Ein Herz für Schmetterlinge: Die Kartierer Fritz Weber und Jutta Schneider-Rapp bei der Schmetterlingsjagd. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko/Leif Piechowski

Der BUND und die Wilhelma pflegen im Stadtgebiet acht Schmetterlingswiesen. Wir erklären, warum das für die Schmetterlinge zum Überleben wichtig ist.

stuttgart - Warum ist hier denn nicht gemäht?“, meckert ein Spaziergänger im Rosensteinpark und betrachtet missbilligend die Wiese, in der es kunterbunt grünt und blüht. Weil es eine Schmetterlingswiese ist, wie sie der BUND-Landesverband und der BUND-Kreisverband Stuttgart (Bund für Umwelt und Naturschutz) und die Parkpflege des Zoologisch-Botanischen Gartens Wilhelma an insgesamt acht Orten im ganzen Stadtgebiet eingerichtet haben. Sie wird aus gutem Grund nur einmal im Jahr, meist im April, gemäht, weil so ein Stückchen Wiesen-Wildnis mit großer Pflanzenvielfalt nötig ist, damit Admiral, Aurorafalter, Distelfalter, Großes Ochsenauge, Hauhechelbläuling, Schachbrettfalter, Kleiner Kohlweißling, Ulmen-Zipfelfalter und Waldbrettspiel überleben können und uns erhalten bleiben. Darüber informieren nun hübsche und bunt gestaltete Tafeln, „damit der ordnungsbewusste Bürger keine falschen Schlüsse zieht“, wie Micha Sonnenfroh von der Wilhelma Parkpflege bei der Schmmetteretterlingswiese beim Naturkundmuseum und der Alten Meierei erklärte.

Alle Zuchtpflanzen haben keine Pollen

Was braucht denn ein Schmetterling, damit er uns umflattert und erfreut? „Das ist gar nicht so einfach zu beantworten“, holt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin vom BUND, ein bisschen aus. Sie ergänzt: „Die Raupen haben wieder ganz andere Bedürfnisse als der Schmetterling.“ Auf ihrem bevorzugten Speiseplan stehen zum Beispiel die ganz gewöhnliche Brennnessel. Oder die Wilde Möhre, Natternkopf und echtes Labkraut. So wohlgenährt, kann sie sich verpuppen, bis sich daraus beispielsweise der Schwalbenschwanz, „unser schönster und größter Falter“ (Pilarsky-Grosch), buchstäblich entfaltet. In einem wohlgepflegten Garten, wie er zu den meisten Villen und Einfamilienhäusern gehört, würde er trotz der Blütenpracht von Hortensien und Rosen glatt verhungern. Alle Zuchtpflanzen, so klagen die Hüter von Naturschutz und Artenvielfalt, haben keine Pollen und damit auch keinen Nektar mehr. Umso reicher ist der Tisch auf diesen Wiesenstücken im Wilhelmapark, im Rosensteinpark, im Unteren Schlossgarten, an der Grabkapelle auf dem Württemberg, beim Polizeipräsidium an der Hahnemannstraße und in Vaihingen bei der Universität gedeckt: Mit Flockenblumen, Kartäusernelke, Salbei, Klee, Distel oder Hauhechel, der seinem Stammgast, dem blauen Hauhechelbläuling, dem Namen gab.

Kescher und Glas gehörne zur Ausrüstung

Mit ihrem Schmetterlingsnetz hat Jutta Schneider-Rapp gerade einen Hauhechelbläuling gefangen. Jetzt flattert er als Demonstrationsobjekt in einem vorbereiteten Glas. Kescher und Glas gehören zur ständigen Ausrüstung für Jutta Schneider-Rapp, die wie Fritz Weber als ehrenamtliche Kartiererin für den BUND regelmäßig auf ihrer Schmetterlingswiese in Vaihingen unterwegs ist. Immer auf der Suche nach bisher unbekannten Exemplaren, die sie dann einfängt, um sie an das Helmholtz-Institut in Leipzig zur Bestimmung weiterzureichen. 22 Arten von Admiral bis Weißlingen wurden auf diese Weise im Jahr 2014 erfasst und kartiert.

Fritz Webers Revier ist am Württemberg bei der Grabkapelle: „Unser Paradestück“, sagt Sonnenfroh. Denn dort tummelt sich mit etwa 15 Arten die größte Faltervielfalt. „Darunter der Mauerfuchs, der gern in Weinbergen vorkommt und sonnige Plätzchen an der Mauer liebt“, verrät Weber. Seit 2010 betreuen BUND und Wilhelma gemeinsam dieses Projekt. Fast 80 Prozent der heimischen Arten stehen schon auf der Roten Liste, informiert der BUND. Und appelliert daher an die Gartenbesitzer, den Faltern eine wilde Ecke zu überlassen: ungemäht und mit Brennnessel, Distel, Thymian und Lavendel.

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