„Das kleine Schwarze“ nennen die Bewohner dieses preisgekrönte Einfamilienhaus.Die Juroren haben ihr Wohlwollen weit gestreut. In der Liste der ausgezeichneten Bauten stehen Einfamilienhäuser neben der Böblinger Fußgängerzone. Foto: z

Eine siebenköpfige Jury hat 19 seit dem Jahr 2009 entstandene Häuser im Landkreis für preiswürdig erklärt. Gewürdigt wurde so gut wie jede Art architektonischer Leistung.

Böblingen - Eine Baugemeinschaft hat zumindest für sich ein drängendes Problem gelöst, das nicht nur den Landrat Roland Bernhard umtreibt. Er sagt es so: „Wir haben zu wenig Wohnungen, und die wir haben, kann sich kein Normalsterblicher mehr leisten.“ Jener Gemeinschaft ist es gelungen, ihr schmuck bei den Böblinger Seen gelegenes Zehnfamilienhaus für 2500 Euro pro Quadratmeter bauen zu lassen. Was der Jury für den Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen“ eine Prämierung wert war, selbstredend nicht nur des Preises, auch der gelungenen Architektur wegen.

84 Bauherren oder Architekten hatten Bewerbungen eingereicht. 26 davon nahmen die sieben Juroren nach dem Studium der Unterlagen in die engere Auswahl und besichtigten die Bauten. 19 bewerteten sie als preiswürdig. Das Wettbewerbsergebnis wird für eine Wanderausstellung dokumentiert und öffentlich präsentiert. Denn „die Objekte sollen auch Impulse setzen“, sagt der Jury-Vorsitzende Andreas Grube – sie sollen, dem Namen des Wettbewerbs gemäß, zum Beispiel und Vorbild für künftige Bauten werden.

Die Juroren wollten ihr Wohlwollen unübersehbar weit streuen

Die Juroren wollten ihr Wohlwollen unübersehbar weit streuen. Sie haben so gut wie jede Art architektonischer Leistung bewertet und ausgezeichnet, gleich ob Neubau, Sanierung oder Umwidmung alter Bauten. In der Siegerliste steht die Böblinger Fußgängerzone samt Umgebung neben dem Innenausbau der bescheidenen Georgskirche in Weil im Schönbuch, Gewerbe-Immobilien stehen neben Privatbauten, Kindergärten neben einer Friedhofshalle. Eingereicht werden konnten alle Bauten, die seit 2009 entstanden sind, dem Jahr des vorangegangenen Wettbewerbs. Auch zwei Einfamilienhäuser haben die Juroren für preiswürdig erklärt. Das eine steht in einem Villenviertel Böblingens und ist in kürzester Zeit aus Beton-Fertigteilen zusammengesetzt worden, was für Architekten eine planerische Herausforderung bedeutet. Diese Bauweise erfordert, „dass man von vornherein weiß, wo jede einzelne Steckdose sitzt“, sagt Grube.

Das zweite Einfamilienhaus ist bei einer Größe von rund 160 Quadratmeter für 300 000 Euro wiederum ein Schnäppchen. Möglich wurde dieser Preis durch den Verzicht auf einen Keller. Der Bau in Weil der Stadt gefiel der Jury wegen seiner kubischen Formen und seiner Flexibilität. Die Innenarchitektur ist wandelbar, damit sie den mit den Jahren wechselnden Bedürfnissen eines Familienlebens angepasst werden kann. Auffällig ist das Haus auch wegen seiner Farbe. „Das kleine Schwarze“ ist dieser Wettbewerbsbeitrag benannt.

In Schönaich steht ein Bau, dessen Bestimmung verblüfft

In Schönaich steht ein aus Holz konstruierter Bau, dessen aktuelle Bestimmung beim Blick auf sein Äußeres verblüfft. Dieses Flüchtlingsheim hat nichts gemein mit den andernorts eilig zusammengepressten Containerbauten. Die Juroren würdigten aber nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Weitsicht der Architekten. Die knapp geschnittenen Zimmer im Inneren können problemlos zu anderen Raumschnitten umgewandelt und zu Wohnungen vereint werden. „Eine super Lösung für nachhaltiges Wohnen“, urteilt Grube.

Neben einzelnen Bauten hat die Jury auch ganze Wohnquartiere bewertet. Grube erzählt, wie den Juroren in Böblingen drei Männer begegneten, die gerade von einer Yogastunde im Versammlungszentrum kamen, das Quartiershaus benannt ist. 235 Wohnungen hat die Stadt Böblingen in ihrem Neubauviertel namens Stadtgarten entstehen lassen. Gemäß dem Urteil der Juroren ist der Garten im Namen berechtigt. Trotz wirtschaftlicher Zwänge seien anspruchsvolle Wohnungen samt ansprechender Umgebung geschaffen worden, teilweise für Sozialhilfeempfänger. Zusätzlich überzeugte die Jury der nachbarschaftliche Zusammenhalt im Viertel, für den die drei Männer mit den Yogamatten beispielhaft stehen.

Als Beispielhaft für die Zukunft des Reihenhausbaus wertete die Jury eine Kette von acht streng kubischen Flachdachbauten am Ortseingang von Schönaich. Deren Architektur „würde man sich öfter wünschen“, ist in den Bewertungsunterlagen vermerkt. Überdies sei vorbildlich gelungen, auf verhältnismäßig knapp geschnittenen Grundstücken so viel Wohnraum wie möglich zu schaffen.

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