Interaktive Museen liegen im Trend. Davon will man auch in Renningen profitieren und dem Archäologischen Museum ein neues Konzept verpassen.
Rahmenlose Glasvitrinen und ein Gebäude mit dem Beton-Charme der 1970er Jahre – das war das bisherige Archäologische Museum in Renningen. Zumindest bis es 2023 wegen Bauarbeiten kurzfristig geschlossen wurde. 2027 soll das Mini-Museum auf 120 Quadratmetern wieder eröffnen, und zwar pünktlich zu seinem 50-jährigen Bestehen.
Das Renninger Becken ist nachweislich schon seit der Jungsteinzeit, also vor etwa 7000, bewohnt und seitdem durchgehend besiedelt gewesen. Anders als in anderen Orten sind hier aber besonders viele historische Spuren entdeckt und gesichert worden. Doch wie kann das Ganze entstaubt und für das Publikum des 21. Jahrhunderts gestaltet werden?
Museum wird um Schulraum herum gebaut
Damit hat sich in Renningen ein Arbeitskreis befasst, der gemeinsam mit Historikern nun eine Neukonzeption des Archäologischen Museums erarbeit hat. Bereits im Februar hatte der Gemeinderat entschieden, dass das Museum weiterhin in der Realschule untergebracht werden soll. Auch wenn dort aufgrund steigender Schülerzahlen mehr Raum benötigt wird und das Schulgebäude seit geraumer Zeit modernisiert und von Schadstoffen befreit wird.
Deshalb soll das runderneuerte Museum ein Multifunktionsraum werden mit einem Auditorium als Raum-in-Raum-Lösung. Dieses soll als Lern- und Begegnungsort der Schule zur Verfügung stehen. „Das Museum wird quasi drumherum gebaut“, erklärt Lisa Rademacher vom Institut für Kulturvermittlung, das das Konzept mit erarbeitet hat, jetzt im Gemeinderat.
Der Rest der Ausstellung wird dagegen deutlich abgespeckt. Immerhin hat der Gemeinderat einen Kostenrahmen von 150 000 Euro vorgegeben – ohne Baukosten. „Es wird Wissensinseln zu den verschiedenen Zeitaltern geben“, erläutert Rademacher. Hier etwas zur Linearbandkeramik, dort etwas zur Römerzeit und in einer anderen Ecke geht es etwa ums Mittelalter.
Die Vitrinen des Museums seien noch in einem guten Zustand und entsprächen den neuen, erhöhten Anforderungen. Dennoch sollen deutlich weniger verwendet werden. „Einfach nur eine Vitrine hinzustellen, ist ganz schön oll“, meint die Historikerin. Die historischen Fundstücke sollen stattdessen interaktiv entdeckt werden: etwa durch ein Guckloch oder hinter einer Klappe.
Wer mehr Informationen haben möchte, kann eine QR-Code mit dem Handy scannen und dort mehr erfahren. Auf multimediale Darstellungen müssen die Museumsbesucher vorerst verzichten. Dafür reicht das Budget nicht, es könne aber später ergänzt werden.
Keltenumhang oder Römer-Rüstung fürs Foto?
Ein prominent platzierter Zeitstrahl soll die Besucher durch die Ausstellung leiten. Oberhalb der Zeitleiste werden Fundstücke aus Renningen zur entsprechenden Epoche gezeigt, unterhalb internationale Begebenheiten zugeordnet. „Viele haben heutzutage keine Vorstellung mehr davon, wann welche Ereignisse stattgefunden haben“, sagt Historikerin Rademacher.
Doch auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen. An einem Selfiepoint sollen sich die Besucher mit verschiedenen Gegenständen oder in Kostümen bestimmter Epochen fotografieren können. „Im Keltenmuseum in Hochdorf macht man seit Kurzem damit sehr gut Erfahrungen“, sagt Lisa Rademacher.
Digitales Museum
Stadtgeschichte
Auf der Seite des Virtuellen Heimatmuseums Rankbachtal gibt es eine Bildergalerie zur alten Ausstellung des Archäologischen Museums.