In den Ferien bei einem Autohersteller zu arbeiten ist besonder begehrt. Foto: dpa

Handel und Handwerk suchen noch junge Leute. Auch in der Industrie können Bewerbungen an der ein oder anderen Stelle noch sinnvoll sein.

Stuttgart - Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen – auch wer bei Bosch oder Daimler zu spät dran war, hat noch Chancen auf andere interessante Ferienjobs. Und möglicherweise ist sogar eine Arbeit dabei, die junge Leute gerne länger machen möchten – vielleicht sogar als späteren Beruf. Darauf hofft beispielsweise das Handwerk, ein Wirtschaftszweig, der ohnehin über heftigen Mangel an Facharbeitern oder Auszubildenden klagt. Wird das befristete Reinschnuppern in einen Betrieb zur Weichenstellung für die spätere Berufswahl, ist dies für Gerd Kistenfeger von der Handwerkskammer Region Stuttgart eine „Win-win-Situation“, positiv für Firma und Bewerber.

In der Tat gibt es Ferienjobs jetzt vor allem noch in den Bereichen, die am meisten über einen Mangel an Fachkräften und Lehrlingen klagen. Beim Autobauer Daimler, der nicht weniger als 20 000 Ferienjobber eingestellt hat, ist eine Bewerbung für diesen Sommer nicht mehr sinnvoll, ähnlich sieht es bei Bosch aus – zumindest in Stuttgart und Umgebung. Auch bei zahlreichen Mittelständlern sind die Türen inzwischen zu. Dies gilt für den Maschinenbauer Trumpf in Ditzingen ebenso wie für den Kabelhersteller Lapp in Stuttgart. Teilweise werden bei mittelständischen Unternehmen, wenn überhaupt Plätze angeboten werden, die Kinder von Mitarbeitern als Ferienjobber eingestellt.

Hier machen Bewerbungen noch Sinn

Doch auch in der Industrie können Bewerbungen noch sinnvoll sein. So etwa bei Euchner in Leinfelden-Echterdingen. Der Produzent von Sicherheitsschaltern meldet auf Anfrage sogar, für genügend Flüssigkeit und Vitamine sei gesorgt: „Mineralwasser und Äpfel gibt es gratis“, sagt Geschäftsführer Stefan Euchner. Ferienjobber profitierten von der guten Auftragslage des Unternehmens, meint Euchner. Eine Vorqualifikation sei nicht nötig, wohl aber brauche manDeutschkenntnisse und „ein gewisses Verständnis für technische Prozesse“. Bezahlt werden elf Euro in der Stunde. Da eine gewisse Einarbeitung nötig ist, sollten die Ferienjobber aber wenigstens drei Wochen arbeiten. Bei den Aushilfstätigkeiten in der Produktion aber muss nicht nur das Geld eine Rolle spielen, wie der Geschäftsführer meint: „Die jungen Leute bekommen einen intensiven Einblick in die Produktion unserer Sicherheitssysteme“.

Doch auch wenn es in der Industrie noch den einen oder anderen Ferienjob gibt, ist aus den Unternehmen immer wieder der Rat zu hören, sich frühzeitig zu bewerben – wer im nächsten Sommer zum Zuge kommen will, sollte sich schon von April an melden – oder sich auch jetzt schon auf eine Bewerberliste setzen lassen. Dies gilt nicht nur für große Firmen, sondern auch für Mittelständler wie den Sensorspezialisten Balluff in Neuhausen auf den Fildern, der dieses Jahr immerhin 33 Ferienjobber eingestellt hat. Der Verpackungsmaschinenhersteller Harro Höfliger in Allmersbach im Tal schreibt zwar Ferienjobs „nicht großflächig aus“, wie Geschäftsführer Markus Höfliger sagt. Wohl aber wird eng mit Schulen und Sportvereinen zusammengearbeitet, so dass immer wieder ein Hereinschnuppern in das Unternehmen möglich ist.

Handel und Post suchen Ferienjobber

„Im Handel können wir noch Ferienjobber gebrauchen“, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin beim Handelsverband Baden-Württemberg. Wo? „Alle Branchen, alle Betriebsgrößen“, erklärt Hagmann. Dabei kann es um Lagerarbeiten, um den verkauf, das Kassieren oder das Ausfahren von Bestellungen gehen. Jeder Bewerber sollte sich aber auch überlegen, welche Branche zu ihm passen könnte: „Wer kein Fleisch sehen kann, sollte nicht zum Metzger gehen.“ Ihr Rat: Eine Onlinebewerbung schreiben, aber dann auch mal anrufen und vorbeigehen. Ähnlich sieht dies auch Daniel Ohl vom Hotel - und Gaststättenverband Dehoga: „Zu spät ist man noch nicht dran. Vorbeizugehen und zu fragen ist ein vielversprechender Weg“. Zudem seien die Arbeitszeiten oft auch frei vereinbar. Auch wo die Post abgeht, ist der Zug noch nicht abgefahren. Etwa 40 Stellen sind bei der Deutsche Post DHL Group noch zu haben. Dabei sollten die Ferienkräfte nach Auskunft eines Sprechers allerdings wenigstens sechs Wochen zur Verfügung stehen, „körperlich fit und belastbar“, aber auch teamfähig sein. Eine weitere Voraussetzung seien „gutes Deutsch in Schrift und Rede“, aber auch „ein gepflegtes Äußeres“. Von Vorteil sei der Führerschein Klasse B, da vielfach Briefe oder Pakete ausgeliefert werden müssten. Wie neu eingestellten Kräften werden auch den Ferienjobbern 12,98 Euro in der Stunde bezahlt.

„Studenten können sich aussuchen, wohin sie gehen wollen“

Auch die zur Medienholding Süd (MHS) gehörende BW Post sucht noch Ferienhelfer. Dort müssen beispielsweise Briefe sortiert werden. Die Ferienjobber sollten wenigstens vier Wochen bleiben. Zum Einlernen gibt es einen Paten. Bezahlt werden neun Euro in der Stunde, nach 20 Uhr gibt es Schichtzuschläge. Im Schnitt, sagt Oleg Heintz von der Arbeitsagentur in Stuttgart, erhielten Ferienhilfen zwischen 9,50 und zwölf Euro in der Stunde. Bei der Arbeitsagentur gebe es noch rund 300 Angebote, aber es kämen auch jeden Tag neue dazu. Was für den Arbeitsmarkt allgemein gelte, gelte auch bei Ferienjobs: „Bei volljährigen Studenten etwa hat sich der Markt zum Arbeitnehmermarkt entwickelt, Studenten können sich aussuchen, wohin sie gehen wollen“ – und es muss ja nicht immer Daimler sein.

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