Désirée Nosbusch ermittelt in Irland am Wasser. Foto: ARD Degeto Film/good friends Fil

Am Donnerstag spielt Désirée Nosbusch wieder im „Irland-Krimi“ der ARD. Die Schauspielerin gehe als Feministin durchs Leben, sagt sie. Furcht vor Komplimenten fände sie aber schade.

Anfang der Achtzigerjahre wurde Désirée Nosbusch als sehr junge Schauspielerin und Moderatorin auch in Deutschland berühmt. Inzwischen spielt sie ganz unterschiedliche Rollen. Im Interview spricht sie über die Balance zwischen Flirt und Feminismus sowie Anspruch und Kompromiss bei Fernsehrollen.

 

Frau Nosbusch, Anfang März haben Sie im ZDF-Drama „In fremden Händen“ eine unsympathische Betrügerin gespielt, Anfang April kämpfen Sie als Kriminalpsychologin im „Irland-Krimi“ der ARD für Gerechtigkeit. Was hat Ihnen mehr Spaß gemacht?

Was bei einem „Irland-Krimi“ große Freude macht, ist, dass man die Möglichkeit bekommt, eine Figur – die man inzwischen seit sieben Jahren spielt – immer wieder ein Stück näher und auch anders kennenzulernen. Auf der anderen Seite: Eine Figur wie die Betrügerin Karola Bussard im Film „In fremden Händen“ könnte ich, glaube ich, nicht über Jahre hinweg spielen – ich würde wahrscheinlich ein Magengeschwür bekommen. Diese Figur habe ich als große Herausforderung empfunden und hatte einen tiefen Respekt davor. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich so unterschiedliche Dinge machen darf.

„In fremden Händen“ war ein weitaus ambitionierterer Fernsehfilm als die Folge „Die Tote am Fluss“ des gemächlichen „Irland-Krimis“. Spielt der Anspruch einer Produktion bei Ihrer Rollenauswahl eine Rolle?

Bei Einzelstücken kann man eher Ja oder Nein sagen. Da bin ich – was meinen Anspruch angeht – sehr streng. Ich darf sagen, dass ich doch einiges absage, weil die Drehbücher in meinen Augen noch nicht da sind, wo sie sein müssten. Bei einer Reihe hingegen ist man stärker gebunden. Man kann nicht mal eben nach drei Folgen sagen: „So, jetzt bin ich dann mal weg, weil das Buch nicht stimmt.“ Ich kann sagen, dass wir seit Jahren immer wieder sehr um die Qualität ringen.

Inwiefern?

Es ist nicht immer leicht, in diesen Krimi-Formaten neu und spannend auf einem gewissen Niveau zu bleiben. Es ist auch nicht einfach, die Figur Cathrin Blake, die ich spiele, immer authentisch als Psychologin und Profilerin in einen Fall einzubinden. Ich bin von Produzenten umgeben, die diesen Anspruch mit mir teilen. Mal gelingt es besser, mal weniger. Krimis im deutschen Fernsehen haben bestimmte Regeln, die ich als Luxemburgerin nicht immer nachvollziehen kann. Aber das ist so ein bisschen die heilige Kuh des deutschen Fernsehens und wir bemühen uns, die Qualität zu halten. Bald gehe ich wieder nach Irland, und diesmal bin ich sehr glücklich über die neuen Drehbücher.

Verbündete: Superintendent Sean Kelly (Declan Conlon) und die Psycologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) Foto: ARD Degeto Film/good friends Fil

Wie gefällt es Ihnen in Irland?

Inzwischen ist meine Liebe zu Irland völlig unabhängig vom „Irland-Krimi“. Selbst wenn es die Reihe irgendwann nicht mehr geben sollte, was ich nicht hoffe, würde ich so oft wie möglich dorthin fliegen, weil ich inzwischen abhängig bin und Sehnsucht habe.

Weshalb?

Eine irische Freundin sagte einmal zu mir: „Du musst in einem früheren Leben in Irland gelebt haben, Désirée.“ Das Land und ich vibrieren auf einer Wellenlänge. Es ist ein Ort, der mir erlaubt, meine innere Stimme zu hören. Das Land trägt eine Melancholie und Nostalgie in sich, die ich auch empfinde. Und wenn dich die Menschen mögen, weißt du es, und wenn sie dich nicht mögen, weißt du es auch. Ich liebe diese Direktheit, weil ich selbst so bin.

