Vieles wird als Sperrmüll beim Umzug zurückgelassen. Foto: Eva Funke

Zwei Mal wurde der Umzug der Flüchtlinge an der Roten Wand verschoben. Bis zum kommenden Donnerstag sollen auch die letzten Bewohner umquartiert sein.

Stuttgart-Nord - Matratzen, Teppiche, alte Schränke: Von den Flüchtlingen aus dem Containerdorf an der Roten Wand ist nicht viel mehr geblieben als ein Berg Sperrmüll. Insgesamt fallen durch den Auszug der Bewohner aus ihren Containern rund 60 Kubikmeter an. Auf andere Unterkünfte verteilt worden sind sie, weil auf dem Areal Wohnungen gebaut werden sollen. Nur noch vier Familien sind auf dem Gelände. Spätestens am Donnerstag müssen auch sie weg sein. Ein Kurde, der mit seiner Frau und den drei Kindern noch da ist und nach Feuerbach umquartiert wird, ist skeptisch. „Hier haben wir drei Räume. Dort sind es nur noch zwei, und die sind sehr klein“, sagt er.

Bei Bärbel Mohrmann vom Freundeskreis Killesberg, der die Flüchtlinge unterstützt, laufen die Fäden in Sachen Organisation von Hilfsangeboten zusammen: Auch jetzt noch schickt sie Brandbriefe an die Mitglieder: Für eine dreiköpfige Familie, die in die Einrichtung an der Krailenshalde gezogen ist, sucht sie eine private Wohnung, da die Wohnsituation für die Familie dort unerträglich geworden sei. Und für eine Chinesin, die kurzfristig eine private Unterkunft bekommen hat, will sie Umzugshelfer finden, die an diesem Mittwoch mit anpacken können.

Der Freundeskreis will sich weiter um die Flüchtlinge kümmern

In dem Containerdorf am Killesberg eingezogen sind die ersten 121 von insgesamt rund 300 Flüchtlingen Mitte Juni 2016. „Es war immer klar, dass das nur eine Übergangslösung ist“, sagt Gabriele Weide. Die 69-Jährige arbeitet von Anfang an im Freundeskreis mit. Sie erinnert sich noch an die Zeit, als das Flüchtlingsdorf in Planung war. „Bei einem ersten Informationsabend wurde gefragt, ob das Gelände eingezäunt wird, damit nichts passiert.“ Zäune gab es an der Roten Wand nicht, auch keine Sicherheitsleute wie bei der Unterkunft an der Tunzhofer Straße. „Das es dort Wachpersonal gibt, hat viele erschreckt“, sagt Weide und räumt ein, dass dort eben um die 1000 Menschen leben.

Einige der Familien, die sie betreut hat, haben Fuß gefasst, leben jetzt in Privatwohnungen. Mit manchen hat sie noch Kontakt. „Das freut mich natürlich. Aber ich weiß auch, dass wir mit unseren Angeboten nur einen kleinen Prozentsatz der Flüchtlinge, und da vor allem Familien, erreicht haben“, sagt sie.

Gabriele Weide und ihre Mitstreiter wollen sich weiterhin um „ihre“ Flüchtlinge kümmern. Denn obwohl die meisten Container unbewohnt und die Bewohner auf andere Einrichtungen verteilt worden sind, ist das Café Welcome – die Anlaufstelle für die Flüchtlinge – fast voller als früher.

„Die Leute kommen aus den anderen Unterkünften, um sich hier zu treffen oder Hilfe zum Beispiel für Behördengänge zu bekommen“, sagt Weide. Ein Nebeneffekt des Engagements: Zwischen den Mitgliedern des Freundeskreises haben sich Freundschaften entwickelt. Weide: „Eine Nachbarin, die ich nicht kannte, ist auch dabei, wir verstehen uns richtig gut.“

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