Einer der Steinböcke kurz vor der Auswilderung mit seinem diesjährigen Geschwisterchen in der Wilhelma. Foto: Wilhelma/Birger Meierjohann

Drei Zoos in Stuttgart, Salzburg und Ljubljana haben in den Hohen Tauern in einer gemeinsamen Aktion die bedrohte Tierart der Natur zurück gebracht.

Der Steinbock war einst in großen Teilen der Alpen verbreitet. Doch weil er rücksichtslos bejagt wurde, hat der Mensch die Art fast überall ausgerottet. Wie die Wilhelma mitteilt, wurden nun elf Alpensteinböcke ausgewildert – eine Aktion, die gemeinsam mit Zoos aus Salzburg Hellbrunn und dem slowenischen Ljubljana vollzogen wurde, die mit eigenen Nachzuchten beteiligt waren. Im vergangenen Jahr wurden im Gebiet des Großartals zehn Steinböcke aus verschiedenen Zoos ausgewildert.

Erste erfolgreiche Auswilderungsaktion im Vorjahr

Grundlage für die lokale Initiative war eine Machbarkeitsstudie, die belegte, dass sich der Lebensraum für den Steinbock dort eignet. Nach der ersten erfolgreichen Auswilderung im Vorjahr ist der Bestand mit weiteren Tieren aufgestockt worden. Die Wilhelma hat eigenen Angaben zufolge seit 1994 insgesamt 23 Steinböcke für bestandsschützende Maßnahmen in verschiedenen Teilen der Hohen Tauern zur Verfügung gestellt. Bei den nun ausgewilderten Steinböcken handelt es sich um Nachzuchten aus den Jahren 2022 und 2023. Bevor die Tier Anfang Juli in die Natur entlassen wurden, wurden sie untersucht und sie erhielten Ohrmarken. Von Stuttgart aus wurden sie in Transportkisten verstaut und von Kuratorin Ulrike Rademacher und Zooinspektor Thomas Seitz nach Österreich gebracht.

Ohrmarken für die Wiedererkennbarkeit

Per Helikopter oberhalb der Baumgrenze gebracht

Dort wurde ein Steinbock mit einem Sender versehen, damit seine Bewegungen nachvollzogen werden konnten. Dann ging es per Helikopter zum Ort der Auswilderung oberhalb der Baumgrenze. Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin erklärt, dass der Aufbau von Reservepopulationen eine der wichtigsten Aufgaben moderner Zoos ist. „Es ist immer ein bewegender Anlass, wenn wir unsere Zoobestände nutzen können, um Populationen im Freiland zu stützen“, sagt Kölpin.

Restbestand wurde wieder vergrößert

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es im italienischen Nationalpark Gran Paradiso noch einen Restbestand von rund hundert Tieren, sie sind die Vorfahren aller heute in den Alpen lebenden Steinböcke. Durch strenge Schutz- und Wiederansiedlungsmaßnahmen ist die Wildziege heute wieder in vielen Regionen der Alpen heimisch, sagt der Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann, so auch in Teilen der Hohen Tauern und angrenzenden Gebirgszügen. Die erste Auswilderung 2023 diente dazu, dass sich die dortigen Teilpopulationen besser vernetzen.