Die Gewerkschaft weist auf fast eine Million Arbeitsstunden pro Tag im Kreis Ludwigsburg hin – und was die Pläne der Bundesregierung für Auswirkungen hätten.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Kreis Ludwigsburg warnt mit einer Pressemitteilung: Die Bundesregierung dürfe den gesetzlichen 8-Stunden-Tag nicht aufweichen.
Nach Berechnungen des Pestel-Instituts leisten die Beschäftigten im Kreis Ludwigsburg täglich rund 921.000 Arbeitsstunden – quer durch Handwerk, Industrie, Dienstleistungen und Handel, so NGG-Geschäftsführerin Magdalena Krüger. Viele würden bereits am Limit arbeiten: Überstunden seien an der Tagesordnung, Schichtarbeit belaste zusätzlich. Besonders der ständige Wechsel zwischen Früh-, Spät- und Nachtschicht reibe die Menschen in der Region auf, so Krüger.
Die Warnung der Gewerkschaft bezieht sich auf eine Überlegung der Bundesregierung, eine wöchentliche statt einer täglichen Obergrenze für die Arbeitszeit einzuführen. Pro Woche sollen bis zu 48 Stunden möglich sein – also ein regulärer Arbeitstag mehr als aktuell. Auch 12-Stunden-Schichten könnten ermöglicht werden, die laut Krüger „hochgefährlich“ seien.
Auswirkungen auf Arbeiter
Die NGG verweist auf deutliche gesundheitliche Risiken bei einer 48-Stunden-Woche. Wer regelmäßig mehr als zehn Stunden täglich oder über 40 Stunden pro Woche arbeitet, spüre oft erste Warnsignale wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Schlafprobleme. Langfristig drohten Burnout, Depressionen, Diabetes oder ein erhöhter Alkoholkonsum. In der Lebensmittelindustrie der Region, wo häufig Wechselschichten üblich seien, klagten viele über Rückenschmerzen, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit. Rund die Hälfte der Beschäftigten leide unter Schlafstörungen.
Auch der Arbeitsschutz sei bedroht. Laut NGG steigt das Unfallrisiko nach acht Stunden deutlich. Nach zwölf Stunden ist es statistisch doppelt so hoch wie bei einem regulären Arbeitstag. Zudem erhöhe eine Wochenarbeitszeit von 41 bis 48 Stunden das Schlaganfallrisiko um zehn Prozent, ab 55 Stunden sogar um 33 Prozent.
Forderung an Bundestagsabgeordnete
Überlange Arbeitstage träfen zudem viele Familien im Kreis Ludwigsburg hart: „Wer holt das Kind aus der Kita ab oder unterstützt Angehörige, wenn die Arbeit kaum planbar ist?“, fragt Krüger. Die NGG fordert die Bundestagsabgeordneten aus Ludwigsburg und der Region auf, sich in Berlin klar für den Erhalt des 8-Stunden-Tages einzusetzen.