Streikende Stewardessen in München. Foto: dpa/Matthias Balk

Im Streit mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo bahnt sich eine Schlichtung an. Trotzdem werden am Freitag erneut hunderte Verbindungen ausfallen. Insgesamt sind von dem zweitägigen Arbeitskampf rund 180000 Lufthansa-Kunden betroffen.

Frankfurt - Hawdi Ameri hat es besonders hart getroffen. Wegen des Flugbegleiter-Streiks bei Lufthansa wurde sein Flug von Frankfurt in den Iran gestrichen – ersatzlos: „Heute und morgen gibt es keinen Flug nach Teheran, und die Verbindungen nach dem Streik sind schon alle ausgebucht“, sagt der 70-Jährige, der mit seinem Köfferchen auf einer Bank im Terminal sitzt. Um sieben Uhr morgens ist Ameri, aus Washington kommend, in Frankfurt eingetroffen. Erst da erfuhr er, dass es von hier aus mit Lufthansa nicht weitergeht. Nun hofft er, dass sein Sohn ihm von Washington aus einen Flug mit einer anderen Airline organisieren kann.

Anders als Ameri hat Artur, ein Passagier aus Polen, die Informationen über den zweitägigen Streik rechtzeitig erhalten. Weil er aber am Mittwochabend von Montreal nach Frankfurt gereist ist, sitzt er nun trotzdem erst einmal am Flughafen fest. Denn der Anschlussflug nach Krakau wurde abgesagt.

Insgesamt 1300 Flüge abgesagt

700 von 1100 weltweit geplanten Verbindungen hat die Lufthansa allein am Donnerstag gestrichen, 600 weitere sollen am Freitag wegfallen. Betroffen sind vor allem die Flughäfen in Frankfurt und München, wo die streikenden Stewardessen und Stewards zu einer Protestkundgebung zusammenkamen. An anderen Standorten wurden nur wenige Verbindungen abgesagt, in Stuttgart sind es an jedem Streiktag fünf Flüge nach Frankfurt sowie fünf in umgekehrter Richtung.

Bundesweit sind laut Lufthansa rund 180 000 Kunden betroffen. Die Mehrzahl blieb offenbar gleich zuhause oder konnte rechtzeitig umbuchen, denn ein Chaos blieb am Donnerstag aus.

Der Streik zeigt Wirkung

Wirkung zeigte der Arbeitskampf dennoch: Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte sich am Donnerstag zu Gesprächen mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo über eine mögliche Schlichtung bereit. Ufo kündigte daraufhin an, von einer Ausweitung des Streiks auf Tochtergesellschaften wie Eurowings abzusehen. Die Gewerkschaft verlangt für die Stewardessen und Stewards höhere Spesen und Zulagen sowie einen besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Daneben geht es aber auch um die Frage, ob Ufo noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Die Lufthansa hatte dies angezweifelt, weil sie den nach internen Querelen neu besetzten Vorstand der Gewerkschaft nicht für vertretungsberechtigt hält.

Der Versuch der Fluggesellschaft, mit diesem Argument den Streik gerichtlich verbieten zu lassen, war am Mittwoch allerdings gescheitert. Dass Lufthansa-Chef Spohr am Donnerstag auf die Forderung von Ufo einging, über eine mögliche Schlichtung zu reden, wollte er aber nicht als Konsequenz aus dieser juristischen Niederlage verstanden wissen. Vielmehr habe er zunächst mit anderen Arbeitnehmervertretern sprechen wollen, erklärte Spohr. Er wolle beim Kabinenpersonal „keine Spaltung haben“. Der Lufthansa-Chef war am Mittwochabend mit Vertretern der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sowie der Cabin Union zusammengetroffen, einer Initiative für die Gründung einer neuen Flugbegleiter-Abteilung innerhalb der Industriegewerkschaft Luftverkehr.

Bei der Tochter Austrian Airlines soll jede zehnte Stelle wegfallen

Obwohl Streiks laut Unternehmensschätzungen zehn bis 20 Millionen Euro pro Tag kosten, legte die Lufthansa-Aktie am Donnerstag kräftig zu. Grund waren die von Spohr vorgestellten Quartalszahlen. Mit 1,3 Milliarden Euro lag das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) zwar unter dem Vorjahresniveau von 1,4 Milliarden Euro. Angesichts stark gestiegener Treibstoffkosten war aber ein größerer Rückgang erwartet worden.

Die Lufthansa bekräftigte ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr, verordnete dafür allerdings ihren Töchtern Austrian und Brussels Airlines sowie der Frachtsparte Cargo Sparprogramme. Besonders hart trifft es vor allem Austrian Airlines: Bei der österreichischen Tochter sollen 700 bis 800 von gut 7000 Stellen abgebaut werden.

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