Der Eisbrecher „Polarstern“ war am 20. September im Rahmen einer bislang einzigartigen Expedition vom norwegischen Tromsö aus gestartet. Foto: Esther Horvath/Alfred-Wegener-In

Das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ kann seine einjährige Eisdrift durch das Nordpolarmeer starten. Ein Jahr lässt sich das Schiff in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Welt einschließen, um Erkenntnisse über das Eis zu gewinnen.

Bremerhaven - Wissenschaftler der „Mosaic“-Expedition haben eine stabile Eisscholle gefunden, auf der sie das Forschungscamp aufbauen wollen, wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut am Freitag mitteilte. Das war eine der entscheidenden Voraussetzungen, um die Drift überhaupt aufnehmen zu können. Der Eisbrecher „Polarstern“ war am 20. September im Rahmen einer bislang einzigartigen Expedition vom norwegischen Tromsö aus gestartet, um in der Arktis Klimadaten zu sammeln.

„Mosaic“ steht für „Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate“. Nach ihrem Start nahm die „Polarstern“ Kurs auf das noch dünne sibirische Meereis bis hinauf zum 85. Breitengrad. Dort haben die Forscher eine stabile ältere Scholle gesucht, an der das Schiff festmachen kann und mit der es während des Winters auf dann immer dicker werdendem Eis durch die zentrale Arktis driftet.

300 Wissenschaftler aus 17 Ländern an Bord

Die Suche mit Hilfe von Satelliten, zwei Eisbrechern, Helikopter-Flügen und Erkundungsmissionen auf dem Eis sei eine enorme Herausforderung gewesen, hieß es. „Unter anderem, weil es nach dem warmen Sommer kaum ausreichend dicke Schollen in der Ausgangsregion der Expedition gibt.“ Das Schiff lasse sich jetzt auf einer etwa 2,5 mal 3,5 Kilometer messenden Scholle festfrieren und drifte derzeit bis zu zehn Kilometer pro Tag in unterschiedliche Richtungen.

Im Laufe eines Jahres wollen im Wechsel etwa 300 Wissenschaftler aus 17 Ländern an Bord sein. Mit der spektakulären Expedition wollen sie zum ersten Mal das gesamte Klimasystem in der Zentralarktis erforschen. Das Budget dafür beträgt den Angaben zufolge rund 140 Millionen Euro.

Experten erheben Daten in den fünf Teilbereichen Atmosphäre, Meereis, Ozean, Ökosystem und Biogeochemie. So wollen sie den Wechselwirkungen auf die Spur kommen, die das arktische Klima und das Leben im Nordpolarmeer prägen. Zu diesem Zweck wollen sie in einer Region überwintern, die in der Polarnacht nahezu unerreichbar ist. Allein die Naturgewalt der Eisdrift bietet ihnen diese Chance.

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