Die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen ist ungebrochen. Auch das Reinigungsgewerbe tut sich schwer, genügend neues Personal zu finden. Foto: dpa

Der technologische Wandel in der Arbeitswelt ist in vollem Gange. Seine Auswirkungen sind bisher schwer abzusehen. Klar ist schon jetzt: Die Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter weiterbilden, damit das Jobwunder fortgeschrieben werden kann.

Stuttgart - Trump, Brexit, Putin, Erdogan, China und Handelskrieg – die Liste von akuten oder zumindest latenten Risiken für die deutsche Wirtschaft ließe sich mühelos noch um ein paar Positionen erweitern. Den deutschen Arbeitsmarkt lässt das alles unbeeindruckt. So erklimmt die Erwerbstätigkeit immer neue Rekordhöhen, während die Arbeitslosenquote auf dem Tiefststand verharrt. Der leichte Anstieg gegenüber dem Vormonat ist dabei nur eine gewöhnliche saisonale Schwankung: Zur Jahresmitte melden sich vor allem viele junge Menschen nach dem Ende ihrer Ausbildung oder ihres Studiums vorübergehend arbeitssuchend. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt unvermindert weiter. Im Juli waren in beinahe allen Branchen mehr offene Stellen zu besetzen als vor Jahresfrist.

Den Hauptgrund für das Jobwunder sehen Experten in der guten konjunkturellen Lage, auch wenn sich ganz allmählich ein Ende der Hochphase ankündigt. Auch die Entlassungsraten der Betriebe sind momentan sehr niedrig. Und gerade weil sie relativ sicher sein können, einen neuen Job zu finden, kehren viele Beschäftigte ihren aktuellen Arbeitgebern den Rücken. Diese müssen die entstandenen Lücken erst mal wieder nachbesetzen – wofür in immer mehr Branchen die Fachkräfte knapp werden.

Damit sind wir auch schon bei den Unsicherheiten angelangt, die den Arbeitsmarkt mehr tangieren als die eingangs erwähnten politischen Pulverfässer. Dabei sind Digitalisierung und Automatisierung zwei Kernbegriffe. Längst ist der technologische Wandel in der Arbeitswelt in vollem Gange, die sogenannte Künstliche Intelligenz wird dem Menschen noch viel mehr Aufgaben abnehmen. Bei vielen Beschäftigten erzeugt das Ängste. Sie wissen nicht, ob sie den Herausforderungen im digitalen Zeitalter noch gewachsen sind, ob ihre Qualifikationen in Zukunft noch gebraucht werden. Sie haben ein Recht darauf, möglichst frühzeitig von ihren Arbeitgebern über deren strategische Planungen informiert und darin eingebunden zu werden.

Menschen werden weiter gebraucht, aber an anderer Stelle

Schätzungen und Prognosen, wie viele Arbeitsplätze in einzelnen Branchen etwa der Autoindustrie im Zuge der Elektrifizierung der Antriebe und der Vernetzung von Fabriken wegfallen, gibt es viele. Doch die seriösen Szenarien sehen immer auch eine Verlagerung von Arbeitskräften vor. Mit anderen Worten, die Menschen werden weiter gebraucht, eben nur an anderer Stelle, nicht selten in qualifizierteren Tätigkeiten als bisher. Daher sind Aus- und Weiterbildungder Schlüssel dafür, dass das Jobwunder fortgeschrieben werden kann.

Die digitale Revolution wird viele Brachen und Berufe betreffen, sicher auch manche, die momentan noch nicht so sehr im Fokus stehen, etwa Kanzleien oder öffentlichen Verwaltungen. Doch längst nicht jeder Job wird sich wandeln, nicht jede Tätigkeit ist durch Algorithmen, Roboter und Maschinen zu bewältigen. Gerade in den Bereichen, in denen heute und in Zukunft weiterhin Menschenhände gefragt sein werden, etwa in der Produktion, im Sicherheits- und Reinigungsgewerbe oder im Gesundheitssektor – klassischen Zeitarbeitsbranchen – müssen die Mitarbeiter zu fairen Konditionen beschäftigt werden. Es ist kein gutes Zeugnis für so manchen Arbeitgeber, dass rund 200 000 Vollzeitbeschäftigte nicht vom Lohn ihrer Arbeit leben können. Sie sind als sogenannte Aufstocker auf zusätzliche Leistungen vom Staat angewiesen.

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