Das Jobcenter gibt sich in weiblich-warmen Farben, vermittelt zurzeit aber mehr Männer in Arbeit. Foto: dpa

Der Jahresbericht des Jobcenters verzeichnet wieder höhere Jobvermittlungszahlen als zuvor. Allerdings schlägt sich die gute Konjunktur nicht bei allen nieder.

Stuttgart - Mit einem Zuwachs von 7173 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten profitierte im Jahr 2016 auch Stuttgart von der guten Konjunktur im Land. Die Arbeitslosenquote ist auf 4,9 Prozent gefallen. Zu Beginn des Jahres 2016 waren rund 18 000 Stuttgarter beim Jobcenterarbeitslos gemeldet, zum Jahresende waren es nur noch rund 16 000; davon standen dem Arbeitsmarkt 11 216 zur Verfügung. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten überschritt im Herbst 2016 sogar die 400 000, davon rund 217 000 Männer und 185 000 Frauen. Den stärksten Zuwachs (3372) gab es bei den über 55-Jährigen, so Jürgen Peeß, der Leiter des Jobcenter Stuttgart, bei der Präsentation des Jahresberichts.

Der Zuzug von Asylbewerbern hat die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten seit Januar 2016 deutlich ansteigen lassen; zuletzt waren es 30 345. Sind sie als Flüchtlinge anerkannt oder seit mehr als 18 Monaten im Land, zählen sie zu dieser Gruppe.

Kitabetreuung bezahlen

Die Zahl der Frauen, die auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten, ist leicht gesunken auf 2875, die der Männer auf 4369 leicht gestiegen; die Integrationsquote bei Alleinerziehenden sank auf 20,5 Prozent.

Gabi Münch (Grüne) und Sibel Yüksel (FDP) bedauern den großen Unterschied bei der Integration von Frauen und Männern. Münch schlug die Übernahme der Kosten für die Randzeitenbetreuung in Kitas vor, die bisher nicht gegeben ist. Sozialbürgermeister Werner Wölfle wandte ein, dass bei einigen Alleinerziehenden auch die Güte der angebotenen Arbeitsbedingungen die Frauen davon abhielte, schlecht bezahlte Auf-Abruf-Jobs anzunehmen und gleichzeitig Familienarbeit leisten zu müssen.

Personalengpass belastet Angestellte

Wölfle lobte ausdrücklich die „überdurchschnittliche Leistung“ des Jobcenters, das „in unzureichenden Räumen und personell unzureichend ausgestattet“ wesentlich höhere Fallzahlen zu bearbeiten habe als im Landesvergleich. Das reizte Hannes Rockenbauch (SÖS/Linke-plus) zur Widerrede: „Ich wünsche mir einen Geschäftsbericht mit klaren Ansagen, was wir brauchen.“ Nach Angaben des Personalrats fehlen dem Jobcenter mindestens 75 Stellen, dringend erforderliche ergonomische Möbel sind nicht angeschafft worden und das Sicherheitssystem habe im Einzelfall versagt. „Wir brauchen einen Generalplan“, forderte Udo Lutz (SPD).

Auf Heinrich Fiechtners (AfD) Bitte hin wird den Stadträten schriftlich mitgeteilt, wie viele der Flüchtlinge Leistungsempfänger, aber nur geduldet sind. „Wir erfassen sie, wie es unsere gesetzliche Pflicht ist“, wehrte Werner Wölfle den drohenden ideologischen Streit ab.

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