Traumhaftes Ferienziel: Die Altstadt von Dubrovnik an der kroatischen Mittelmeerküste. Foto: dpa

Kroatien hofft auf eine gute Urlaubssaison, aber das Land hat ein Problem: Die Arbeitskräfte wandern ab.

Split - Von den steinigen Stränden Istriens bis zum bulgarischen Sonnenstrand rüsten sich die Gastronomen und Hoteliers für eine neue Rekordsaison. Sommerliche Temperaturen dürften schon an diesen Maifeiertagen kräftig die Kassen klingeln lassen. Doch die Vorfreude auf den Gästesegen ist nicht ungetrübt. Der in den vergangenen Jahren auch wegen rückläufiger Gästezahlen in der Türkei und Tunesien brummende Branche macht die Emigration heimischer Arbeitskräfte gen Norden – vor allem nach Deutschland und Österreich – zunehmend zu schaffen.    

In Kroatien bescherten die rund 18,7 Millionen Gäste des vergangenen Jahres dem Tourismusgewerbe zwar ein Umsatzplus von zehn Prozent. Doch obwohl die großen Hotelketten des Adriastaates die Löhne für Zimmermädchen, Köche, Kellner und Portiers in diesem Jahr um bis zehn Prozent kräftig angehoben haben, sind Saisonarbeitskräfte immer schwerer zu finden.

Exodus der Arbeitskräfte

Der Grund: Das Arbeitskräftereservoir im Hinterland wandert zunehmend ins Ausland ab.   Vor allem seit dem Wegfall der Beschränkungen für kroatische Arbeitnehmer auf dem deutschen Arbeitsmarkt 2015 hat sich der Gastarbeiter-Exodus beim EU-Neuling spürbar verstärkt.

Besonders hart trifft der Aderlass die ostkroatische Region Slawonien. Der Mangel an Arbeitsplätzen und Perspektiven lässt in Kroatiens verarmter Kornkammer ganze Familien die Koffer packen. So hat beispielsweise die Stadt Vukovar in drei Jahren ein Zehntel ihrer Bevölkerung verloren.  

Außer dem Baugewerbe macht die Ausreise vor allem dem Tourismussektor zu schaffen. Denn die Arbeit als Saisonkraft an der Küste angesichts hohen Arbeitsdrucks und eines zwölf Stunden Tagen ist alles andere als attraktiv. Selbst bei geringeren Gehältern ziehen viele eine Beschäftigung im Land das ganze Jahr der nur vier bis fünf Monate währenden Arbeitsfron an der Küste vor. „Langfristig zahlt sich die Arbeit als Saisonkraft nicht aus“, erklärt die Studentin Sara. „Eine feste Anstellung ist einfach besser.“  

20 000 Gastro-Stellen unbesetzt

Derzeit sind 20 000 freie Stellen im kroatischen Gastronomie-Gewerbe noch nicht besetzt. Vor allem für die sommerliche Hochsaison sind die Engpässe bereits absehbar. Mit in Bosnien, Mazedonien und Serbien angeheuerten Aushilfskellnern und Köchen hoffen Kroatiens Gastronomen die Lücken an den Theken und Herden zu füllen.  

Nach Meinung des kroatischen Webportals „index.hr“ hat sich die Tourismusbranche ihre Personalprobleme mit ihren jahrelang üblichen Niedriglöhnen größtenteils selbst miteingebrockt. Saisonaler Tourismus sei etwas für „armselige, nicht entwickelte Staaten“.

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