Der Arbeitsmarkt könnte im neuen Jahr speziell im exportabhängigen Baden-Württemberg einen gehörigen Dämpfer erleiden. Darauf müssen sich die Akteure vorbereiten, meint Matthias Schiermeyer.
Mit jeder neuen Monatsstatistik die Stabilität des Arbeitsmarktes zu betonen, ist für Arbeitsagenturen und Regierende zur angenehmen Routine geworden. Es ist auch sehr erfreulich, dass die Multikrisen des vorigen Jahres den Arbeitsmarkt relativ wenig beschädigt haben. Die Rekorde von 46 Millionen Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt oder von 35 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Oktober widersprechen den Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft eindrücklich.
2024 könnte ungemütlich werden
Dennoch ist große Vorsicht angesagt, denn es mehren sich die Anzeichen, dass 2024 ungemütlich werden könnte. Dies hat nicht nur mit den Schwächen am Bau und in anderen Branchen zu tun, sondern auch mit den Auswirkungen des Strukturwandels in der Industrie, die im exportabhängigen Baden-Württemberg immer mehr durchschlagen. Die Skepsis der Unternehmen wächst. Wenn aber stete Meldungen über Arbeitsplatzabbau die Verunsicherung schüren, droht auch eine starke Eintrübung der gesamtgesellschaftlichen Stimmung.
Bemerkenswert ist, dass der Gewerkschaftsbund im Land die Beschäftigungssicherung in den Mittelpunkt rücken will – obwohl es nicht nur den Staat, sondern auch die Arbeitnehmerseite etwas kosten könnte. Zum Beispiel werden die Unternehmen in einer Phase ohne großes Wachstum kein Interesse an hohen Lohnsteigerungen haben, wenn sie zugleich alle Arbeitnehmer an Bord halten sollen. Damit zeigt der DGB ein Gespür für die zunehmend prekäre Lage, die bisher von schönen Zahlen verdeckt wird. Unklar ist, inwieweit Politik und Arbeitgeber diese ausgestreckte Hand ergreifen.