Architektonische Altlast Stadt will Problemfall Marstall-Center lösen

Von Sascha Schmierer 

Ludwigsburg wagt neuen Anlauf, die Eigentümer nach jahrelangem Stillstand an einen Tisch zu bringen.

Ludwigsburg - Kaum noch Kundschaft, immer mehr leer stehende Geschäfte und ein nicht mehr zu übersehender baulicher Niedergang – das Ludwigsburger Marstall-Center hatte in den vergangenen Jahren fast mehr Negativschlagzeilen als Besucher. Mittlerweile allerdings kräht gar kein Hahn mehr nach der architektonischen Altlast am unteren Ende der Fußgängerzone. Die reichlich abgewirtschaftete Ladenpassage in Sichtweite zum Barockschloss ist nur noch als Bausünde ein Begriff – und dümpelt, vom Publikum fast vergessen, vor sich hin.

Nun allerdings wagt die Stadt Ludwigsburg einen neuen Anlauf, die Eigentümer nach jahrelangem Stillstand wenigstens an einen Tisch zu bringen. Um als Vermittler bei Vertragsgesprächen auftreten zu können, hat Oberbürgermeister Werner Spec in einer Eilentscheidung gar die Gründung einer städtischen Gesellschaft verfügt.

Der neuen Rathaustochter soll gelingen, was bisher stets gescheitert war: die äußerst kompliziert verschachtelten Eigentums-verhältnisse des Hochhausblocks zu klären und wenigstens bei den Ladenzeilen und der Tiefgarage alle Flächen in einer Hand zu bündeln. Ein finanzielles Risiko für die Stadt soll durch die neue Tochtergesellschaft nicht entstehen. Im Rathaus ist von einer reinen Vermittlungsrolle die Rede, die Gesellschaft soll mit den Eigentümern vernünftige Verkaufspreise für die im Jahr 1974 eröffnete Problem-Immobilie vereinbaren – und erst in einem zweiten Schritt auch nach einem neuen Investor suchen.

Rettungsversuch als letzte Chance für das stark angejahrte Einkaufszentrum

Bei den Fraktionen im Stadtrat hat Rathauschef Spec für seine Idee bereits Unterstützung erhalten – der Rettungsversuch wird als letzte Chance für das stark angejahrte Einkaufszentrum angesehen. Denn in der Stadt wird längst über den Bau neuer Handelsschwerpunkte diskutiert. Immer wieder kommen Projekte für den Arsenalplatz oder das Schillerviertel ins Gespräch, auch die Kreissparkasse sorgte bereits mit Gedankenspielen für attraktive Verkaufsflächen an ihrem Stammsitz für kontroverse Debatten. Bisher aber blockiert die unklare Zukunft im kriselnden Marstall-Center auch die Pläne für neue Verkaufsflächen in der City – und damit die Entwicklung der gesamten Ludwigsburger Innenstadt.

Das Problem: Um das Marstall-Center für die zahlende Kundschaft wieder attraktiver zu machen, müsste ein neuer Investor viel Geld in die Hand nehmen. Die dringend nötige Modernisierung der Ladenpassage wird von Experten auf 20 Millionen Euro geschätzt. Bisher standen einer Entscheidung für eine Investition in dieser Größenordnung immer die komplizierten Besitzverhältnisse im Weg. Die 54 Läden unter den Wohnetagen gehören insgesamt 30 verschiedenen Eigentümern, neben privaten Geschäftsleuten sind auch drei Fondsgesellschaften aus den Niederlanden und Luxemburg im Boot.

Nach dem Auszug der Lebensmittelkette Tengelmann und des Warenhauses Karstadt blieben die Rettungsversuche fürs Marstall-Center schon wegen der Vielzahl beteiligter Verhandlungspartner halbherzig. Mittlerweile haben sich mit der Modekette C&A und dem Drogeriemarkt Schlecker auch die letzten großen Geschäfte vom Acker gemacht. Selbst Sicherheitsunternehmen ist das Umfeld des Einkaufszentrums offenbar nicht mehr geheuer – zuletzt verlegte die Firma Reiher ihren Sitz an den Holzmarkt.

Lesen Sie jetzt