Auf Youtube kann man sehen, wie Joachim Fuchsberger Sie damals mit 16 im Studio erst ständig berührt und dann übers Knie gelegt hat. Helfen Ihnen derartige Erfahrungen, die Sie als junge Frau gemacht haben, dabei, ihre Kriminalpsychologin in der Folge „Die Tote am Fluss“ des „Irland-Krimis“ mit einer feministischen Grundierung auszustatten, wenn sie beispielsweise sagt: „Sie ist gestorben, weil sie eine Frau ist.“?

Ich hätte gut auf solche Erfahrungen verzichten können, aber sie gehören zu meinem Leben dazu und haben mir die Augen geöffnet. Ich finde es furchtbar, dass es solche Situationen noch gibt, und ich bin dankbar, dass Metoo irgendwann aufgekommen ist. Ich gehe als Frau und natürlich auch als Feministin durchs Leben. Heute lasse ich nichts Frauenfeindliches mehr durchgehen. Absolut gar nichts mehr.

Empfanden Sie Joachim Fuchsbergers Umgang vor laufender Kamera mit Ihnen damals als unangenehm?

Ich bin leider in einer Zeit groß geworden, in der man noch so erzogen wurde, dass Menschen mit einer gewissen Position automatisch Autoritätspersonen sind. So wie man früher gesagt hat: „Sei nett zu dem lieben Onkel.“ Heute würde ich sagen: „Nicht jeder alte Mann ist ein lieber Onkel.“ Ich weiß noch, dass ich damals gedacht habe: „Irgendwas läuft hier schief.“ Das Übers-Knie-Legen ist, glaube ich, der einzige Auftritt in meinem Leben, den ich bereue. Er war bestimmt nicht meine Idee. Er wurde mir nahegelegt, und ich dachte, ich müsse es tun, um zu überleben. Kurz danach bin ich dann auch nach New York gegangen.

Anfang der Achtzigerjahre wurden auch die Popsongs aus den Siebzigern noch gesungen, in denen von 16-Jährigen geschwärmt wurde.

16 ist eine Schwelle. In Amerika feiert man diesen Geburtstag ganz besonders. In der Musik kommt hinzu, dass es gut klingt und auch eine gewisse Provokation enthalten kann – damit habe ich nicht so sehr ein Problem. Die große Frage ist ja: Wo fängt es an, wo hört es auf und wann wird es gefährlich? Heute bewegen wir uns in einer Zeit, in der man manchmal gar nicht mehr weiß, ob man noch ein Kompliment machen oder flirten darf. Das finde ich auch schade. Ich komme aus einer Kultur in Luxemburg und Italien, in der man sich umarmt, ohne böse Gedanken dahinter. Und „Sweet Sixteen“ zu singen, ist noch keine Tat.

Als Sie berühmt wurden, war Ihr Alleinstellungsmerkmal, dass Sie nicht nur gut, sondern auch sehr jung waren, eben 16. Wie schwer war es für Sie, nach diesem Start als Jugendliche dieses Interesse und auch die Begeisterung, die Ihnen entgegengebracht wurden, in ein normales Berufsleben zu überführen, in dem Sie eben auch Betrügerinnen oder Ermittlerinnen um die 60 spielen?

Ich bin nicht in diesen Beruf gegangen, um im Scheinwerferlicht zu stehen, sondern weil ich ihn als ernsthafte Arbeit begreife. Was in meiner Jugend passiert ist, war mir oft zu viel. Ich wollte nicht beklatscht werden, weil ich jung bin, ein paar Sprachen spreche und vielleicht ganz hübsch aussehe, sondern weil ich etwas kann. Ich wollte nach dem beurteilt werden, was ich abliefere. Diesen Weg musste ich mir erkämpfen und dafür auch einige Umwege gehen. Ich glaube, es ist mir gelungen, weil ich einfach meine Hausaufgaben gemacht und versucht habe, nicht stehen zu bleiben. Der Glanz war nie das, was mich interessiert hat. Wirklich nie. Mich interessiert der Prozess der Arbeit.

Désirée Nosbusch und „Der Irland-Krimi“

Schauspielerin
Die Luxemburgerin Désirée Nosbusch wurde 1965 geboren, fing mit 12 als Radiomoderatorin bei Radio Luxemburg an und wurde Anfang der Achtzigerjahre als Moderatorin und Schauspielerin auch in Deutschland populär. Sie spricht sechs Sprachen und ist im Fernsehen wieder sehr präsent.

Ausstrahlung
Die Folge „Die Tote am Fluss“ der Reihe „Der Irland-Krimi“ wird am Donnerstag, 9. April, um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Am 16. April folgt „Du gehörst mir“.