Der Argentinier Diego Maradona sieht sich als Soldat Venezuelas. Foto: dpa

Die argentinische Fußball-Ikone schlägt sich in der Krise auf die Seite der Regierung . Bei Studentenunruhen gibt es Tote.

Die argentinische Fußball-Ikone schlägt sich in der Krise auf die Seite der Regierung . Bei Studentenunruhen gibt es Tote.

Caracas - Die Petrodollar machen es möglich: Diego Maradona wird die Fußball-WM 2014 in Brasilien für den südamerikanischen Nachrichtensender Telesur als Kommentator begleiten. Telesur ist ein in fast ganz Lateinamerika empfangbarer Kanal, der vor allem aus dem sozialistisch regierten und ölreichen Venezuela finanziert wird. Lateinamerikas Linksregierungen haben ihn einst ins Leben gerufen, um ein Gegengewicht zu den bis dato übermächtigen US-amerikanischen Nachrichtenkanälen Fox News und CNN en español zu schaffen.

Venezuela durchlebt derzeit eine schwere wirtschaftliche und politische Krise, seit Wochen gehen vor allem Studenten auf die Straße, um gegen Lebensmittelknappheit, die hohe Inflation und die ihrer Meinung nach staatliche Zensur zu demonstrieren. Bereits 15 Menschen haben bei den Unruhen ihr Leben verloren.

Maradona ficht all das nicht an. Kaum ist die Tinte unter dem Vertrag trocken, über dessen finanzielle Modalitäten nichts bekannt ist, verwandelt sich der Argentinier in einen politischen Botschafter der angeschlagenen Regierung in Caracas: „Wir sehen alle diese Lügen, die die Imperialisten sagen und kreieren“, sagt Maradona und kündigt an, er stehe zur Verfügung, um ein Soldat Venezuelas zu sein, und sei stolz, das bolivarianische Vaterland zu verteidigen. All das sind Floskeln, die auch die Regierung von Präsident Nicolas Maduro den jungen Demonstranten entgegenschleudert. Maduro bezeichnet sie außerdem noch als Nazi-Faschisten und vom Ausland gesteuerte Putschisten. Viele venezolanische Sportler, unter ihnen auch der Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft, Juan Arango von Borussia Mönchengladbach, oder Ex-Nationaltrainer Cesar Farias sehen das anders. Sie fordern, das Recht auf friedliche Demonstrationen zu respektieren (Arango) oder einen Platz am Verhandlungstisch auch für die Opposition (Farias). Künstler, Sportler und sogar Friedensnobelpreisträger Oscar Farias aus Costa Rica fordern die venezolanische Regierung zum Umdenken auf, Maradona stellt sich ihnen direkt entgegen.

Besonders für die regierungskritischen Tageszeitungen in Venezuela ist die Verpflichtung des von mehreren TV-Sendern umworbenen Maradona ein Schlag ins Gesicht. Sie werfen der Regierung vor, ihnen die Devisen für den Kauf des in Venezuela äußert knappen Zeitungspapiers vorzuenthalten, um die Berichterstattung zu verhindern. Für den in Dubai tätigen Maradona stehen aber Devisen zur Verfügung. Vielleicht wird Maradona das Honorar dafür nutzen, seine millionenschwere Steuerschuld in Italien zu begleichen. Dort wartet der Fiskus immer noch darauf, dass „D10S“ seine Schuld abträgt. Mit den Millionen, die Maradona aus seiner Zeit in Neapel dem italienischen Staat vorenthält, könnten Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser oder auch soziale Einrichtungen für all die bezahlt werden, die wegen der schweren Finanzkrise aus dem sozialen Netz gefallen sind. Maradona zahlt nicht, und deswegen dürfen Zweifel an seiner wirklich sozialistischen Überzeugung erlaubt sein.

Die „Hand Gottes“ macht aus seiner Nähe zu sozialistischen Regierungen allerdings keinen Hehl, und das ist sein gutes Recht. Mit dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro verbindet ihn genauso eine Freundschaft wie mit dem 2013 verstorbenen venezolanischen Regierungschef Hugo Chavez. Auch gegen sein Engagement für den TV-Sender Telesur, der wohlwollend über die lateinamerikanischen Linksregierungen berichtet und der Opposition kaum Raum einräumt, ist nichts einzuwenden. Ob er sich allerdings damit einen Gefallen tut angesichts der brutalen Gewalt, mit der die Maduro-Regierung gegen die oppositionellen Studenten vorgeht und deren ganzen Ausmaß noch gar nicht so richtig bekannt ist, auch als politischer Lobbyist tätig zu werden, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin liefert er das, was von ihm erwartet wird. Es lässt den angeschlagenen Präsidenten hochleben: „Vivo Maduro“. Und in Venezuela sterben derweil die Menschen, die für mehr Demokratie auf die Straße gehen.

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