Grünes Erfolgsduo: Annalena Baerbock und Robert Habeck Foto: dpa

Kanzlerin Merkel hat noch erstaunlich hohe Zustimmungswerte. Den Grünen traut man die Lösung von Zukunftsfragen zu und würde sie auf Platz eins wählen: das sagen Befragte des ARD-Deutschlandtrends.

Stuttgart - Der ehemaligen SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles trauern die meisten Bundesbürger nicht nach. In der repräsentativen Meinungsumfrage von Infratest-Dimap für den ARD-Deutschlandtrend stellten zwei Drittel der Befragten – allgemein und auch in der SPD – fest, ihr Rücktritt sei gut gewesen, aber gleichzeitig sagt eine starke Mehrheit (82 Prozent) auch, dass den Sozialdemokraten gutes Führungspersonal fehle. Damit aber nicht genug: auch inhaltlich muss die SPD offenbar ihre Politik besser formulieren oder vermarkten, denn eine große Mehrheit (72 Prozent) ist der Ansicht, dass man gar nicht wisse, wofür die Genossen eigentlich stehen. Bei der Union ist dieser Wert besser, nur 43 Prozent wissen nicht, für welche Inhalte CDU und CSU eigentlich eintreten.

Die Arbeit der Kanzlerin findet eine Mehrheit gut

Die Umfrage ist Anfang Juni durchgeführt worden, die Turbulenzen der Europa- und Kommunalwahlen fanden dort also ihren Niederschlag. Dementsprechend fallen auch die Antworten auf die Frage aus, wen sie wählen würden, wäre am nächsten Sonntag eine Bundestagswahl: Die Grünen ziehen hier mit 27 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) an der CDU/CSU vorbei, die nur noch auf 25 Prozent (minus drei) kommt. Die SPD stürzt ab auf zwölf Prozent (minus sechs), die AfD schiebt sich auf Platz drei mit 13 Prozent (plus eins), die FDP liegt bei acht und die Linke bei sieben Prozent.

Dieser Einschätzung entsprechend schlecht fallen auch die Noten für die Große Koalition aus: Mit der Regierungsarbeit von Union und SPD sind nur noch 28 Prozent der Befragten zufrieden (minus zehn). Da ist es schon erstaunlich, dass die Bundeskanzlerin von dieser Abstrafung offenbar verschont bleibt. Mit der Arbeit von Angela Merkel sind immerhin noch 53 Prozent (minus zwei) zufrieden, die Kanzlerin zehrt offenbar von einem politischen Fettpolster. Für ihre Nachfolgerin im Amt der CDU-Vorsitzenden, Annegret Kramp-Karrenbauer, gilt das nicht, da schmilzt es dahin wie Butter in der Sonne: nur noch 24 Prozent sind mit AKKs Arbeit zufrieden, dahinter steht ein Minus von zwölf Prozentpunkten.

Die Grundrente wollen fast alle – sogar die Jungen

Auch was die Zukunft anbelangt, tickt eine Mehrheit der Befragten nun offenbar grün: Die Grünen – so sagen 27 Prozent der Befragten – hätten die besten Antworten auf die Fragen der Zukunft, bei der Union glauben dies nur zwölf Prozent und bei den Sozialdemokraten nur zwei. Dabei müsste die SPD doch eigentlich punkten mit einem von ihr energisch vertretenen Thema, dass sie in der Bundesregierung durchsetzen will: die Grundrente, ein finanzieller Aufschlag für Geringverdiener, die mehr als 35 Jahren Rentenbeiträge geleistet haben. Sie will auch eine große Mehrheit von 82 Prozent der Befragten und auch bei den Jungen ist die Befürwortung hoch. Aber ob es nun eine Bedürftigkeitsprüfung vor dem Bezug dieser Grundrente geben soll – das ist unklar: eine Hälfte der Befragten sagt ja, die andere nein.

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