Im Ludwigsburger Rathaus wird über die Zukunft des Gestaltungsbeirats nachgedacht. Denn zuletzt ist ein Architekt massiv angegriffen worden. Foto: Pascal Thiel

Eigentlich soll der Gestaltungsbeirat in Ludwigsburg Bausünden verhindern. Nachdem ein Architekt von der Experten-Runde zuletzt aber heftig persönlich attackiert wurde, denkt die Stadt über neue Regeln für den Rat nach.

Ludwigsburg - Es wurde mit harten Bandagen gerungen in der jüngsten Sitzung des Ludwigsburger Gestaltungsbeirats. Einige Architekten mussten sich teils harsche Kritik von dem Gremium gefallen lassen, das bei anstehenden Neu- und Umbauten in der Barockstadt zu Rate gezogen wird. Doch anders als in den vorangegangenen Sitzungen mischten sich unter die harten, aber sachlichen Urteile diesmal offenbar auch persönliche Attacken. Vor allem ein selbstständiger Planer aus Ludwigsburg wurde dabei angegangen – was im Nachhinein hohe Wellen schlägt.

Der Urheber der Pläne für ein neues Geschäftshaus am Reithausplatz wurde gleich von mehreren Beiratsmitgliedern scharf attackiert. Er habe seinen Beruf verfehlt, sagte einer etwa, die Vorsitzende des Gremiums, Petra Zeese, riet dem Bauherrn des Projekts gar dazu, den Architekten zu wechseln – während sich dieser noch im Raum befand. Der bisherige Planer sei der Aufgabe offensichtlich nicht gewachsen, so die Meinung der Vorsitzenden.

Der Planer wehrt sich gegen die persönlichen Angriffe

Diese Angriffe haben nun offenbar dazu geführt, dass die Stadt über die Spielregeln in dem Rat neu nachdenken will – und auch erste Konsequenzen gezogen hat. Der Sinn und Zweck des Gremiums sei es, intensiv zu diskutieren, aber keinesfalls persönliche Angriffe zu fahren, sagt der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk: „Eine anständige Atmosphäre ist wichtig.“ Man habe sich daher bei dem betroffenen Architekten entschuldigt. Um künftige Entgleisungen zu vermeiden, habe man sich rathausintern Gedanken gemacht: Während die Verwaltung bislang eher als Zuschauer an den Sitzungen beteiligt war, sei es künftig denkbar, dass er selbst oder der Fachbereichsleiter Martin Kurt die Runden moderieren, sagt Bürgermeister Ilk. Auch will man im Rathaus von dem Vorsatz, Projekte öffentlich zu beraten, offenbar bei Bedarf abrücken können. So werde der Neubau am Reithausplatz in der nächsten Sitzung nichtöffentlich beraten, sagt Michael Ilk – auch, um den Planer zu schützen.

Der angegriffene Architekt selbst hat nach der Sitzung seinem Ärger in einer Rundmail an alle Mitglieder des Gemeinderats und die Bauverwaltung Luft gemacht. Darin wehrt er sich gegen die Angriffe gegen seine Person. Diese seien „völlig unnötig“ und „respektlos“. „Ich ärgere mich einfach, wie die Professoren mit einem Planenden umgehen“, sagte der freie Architekt. Die Mitglieder des Beirates hätten auch kaum eine inhaltliche Diskussion zugelassen. „Ich hatte den Eindruck einer vorgefertigten Abwatsch-Meinung“, schreibt er in der E-Mail.

Auch Teile des Gemeinderats sind verärgert

Auch bei Teilen der anwesenden Gemeinderäte kam der Ton jener Sitzung ganz und gar nicht gut an. Seine Fraktion habe sich daher ebenfalls bei dem Ludwigsburger Architekten entschuldigt, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat, Reinhold Noz, der selbst im Beirat sitzt. Seine Fraktion distanziere sich auch klar von einem solchen Vorgehen: „Das kann es nicht sein.“ Unter der Gürtellinie seien manche der Attacken gewesen, findet Reinhold Noz. Der betreffende Architekt habe in der Vergangenheit viele andere Projekte in Ludwigsburg umgesetzt, die gut gelaufen seien.

Dem kritisierten Planer stoßen aber nicht nur die persönlichen Angriffe von Mitgliedern des Beirates gegen ihn sauer auf. Er übt seinerseits auch grundsätzliche Kritik am Gestaltungsbeirat. Dieser bevorzuge eine bestimmte Art der Planung und Architektur, die seiner Meinung nach nicht die einzig wahre Lösung sein könne. Seit drei Jahren präsentiere er das Vorhaben am Reithausplatz immer wieder vor dem Gremium. Er habe das Gefühl, dass die Resultate oftmals der „kleinste gemeinsame Nenner“ seien. Es stelle sich die Frage, ob das Verfahren effizient sei. Finanziell sei das Ganze für einen Planer jedenfalls eine „Katastrophe“.

Die grundsätzliche Struktur des Gestaltungsbeirates will die Stadt aber beibehalten. „Das steht nicht zur Debatte“, sagt der Bürgermeister Michael Ilk.