Jeder Euro zählt: Für viele Azubis, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, ist die Ausbildungsvergütung oft zu knapp, um alle Kosten zu decken. Foto: IG Bau

Selbst Miete oder Lebensmittel bezahlen: Der Start ins Erwachsenenleben wird für Auszubildende im Kreis Esslingen oft zur Belastungsprobe. Wo Azubis Hilfe bekommen können.

Die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt besorgt viele. Auch im Kreis Esslingen ist die Lage ernst. Die vor einigen Monaten erschienene IHK-Konjunkturumfrage hatte für das verarbeitende Gewerbe im Kreis Esslingen jüngst einen neuen Tiefpunkt in der Lageeinschätzung gebracht. Diese Sorgen gehen auch an jüngeren Personen nicht vorbei. In Zeiten von besonders hohen Lebenshaltungskosten bietet ein unsicherer Arbeitsmarkt kein sicheres Fundament für Zukunftspläne.

 

Gerade für Auszubildende sei es nicht einfach. Wer eine Ausbildung macht und nicht mehr zu Hause bei den Eltern wohnt, für den könne es finanziell knapp werden, erklärt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). In solchen Fällen gebe es aber auch Unterstützung.

Esslingens Azubis: Wenn der Lohn nicht reicht

Laut einem statistischen Bericht des Landes Baden-Württembergs gab es im Jahr 2024 genau 7687 Auszubildende im gesamten Landkreis Esslingen. Viele von ihnen sind noch jung. Das durchschnittliche Alter der Azubis im Land beträgt 20 Jahre. „Aus der Erfahrung heraus lebt der Großteil von ihnen noch bei ihren Eltern im Kinderzimmer“, sagt Kerstin Fickus, Pressesprecherin der auch für den Kreis Esslingen zuständigen Agentur für Arbeit in Göppingen. Der Schnitt der tariflichen Ausbildungsvergütungen in Deutschland liege bei 1133 Euro.

Miete, Lebensmittel, Sachen zum Anziehen – das alles geht ins Geld, so die IG Bau. Wenn die Vergütung vom Ausbildungsbetrieb im Kreis Esslingen dafür nicht reicht, können Azubis mit der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) einen Zuschuss von der Arbeitsagentur bekommen. Dieser käme, laut der IG Bau, gerade für all jene in Frage, die nicht mehr im elterlichen Kinderzimmer leben würden. „Denn vor allem die Miete für eine eigene Wohnung haut vielen Azubis finanziell die Füße weg“, so Jürgen Ziegler, stellvertretender Vorsitzende der IG Bau Nordwürttemberg.

Unsichere Aussichten und hohe Erwartungen

Der Zuschuss kann beantragt werden, wenn der oder die jeweilige Auszubildende volljährig ist und nicht mehr bei den Eltern wohnt. Auch wer verheiratet ist oder Kinder hat, kann die Förderung beantragen. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Arbeitsagentur : www.arbeitsagentur.de. Im Agenturbezirk Göppingen, der die Landkreise Esslingen und Göppingen umfasst, bekamen laut Informationen der Agentur für Arbeit 249 Personen die Berufsausbildungsbeihilfe. Kreisscharfe Daten lägen nicht vor.

Laut Kerstin Fickus machen sich Auszubildende aber nicht nur Sorgen um ihre finanziellen Mittel. Viele fragen sich, wie zukunftsfähig ihre Ausbildungsberufe sind und ob sie die Umstellung vom Schulalltag in den betrieblichen Alltag schaffen. Sie fragen sich auch, ob sie den Anforderungen ihrer Ausbildung gerecht werden. Eine weitere Sorge ist der Umgang mit neuen Kolleginnen und Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschülern und Ausbildenden.