Am Lochtobel bei Plüderhausen wird gerade die erste von ingesamt 16 Stationen gebaut. Das interkommunale Architekturprojekt soll verbindendes Aushängeschild der Remstal-Gartenschau sein. Foto: Gottfried Stoppel

Stein auf Stein: In Plüderhausen entsteht die erste der „16 Stationen“, dem interkommunalen Architekturprojekt der Remstal-Gartenschau. Nicht überall läuft es so rund: In Urbach und Winterbach stehen noch Genehmigungen aus, andernorts gibt es Kostensteigerungen.

Plüderhausen - Es ist gute alte Handwerkskunst, die sich derzeit in Plüderhausen am Lochtobel beobachten lässt. Maurermeister Daniel Starzmann nimmt jeden der weiß gebrannten oder roten Klinkersteine in die Hand, setzt Stein auf Stein, misst mit der Wasserwaage nach. Jede der 83 Steinreihen ist anders gestaltet. Sorgfalt, Genauigkeit und all ihre Erfahrung brauchen Starzmann und sein Chef Andreas Fibich, um die Vorgaben des Architekten Uwe Schröder umzusetzen. „So detaillierte Pläne bekommen wir selten, das ist etwas besonderes“, sagt Fibich.

Hochzeitsturm für die Hochzeitswiese

Aber etwas Besonderes ist schließlich auch der Hochzeitstum, der auf diese Art und Weise entsteht. Er ist Teil des interkommunalen Architekturprojekts „16 Stationen“. Renommierte Architekten aus ganz Deutschland haben für alle 16 teilnehmenden Kommunen der Remstal-Gartenschau Baukunst für besondere Landmarken geplant. „Unser Architekt hat sich von der Tradition der Hochzeitswiese inspirieren lassen“, sagt Andreas Schaffer, der Bürgermeister von Plüderhausen. Seit vielen Jahren können frisch getraute Paare ein Bäumchen auf der Hochzeitswiese pflanzen lassen. Das Angebot wird so gut angenommen, dass man mittlerweile bereits bei der vierten Wiese angekommen ist. Ein Symbol für die Ehe soll auch der Hochzeitsturm sein: Paare können diesen auf der Ostseite durch zwei Öffnungen betreten, sich im Gebäude ihr Versprechen geben und den Turm dann durch eine gemeinsame Öffnung auf der Westseite verlassen. „Wir denken, dass wir diesen Ort in Zukunft für standesamtliche Trauungen im Freien nutzen werden“, sagt Schaffer.

Sechs Meter hoch soll der Turm werden, den wunderbaren Ausblick übers Remstal bis nach Fellbach gibt es bereits am Boden. Im September soll das Richtfest sein, offiziell eingeweiht wird die Plüderhäuser Station – wie alle anderen – erst bei der Eröffnung der Remstal-Gartenschau am 10. Mai 2019. „Deswegen fangen in vielen Gemeinden auch die konkreten Arbeiten erst im Herbst oder Frühjahr an“, sagt Claudia Ingelmann, die Pressesprecherin der Remstal-Gartenschau.

In Lorch wird die Station gehäkelt

Nur in Lorch ist man auch schon fleißig dabei, die Pläne für die Station umzusetzen: Dort soll das Luginsland-Gebäude beim Kloster mit einem gehäkelten Überzug versehen werden. „Der Architekt trifft sich einmal im Monat mit den häkelnden Damen, der halbe Ort ist beteiligt“, erzählt Claudia Ingelmann.

Keine Häkel-, sondern eher eine Hängepartie ist die Umsetzung der Station in anderen Gemeinden. Vertreter aus Urbach waren diese Woche bei einer Besprechung im Landratsamt. Allerdings gibt es bisher noch kein grünes Licht für den favorisierten Standort am Gänsberg. Eine Entscheidung wird im Herbst erwartet.

In Winterbach wird ein neuer Standort gesucht

Auch in Winterbach ist die Standortfrage noch nicht abschließend geklärt. Der ursprünglich angedachte Platz liegt im Landschaftsschutzgebiet, auf einer Streuobstwiese unterhalb des Teilorts Engelberg. Dieser Standort wird nach Gegenwehr der Naturschutzverbände nicht kommen. „Wir sind gerade in Abstimmung mit der Architektin und dem Landratsamt wegen eines alternativen Standorts“, sagt Sven Müller, Bürgermeister in Winterbach. Dieser soll auch an dem weißen Pfad liegen, einem fünf Kilometer langen Kunst- und Erlebnisrundweg.

Ebenfalls aus Naturschutzgründen musste die Station in Schorndorf versetzt werden. Sie wird nicht direkt an der Hangkante des Grafenbergs, sondern etwas weiter unten gebaut und zudem etwas kleiner ausfallen.

Manche der „16 Stationen“ werden erheblich teurer

In anderen Kommunen waren es weniger der Standort, sondern andere Faktoren, die für Abweichungen von den ersten Entwürfen gesorgt haben. Aufgrund einer Kostensteigerung von 244 Prozent hat sich der Gemeinderat von Weinstadt dafür entschieden, das Kaminhaus nicht aus massivem Beton zu bauen, sondern auf eine filigrane Stahlkonstruktion zurückzugreifen, die den Fachwerkcharakter symbolisieren soll. Aus Stahl besteht auch die kreisrunde Pergola, die in Fellbach geplant ist. Obwohl diese mit 150 000 Euro zu Buche schlägt, wird die Station gebaut werden. Auch in Korb hat der Gemeinderat der Station trotz deutlicher Kostensteigerung zugestimmt.

In Remseck waren es dagegen wasserschutzrechtliche Gründe, weswegen die Station etwas anders aussieht als ursprünglich geplant. „Sie wurde von fünf auf drei Häuschen reduziert, zudem wird der Standort vom Neckar an die Rems verlegt“, sagt Claudia Ingelmann. In vielen anderen Gemeinden können die Stationen gemäß der Entwürfe umgesetzt werden, in einigen wurden auch schon erste Vorarbeiten geleistet: In Waiblingen wurde bereits ein Zaun als Absturzsicherung angelegt und das Fundament fertiggestellt, in Kernen die geplanten Pflückgärten ausgepflockt.

Verbindendes Element der Remstal-Gartenschau

Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert sieht das Projekt als verbindendes Aushängeschild. „Ich bin mir bewusst, dass es in der einen oder anderen Kommune für Diskussionen gesorgt hat und einige Entscheidungen noch ausstehen. Der Tenor der 16 Rathauschefs ist aber klar: Alle 16 Stationen sollen umgesetzt werden“, sagt Englert.

Turmpatenschaft: Es werden Sponsoren gesucht, die den Hochzeitsturm in Plüderhausen unterstützen. Für 250 Euro kann die Patenschaft für eine der 83 Reihen übernommen werden – rund zehn Paten gibt es bereits. Weitere Infos gibt es bei Elena Kinkel, Telefon 0 71 81/80 09 46.

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