Armin Laschet stand bei „Anne Will“ im Zentrum der Kritik. Foto: AFP/Ina Fassbender

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), verteidigt in der Talkshow „Anne Will“ seinen Kurs zu Lockerungen der Pandemie-Beschränkungen. In den sozialen Medien kommen seine Argumente jedoch nicht gut an.

Stuttgart - Vier Politiker, einer stach heraus: Während der Talk-Runde von Moderatorin Anne Will im Ersten hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei vielen Zuschauern keinen guten Eindruck hinterlassen. In zahlreiche Posts in den sozialen Medien machen Nutzer ihrem Ärger über Laschet Luft. In der Sendung ging es um die Frage, ob Deutschland bei den Lockerungen zur Corona-Krise „zu forsch“ vorgehen würde. Laschet hatte sich in der Vergangenheit immer wieder als Befürworter von Lockerungen eingesetzt.

Lesen Sie hier: Lockerungsdebatte hält an - Laschet will weitere Schritte

Und auch in der Sendung verteidigte der Ministerpräsident neben Christian Lindner (FDP), Karl Lauterbach (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) seine Position. Seit dem 23. April sollen Schülerinnen und Schüler in NRW zur Prüfungsvorbereitung wieder in Schulen unterrichtet werden. In anderen Bundesländern, wie zum Beispiel Baden-Württemberg, öffnen die Schulen ihre Tore erst am 4. Mai.

So schreibt auf Twitter der Jurist und Blogger Christian Säfken (ehemals CDU-Mitglied) zu der Sendung:

Säfken bezieht sich in seinem Tweet wohl auf Aussagen Laschets, wissenschaftliche Diskussionen würden in der Debatte rund um Corona-Lockerungen am meisten Platz einnehmen. Soziale und wirtschaftliche Probleme, die wegen der Pandemie wachsen würden, etwa „Schäden bei Kindern, Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen“, rückten dagegen in den Hintergrund, so Laschet.

Lesen Sie hier: Laschet fordert Nachdenken über durch Lockdown verursachte Schäden

Doch viele Zuschauer sehen in den Äußerungen des Ministerpräsidenten eine Herabwürdigung der Wissenschaft. Als Angriffspunkt dient hierzu zusätzlich ein Zitat des CDU-Politikers vor etwa einer Woche: „Mir sagen nicht Virologen, welche Entscheidungen ich zu treffen habe“, sagte Laschet damals im Deutschlandfunk. Er bezog sich damit ebenfalls auf wirtschaftliche und soziale Folgen der Krise wegen zu starken Beschränkungen.

Doch einige User zweifeln daran, ob Laschet mit seiner Sorge wirklich Deutschland meint.

Dieser User beklagt wiederum die Aussage des CDU-Politikers, er habe gedacht, die Schulen seien von hygienischer Seite aus besser auf die Lockerungen vorbereitet.

Viele Nutzer haben demnach das Gefühl, der Ministerpräsident von NRW würde die Schuld zwar bei Wissenschaft und Kommunen suchen, nicht aber bei sich selbst.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach auf der andern Seite scheint in der Sendung vielen Nutzern gefallen zu haben.

Dass weitgehende Lockerungen und Schulöffnungen noch zu früh seien, beklagen Schüler, Lehrer und Experten seit Wochen. Erst vor Kurzem veröffentlichte der Youtuber Rezo ein Video, in dem er den geplanten Schulbeginn in den Bundesländern heftig kritisierte. Die Resonanz darauf war gewaltig.

Lesen Sie hier: Rezo über Corona-Pandemie – Youtuber nennt geplante Schulöffnungen irrsinnig

Befürworter der Lockerungen argumentieren auf der anderen Seite häufig, dass die Beschränkungen im Zuge der Pandemie bislang gute Wirkung gezeigt hätten – es also Zeit für Lockerungen sei. Auch würden die Öffnungen in Richtung Normalität schrittweise und nicht plötzlich erfolgen. Es bleibe demnach genug Zeit, sich personell und hygienisch auf Lockerungen vorzubereiten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: