Mit einem Schild macht ein junger Grieche darauf aufmerksam, dass er Hunger hat. Foto: epa ANA

Die Politik der Europäischen Union in Sachen Griechenlandhilfe war in den vergangenen Jahren zu sehr auf fiskalische Disziplin ausgelegt – das rächt sich nun, meint Gerd Höhler.

Athen - Die Arbeitslosenquote ist ein wichtiger Indikator für das wirtschaftliche Wohlergehen und den sozialen Zusammenhalt eines Landes. Die jüngsten Zahlen aus Griechenland wecken Zuversicht – doch nur auf den ersten Blick.

Die Arbeitslosenquote fiel im vorigen Juli auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Sie ist mit 19 Prozent aber immer noch fast drei Mal so hoch wie im Durchschnitt aller EU-Staaten. Und diese Quote spiegelt keineswegs die ganze Wirklichkeit. Denn viele Langzeitarbeitslose haben die Suche nach einer Stelle längst aufgegeben und fallen so aus der Statistik. Jeder dritte Arbeitslose ist bereits seit vier Jahren oder länger ohne Job.

Fehler der Rettungspolitik

Die triste Situation auf dem griechischen Arbeitsmarkt wirft ein grelles Schlaglicht auf die Fehler der Griechenland-Rettungspolitik. Sie bewahrten das Land zwar mit milliardenschweren Hilfskrediten vor dem Staatsbankrott und hielten es in der Währungsunion. Aber weil die Programme zu einseitig auf fiskalische Disziplin ausgelegt waren und keine Wachstumsimpulse für die Wirtschaft enthielten, stürzte Griechenland in die tiefste und längste Rezession, die ein europäisches Land jemals in Friedenszeiten durchzumachen hatte.

Ein Viertel der Wirtschaftskraft wurde vernichtet, die Vermögen der Griechen schrumpften sogar um 40 Prozent. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich das Griechenland von den Folgen dieser verfehlten Rettungspolitik erholt hat –   sofern das überhaupt gelingt.

Viele junge Leute sind ausgewandert

Etwa eine halbe Million überwiegend junge, gut ausgebildete Griechinnen und Griechen sind während der Krise ausgewandert. Das Land hat viele seiner besten Talente verloren. Sie fehlen beim Wiederaufbau der griechischen Wirtschaft. Jene, die zurückgeblieben sind, müssen immer häufiger eine Teilzeitarbeit annehmen, von deren Ertrag sie kaum leben können.

Noch schlimmer: Diese Arbeitnehmer können wegen ihrer Hungerlöhne keine nennenswerten Rentenansprüche erwerben. Damit ist die nächste humanitäre Krise bereits programmiert: Griechenland droht in drei, vier Jahrzehnten ein Welle der Altersarmut. Die griechische Krise ist noch lange nicht vorbei.

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