Einige Wildbienenarten sind nur ungefähr halb so groß wie Honigbienen. Auch deswegen haben sie es schwerer als ihre Artgenossen. Foto: dpa

Wenn es darum geht, Wildbienen einen Lebensraum zu schaffen, gilt: Weniger ist mehr. Weniger Rasen mähen ist laut dem Hobby-Imker Günter Boltjes schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Filder - Roland Marquart und Günter Boltjes haben einen Wunsch: In jedem Garten und auf jedem Balkon soll es wenigstens ein kleines Plätzchen für Insekten geben. Konkret haben sie dabei die Wildbiene im Sinn, die zwar auch in Stuttgart überall herumfliegt, der die Menschen aber langsam „die Grundlage entziehen“, wie Hobby-Imker Günter Boltjes sagt. Diese Grundlage könne man der Biene ganz leicht zurückgeben, meint der Büsnauer. Jeder einzelne könne dafür etwas tun.

Wildbienen statt Chemie im Garten

60 der rund 270 Wildbienenarten sind bereits ausgestorben. Das geht aus dem Artenschutzkonzept der Stadt, das im vergangenen Jahr erschienen ist, hervor. Günter Boltjes und sein Imker-Lehrling Roland Marquart fürchten, dass es so weitergeht. Dabei seien die Wildbienen wichtig, weil sie Ungeziefer wie Blattläuse fressen. „Wer keine Bienen hat, die das fressen, kauft sich eben Chemie“, sagt Boltjes. Und das gelte es zu vermeiden. Bei Günter Boltjes geht die Abneigung gegen chemische Pflanzenschutzmittel und Dünger so weit, dass er nur das isst, was er selbst anbaut. „Gucken Sie mal, was das für eine Wildnis da draußen ist“, sagt er mit Blick auf seinen Garten. Links ist ein Komposthaufen hinter dem Gewächshaus, daneben mehrere kleine Felder, die nicht sehr gepflegt aussehen, ein kleiner Baum, Sträucher – insgesamt eine Mischung aus Braun und Grün.

Und genau so soll es sein. „Man sollte einfach mindestens 20 Prozent unbewirtschaftet lassen“, sagt Boltjes. Denn auf einer kurz gemähten, grünen Wiese finden Wildbienen weder Nahrung noch Unterschlupf. Und genau darin sieht Roland Marquart das Problem. „Es entspricht eben heute dem Schönheitsideal, wenn ein Garten grün, gleichmäßig und wie ein englischer Fußballrasen ist“, meint er. Deshalb haben er und Günter Boltjes einen Kompromissvorschlag für Gartenbesitzer: „Es reicht schon, wenn man an den Rändern einen Streifen nicht abmäht und einfach der Natur überlässt“, sagt Marquart.

Oft wird zu früh gemäht

Den Rasenmäher sollte man sowieso nicht zu früh herausholen. „Solange es blüht, mäht man nicht“, sagt Boltjes. Sonst bekommen die Bienen nicht genug Futter und können keine Pollen weitertragen. Um Nahrung kämpfen Wildbienen manchmal sogar mit ihren Artgenossen, den Honigbienen. Im vergangenen Jahr mussten deshalb Honigbienenvölker aus dem Weidach- und Zettachwald umgesiedelt werden, damit die Wildbienen das Naturschutzgebiet für sich haben.

So gut geht es den Wildbienen natürlich nicht überall. Günter Boltjes berichtet, dass die Stadt große öffentliche Flächen in der Regel sehr früh abmäht. „Da dreht es mir den Magen um“, sagt Boltjes. Gleich hinter seinem Garten in Büsnau gebe es eine große Fläche, auf der die Rasenmäher oft schon viel zu früh anrückten. Roland Marquart habe im vergangenen Jahr in Kaltental beobachtet, wie Bäume und Gewächse am Waldeck relativ früh entfernt wurden. „An allen Straßenrändern wird aufgeräumt und abgemäht“, sagt er.

Stadt will weniger Böschungen bereinigen

Die Stadt teilt dazu auf Anfrage mit, dass sie beim Mähen auf Artenvielfalt achte. „Wie oft gemäht wird, hängt aber auch von der Nutzungsart der Grünflächen ab“, sagt Sprecherin Ann-Katrin Gehrung. So werden viele Flächen in den Filderbezirken, darunter auch der Grünzug in den Honigwiesen und die Gräben entlang der Böblinger Straße, zweimal im Jahr gemäht. Im Rosental komme der Rasenmäher sogar nur einmal jährlich.

Günter Boltjes ist es wichtig, dass auch Privatleute nicht zu früh und zu oft mähen. „Wir hoffen, dass wenn wir so anfangen, sich dann im Lauf der Zeit immer mehr tut“, sagt er. Denn: „Es ist doch schön, wenn man sich in Ruhe hinsetzen und die Bienen im Garten beobachten kann.“

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