ihrer Lebensräume auf mehr als zwei Dutzend ausbauen.
Besucher haben zum Artenschutz beigetragen
„Durch das Bündeln der Kräfte von Wilhelma, unserem Förderverein und Gästen ist uns der Durchbruch gelungen“, sagt Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin. Man sei zum Global Player geworden als gewichtiger Kooperationspartner internationaler Organisationen wie der Weltnaturschutzunion und dem Weltverband der Zoos und Aquarien. Hilfreich waren dabei das neu aufgelegte Artenschutz-Budget, die großzügige Unterstützung von Projekten in den Herkunftsregionen seltener Tierarten durch die Freunde und Förderer sowie die Besucher der Wilhelma. Sie haben zu 90 Prozent einen freiwilligen Aufschlag auf den Eintrittspreis bezahlt, den Artenschutz-Euro.
Schutz für ein Stück Regenwald
Der internationale Tag des Artenschutzes ist für Zoos natürlich immer eine willkommene Gelegenheit, über die Programme zu berichten. So werden dank der Wilhelma beispielsweise Bonobo-Waisen in Zentralafrika betreut, Orang-Utans in eigens aufgeforsteten Wäldern in Südostasien wieder angesiedelt, die Wilhelma leistete Nothilfe bei den Buschbränden in Australien und hilft dabei, den Konflikt zwischen Imkern und Riesengürteltieren in Südamerika zu entschärfen. Ein Projekt hebt die Wilhelma bei ihrer Drei-Jahres-Bilanz besonders hervor: den Landkauf in Belize, womit ein Stück Regenwald vorm Abholzen gerettet worden ist. Der Wald dient als Korridor für Jaguar und Tapir, die damit besser ihre Gebiete wechseln und auf Artgenossen treffen können.
Das Stück Wald muss allerdings geschützt werden. Deshalb hat die Wilhelma eine eigene Ranger-Staffel finanziert. Vier Frauen und Männer patrouillieren nun dank der Spenden aus Stuttgart als „Wilhelma-Ranger“ durch das Shipstern-Reservat, um Wilderei oder Rodungen zu verhindern. 269 000 Euro seien dafür bisher eingesetzt worden.
Nashörner sollen zusammentreffen
Vielleicht wird die Wilhelma einst auch als Eheanbahnungsunternehmen für Sumatra-Nashörner gefeiert. Vorerst ist sie jedenfalls Partner der Allianz zu seiner Rettung, denn es leben nur noch weniger als 80 Tiere in zehn getrennten Gebieten auf zwei indonesischen Inseln und laufen sich zwecks Paarung kaum über den Weg. „Die letzte Hoffnung ist, alle verbliebenen Tiere in drei Reservaten mit Zuchtstationen einander näherzubringen. Nur so besteht eine reelle Chance auf ausreichend Stammhalter“, sagt Thomas Kölpin. Die Wilhelma steuert 100 000 Euro dazu bei.
Bedingt durch Corona, limitierte Besucherzahlen und Schließungen habe die Wilhelma im vergangenen Jahr nur rund 800 000 statt gut 1,6 Millionen Besucher gehabt. „Für uns Menschen werden auch wieder bessere Zeiten kommen“, sagt Kölpin, „die Tier- und Pflanzenwelt kann sich jedoch nur erholen, wenn wir uns um sie kümmern.“ Kontinuität sei wichtig. Im Kongo stattet die Wilhelma zum Beispiel seit 2012 die Spürhundestaffel der Wildhüter im Virunga-Nationalpark aus. Seither habe sich die Population der letzten Berggorillas etwas erholt. Die zur Verfügung gestellten 235 000 Euro waren wohl gut investiert.