Lichtdurchflutet, großzügig, gemütlich: ein Esszimmer in einer Clusterwohnung der Genossenschaft Spreefeld in Berlin Foto: U. Zscharnt

Wie sieht das Wohnen der Zukunft aus? Die Architekturgalerie am Weißenhof stellt das spannende Modell der „Clusterwohnung“ vor. Im Zentrum steht das Genossenschaftsprojekt Spreefeld in Berlin.

Stuttgart - Erschwinglich in der Großstadt wohnen – ein Bedürfnis, das der renditegetriebene Wohnungsmarkt kaum noch stillt. Immer mehr Menschen kümmern sich deshalb selbst darum, dass für sie das gebaut wird, was die Immobilienwirtschaft nicht bereithält. Eine Form des „Bauens und Wohnens im Kollektiv“ stellt die Architekturgalerie am Weißenhof jetzt in einer neuen Ausstellung vor. Anhand des 2014 fertiggestellten Projekts der Genossenschaft Spreefeld in Berlin wirft die von Stefan Werrer kuratierte Schau ein Schlaglicht auf das Modell der „Clusterwohnung“ (bis 5. Juli, geöffnet Di-Fr 14-18, Sa, So 12-18 Uhr).

Der Begriff mag wenig anschaulich sein, dass sich dahinter eine attraktive Form des städtischen Wohnens und Zusammenlebens verbirgt, machen in den Galerieräumen atmosphärische Fotografien deutlich: großzügige Gemeinschafts-Küchen und -Essräume, lichtdurchflutete private Wohnzimmer mit begrünten Terrassen. Sogar ein Bootshaus gehört zur Genossenschaft – das Grundstück liegt direkt am Spreeufer im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain.

Zonen, die zu Gemeinschaft einladen

Clusterwohnen bedeutet eine Kombination aus privaten und gemeinschaftlichen Räumen: Autarke Wohneinheiten unterschiedlicher Größe – im Spreefeld leben Singles genauso wie fünfköpfige Familien – werden mit gemeinschaftlichen Räumen zusammengeschlossen; ein Prinzip, nach dem auch Studentenwohnheime funktionieren. Jede Privatwohnung ist mit Bad und Küche ausgestattet, die Größen variieren zwischen rund 50 und 290 Quadratmeter. Verlässt man diese Einheit, landet man jedoch nicht wie im normalen Mehrfamilienhaus im zumeist anonymen Treppenhaus, sondern in Zonen, die zu Gemeinschaftlichkeit einladen – Küchen, Wohnräumen oder Terrassen etwa. Hinzu kommen sogenannte Optionsräume mit unterschiedlichen, von den Bauherren selbstbestimmten Nutzungen, etwa als Werkstatt, Laden, Auditorium oder Ess- und Versammlungsraum.

In einer Clusterwohnung könne man, so Christian Schöningh vom für die Projektsteuerung verantwortlichen Architekturbüro Die Zusammenarbeiter in einem Interview, hin- und herswitchen zwischen privatem und nachbarschaftlichem Wohnen, wie es einem gefalle. Auch durch das Genossenschaftsprinzip erzielte die Spreefeld-Baugruppe einen günstigen Quadratmeterpreis von 2050 Euro, in dem allerdings die Gemeinschaftsflächen mit einberechnet sind. 1000 Euro pro Quadratmeter betrug der von jedem Bauherrn einzubringende Genossenschaftsanteil.

Räumliche Freizügigkeit auch für Leute mit kleinem Geldbeutel

Vom Clusterwohnen profitieren somit Menschen mit kleinerem Geldbeutel doppelt: Sie wohnen im Vergleich zum regulären Wohnungsmarkt weitaus kostengünstiger, gleichzeitig eröffnen ihnen die Kollektivflächen eine erstaunliche räumliche Freizügigkeit.

Die Komplexität und Prozesshaftigkeit des kollektiven Bauens und Wohnens macht die Ausstellung nicht nur anhand verständlich aufbereiteter Grafiken und Pläne der drei Baukörper deutlich, sondern auch mit einem wirkungsvoll präsentierten Exponat: ein mit allerlei Schablonen und Pappstreifen ausgestatteter Modellbau-Koffer, mit dem die Bauherren die Grundrisse ihrer Wohnungen zusammenpuzzeln konnten.

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