Auf der Amtsstube ist es keineswegs gleichgültig, wer wie lange arbeiten muss. Foto: dpa

Die Arbeitszeit ist für viele Beamte ein Dauerärgernis. Weil die Gewerkschaften da nicht weiterkommen, versucht eine Sachbearbeiterin der Günzburger Bundesagentur für Arbeit den Alleingang. Am Montag darf sie im Bundestagsausschuss vortragen.

Stuttgart - Eine oder zwei Arbeitsstunden mehr in der Woche – ist doch halb so wild. Nicht mit Claudia Maurus! „Rechnen Sie mal hoch aufs Jahr“, sagt die 51-Jährige. „Was das für einen Freizeitverlust ausmacht!“ Die Günzburger Sachbearbeiterin der Bundesagentur für Arbeit lässt ihrem Unmut über die 41-Stunden-Woche für Bundesbeamte freien Lauf. Denn Angestellte haben nur 39 Stunden. Seit zwölf Jahren erträgt sie diese „Ungerechtigkeit“, wie sie meint. Schließlich würden die Tarifkräfte mittlerweile genauso viel verdienen wie sie. 2006 hieß es: Sobald es wirtschaftlich besser läuft, dürfen die Beamten wieder weniger arbeiten. Heute steht der Bundeshaushalt glänzend da – doch die 41 Stunden bleiben.

Fast 58 000 Mitzeichner in vier Wochen

Deshalb langt es Maurus jetzt. Ihren Groll hat sie in eine Petition an den Bundestag gegossen. Obwohl sie anfangs niemandem davon erzählt hat, fanden sich binnen vier Wochen fast 58 000 Mitzeichner. Das reichte, damit sich am kommenden Montag der Petitionsausschuss damit befasst. Fünf Minuten lang darf Maurus ihr Anliegen vortragen – wenn es gut für sie läuft, debattiert später das Parlament darüber. Dies, so hofft sie, würde den politischen Druck erhöhen. „Dann ist das Bundesinnenministerium am Zug.“

Maurus ist eine Einzelkämpferin. Von ihrer Gewerkschaft, der VBBA, und deren Dachverband Beamtenbund wird sie nicht offiziell unterstützt. Dabei ist die Arbeitszeit für viele Länder-Beamte ein Ärgernis – auch in Baden-Württemberg etwa sind 41 Wochenstunden das Maß der Dinge. Auf Anfrage beteuert der Beamtenbund seine Sympathie für die Petition. Zugleich macht er einen formalen Mangel geltend: Maurus berufe sich nicht auf die Bundesarbeitszeitverordnung. Zudem äußert der Sprecher strategische Bedenken: Wenn der Ausschuss das Begehren am Montag ablehnt, sei es für die nächsten Jahre abgehakt, so die Furcht. Weitere Initiativen würden womöglich verhindert.

Der Personalmangel steht dem Anliegen entgegen

Der Beamtenbund will lieber hinter den Kulissen Dampf machen. Noch-Innenminister Horst Seehofer verweist bisher auf die Personalnot, die bei einer Arbeitszeitverkürzung ja noch größer würde. „Stimmt“, sagt der Beamtenbund-Sprecher. „Die Konsequenz kann aber nicht sein: Die Ungerechtigkeit wird toleriert, weil man zusätzliche Stellen nicht schaffen will.“

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