Arlind Rexhepi hat seine fußballerische Ausbildung beim Hamburger SV erhalten. Nun haben die Stuttgarter Kickers den offensiven Mittelfeldmann von Waldhof Mannheim ausgeliehen. Was zeichnet den 21-Jährigen aus?
Das Adrenalin pumpte nach dem gelungenen Debüt noch durch seine Adern. Wahrscheinlich sprudelte es aus Arlind Rexhepi auch deshalb in seinem ersten Interview als Neuzugang der Stuttgarter Kickers nur so aus ihm heraus. „Fußball ist Fußball, egal, ob du beim FC Bayern spielst oder bei den Stuttgarter Kickers“, sagte der 21-Jährige direkt nach dem 3:0-Erfolg gegen den FC Gießen. Und ja, er sei überragend aufgenommen worden von der Mannschaft: „Die Jungs sind ein bisschen durchgeknallt, wir freuen uns, uns jeden Tag zu sehen, um uns im Training mal gegenseitig in die Beine zu treten oder schön Fußball zu spielen.“
Der Mann ist offen, direkt, lustig. Er spricht wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dabei kommt ihm auf sympathische Art dann schon mal der eine oder andere Spruch über die Lippen. Seit der Winterpause verstärkt der Offensivmann den Regionalligisten. Was ihn auf dem Platz auszeichnet? Spielfreude, Kreativität, Passqualität, Technik. Am liebsten bringt er diese Stärken über den linken Flügel ein. „Arlind tut unserem Kader gut. Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Er wird bei engen Situationen nicht nervös, behält die Übersicht und findet gute Lösungen“, lobt Lutz Siebrecht, der Geschäftsführer Sport.
Leihe zunächst bis Saisonende
Genau deshalb haben ihn die Blauen zunächst bis zum Saisonende vom SV Waldhof Mannheim ausgeliehen. Beim Drittligisten war er nur zu zwei Drittligaeinsätzen gekommen. „Der Start beim Waldhof war schwierig, man steckte gleich unten drin und der Trainer setzte auf die Erfahrenen“, begründet Rexhepi seine Reservistenrolle in seiner ersten Station fern der Heimat.
Der „Hamburger Jung“ ist in der Hansestadt geboren und aufgewachsen, ab der U 14 hat er alle Nachwuchsteams beim HSV durchlaufen, bis hin zur U 21 in der Regionalliga Nord. In den Jugend- und Junioren-Nationalmannschaften kam er neunmal für Albanien (U 21) zum Einsatz, davor dreimal für Deutschland unter Trainer Christina Wück (U 16 und U 17). Zum Durchbruch beim HSV hat es nicht gereicht. „Man braucht auch immer ein bisschen Glück und den richtigen Trainer“, sagt Rexhepi. Im Nachwuchsbereich förderte ihn vor allem Talentschmied Pit Reimers jahrelang, bei den Profis hatten die jeweiligen Cheftrainer Tim Walter und Steffen Baumgart andere Vorstellungen. Unter dem aktuellen Zweitligacoach Merlin Polzin hätte er sich mehr Chancen ausgerechnet, da er stärker auf die Jugend setze.
„Kickers haben eine Wucht“
Rexhepi ist aber keiner, der die Schuld bei anderen sucht. Er weiß, dass es an der Zeit ist, unabhängig von den Rahmenbedingungen, sich dauerhaft bei den Aktiven durchzusetzen. Dabei sollen die Kickers das Sprungbrett sein. „Ich weiß, was dieser Verein für eine Wucht hat. Es gibt keinen besseren Regionalligisten, um mich weiterzuentwickeln“, sagt er. Trainer Marco Wildersinn hatte den Mann, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen und der vier ältere Schwestern hat, schon länger auf dem Radar. Bereits zu Wildersinns Zeiten bei Bayern-Regionalligist Würzburger Kickers gab es Kontakte.
Rexhepi jedenfalls ist froh, in Stuttgart gelandet zu sein. Gemeinsam mit Torwart Louis Lord, dem zweiten Winter-Neuzugang, wohnt er im Studentenwohnheim in Plieningen, in einer WG mit einem guten Dutzend Studenten. „Jeder hat sein eigenes Zimmer, das passt alles sehr gut“, sagt Rexhepi. Jetzt hofft er demnächst auf einen Startelfeinsatz und an diesem Samstag (14 Uhr) beim FC-Astoria Walldorf auf einen Auswärtssieg. Und das Saisonziel? „Das ist eigentlich jedem klar, aber man spricht nicht darüber“, sagt er mit einem Schmunzeln und hält sich in diesem Fall mit einem flotten Spruch lieber zurück.
Termine
Regionalliga
Kickers – FC Gießen 3:0, FC-Astoria Walldorf – Kickers (1. März, 14 Uhr), Kickers – 1. Göppinger SV (8. März, 14 Uhr), TSV Steinbach Haiger – Kickers (15. März, 14 Uhr)), Kickers – Kickers Offenbach (22. März, 14 Uhr), FSV Frankfurt – Kickers (30. März, 14 Uhr), Kickers – SGV Freiberg (2. April, 19 Uhr), TSG 1899 Hoffenheim II – Kickers (4. bis 6. April), Kickers – Bahlinger SC (11. bis 13. April), SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers (19. bis 21. April), Kickers – Eintracht Trier (25. bis 27. April), Kickers – SC Freiburg II (2. bis 4. Mai), 1. FSV Mainz 05 II – Kickers (10. Mai, 14 Uhr), Kickers – KSV Hessen Kassel (17. Mai, 14 Uhr). (jüf)