Fünf Generationen in 150 Jahren: Sebastian Kraft (links) hält eine Foto seines Ur-Opas Ludwig Karl Kraft, Ulrich Kraft (rechts) hält ein Foto seines Vaters Otto Kraft und in der Mitte ist Firmengründer Louis Adam Kraft abgebildet. Foto: Arta

Das Unternehmen Arta in Ludwigsburg feiert 150-Jahr-Jubiläum. Einst als Malerbetrieb gestartet, ist daraus ein Netzwerk mit hunderten Mitarbeitern geworden. Wie das gelang.

Ein Nebenerwerbslandwirt legte vor 150 Jahren den Grundstein für Arta – eine der bekanntesten Marken im Handwerk in der Region. Als Louis Kraft seinen Malerbetrieb in Eglosheim gründete, war kaum absehbar, dass dieser vier Generationen später zu einem Unternehmen mit mehr als 800 Beschäftigten (Partnerbetriebe eingerechnet) anwachsen würde. Ein besonderer Kniff und eine Eigenschaft waren dafür essenziell.

 

„Wir sind nie stehen geblieben und sind seit jeher offen für Neues“, sagt Sebastian Kraft. Der Ur-Ur-Enkel des Firmengründers ist heute Geschäftsführer eines Unternehmens, das viel mehr ist als ein Malerbetrieb. Bei den mittlerweile in Pflugfelden ansässigen Krafts erhalten Kunden eine Vielzahl an Einzelgewerken zu Boden, Dach, Fenster oder sogar eine Komplettsanierung.

Ein Kniff half beim Wachsen des Unternehmens. Man hat nämlich erkannt, dass Malerbetriebe und andere Handwerksfirmen in Sachen Unternehmensnachfolge, Buchhaltung oder Personalwesen ohne Hilfe auskommen mussten, diese aber gut gebrauchen könnten.

Die Unternehmenszentrale von Arta steht in Pflugfelden. Vom vierten Stock kann man Ludwigsburg überblicken. Foto: Arta

So entwickelte sich der Malerbetrieb Kraft zu einem Kooperationverbund selbstständiger Handwerksbetriebe mit dem Namen Arta. Die Kooperationen helfen den Betrieben in Teilbereichen und sie können sich auf ihr Handwerk konzentrieren. Im Gegenzug kann das Unternehmen Arta durch seine Partner den Kunden mehr Leistungen aus einer Hand anbieten.

Unterstützung bei Nachfolge

Zentral und wahrscheinlich immer wichtiger wird dabei die Hilfe bei der Unternehmensnachfolge. Was bei Arta seit 150 Jahren klappt, ist in vielen Handwerksbetrieben keine Selbstverständlichkeit. „Wenn ein Inhaber keinen Nachfolger hat, können wir helfen“, erklärt Prokurist Björn Foetsch. Arta übernimmt die Betriebsführung, baue dabei aber auf das vorhandene Team vor Ort.

Dadurch, dass demnächst die Generation der Babyboomer in den Ruhestand geht, rechnet Arta mit einer steigenden Nachfrage nach Hilfe bei der Betriebsnachfolge. Dabei gibt es laut Sebastian Kraft, kein Patentrezept für eine gelingende Nachfolge. Auch bei ihm und seinem Vater sei es noch ein Prozess, obwohl Sebastian Kraft seit 2021 die Verantwortung hat. „Es gibt auch mal Reibungen, aber durch Reibung entsteht auch Energie“, scherzt Kraft.

Allrounder an der Arta-Spitze

Für den heutigen Geschäftsführer zeichnete sich früh der Weg in den Familienbetrieb ab. Schon mit 14 schnupperte er ins Unternehmen hinein, machte nach dem Abitur seine Lehre in einem anderen Unternehmen und setzte ein Studium drauf. „Ich bin ein guter Allrounder“, sagt er über sich selbst. Der 39-Jährige hat drei Kinder – für die sechste Generation ist also schon gesorgt.

Sein Vater mischt weiterhin mit, hat sich nach seinem Rückzug als Geschäftsführer aber auch seinem musischen Talent gewidmet. Ulrich Kraft hat damals begonnen aufzutreten mit Liedern, Gitarre und Geschichten. Ein ganz und gar untypischer Seniorchef.

Die Vorurteile über eingestaubte Handwerksbetriebe treffen in vielerlei Hinsicht auf Arta nicht zu. Es gibt einen Walk of Fame für Mitarbeiter. Wer einen bleibenden positiven Eindruck hinterlässt, wird mit einem Stern an der Firmenzentrale geehrt. Vier gibt es bislang. Im Sommer gibt es außerdem ein Programm für die Belegschaft, das „Technik mit Basti“ heißt – dabei legt der Chef selbst Hand an. Für Auszubildende gibt es einen Knigge-Kurs, damit der Kundenkontakt positiv verläuft.

Sorgen um die Zukunft gibt es dann bei Arta zum 150. Geburtstag also nicht: „Wir denken nicht in Problemen, sondern in Lösungen“, heißt es dazu in der Chronik.