Am Brückentag sind viele Kitas geschlossen, am Montag soll der Streik fortgesetzt werden Foto: dpa-Zentralbild

Der Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertagesstätten steht hinter den Forderungen der streikenden Erzieherinnen und teilt dies in einem offenen Brief mit. Am kommenden Montag verteilen die Streikenden Rote Karten an den Verband der Kommunalen Arbeitgeber.

Stuttgart - Die wenigsten Eltern werden an diesem Freitag etwas vom Erzieherinnenstreik spüren, da zahlreiche Kitas ohnehin einen Schließtag einlegen. Doch am Montag wollen die städtischen Mitarbeiter des Erziehungs- und Sozialdienstes wieder hör- und sichtbar sein in der Stadt. Um 11.45 Uhr überreichen sie Rote Karten an den Verband der Kommunalen Arbeitgeber.

In einem offenen Brief an dieselbe Adresse stärkt der Gesamtelternbeirat (GEB) der städtischen Kindertagesstätten den Erzieherinnen den Rücken. Darin heißt es: „Die Veränderungen . . .  in der frühkindlichen Erziehung und Bildung müssen sich in der Ausbildung und der finanziellen Einstufung der Fachkräfte widerspiegeln . . . Wir wollen in unseren Kitas gut ausgebildetes und qualifiziertes Personal, das neben der Wertschätzung der Eltern und Kinder eine gesellschaftliche Anerkennung erfährt, die auch in der angemessenen Einstufung des Berufs zum Ausdruck kommt.“

Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft pochen darauf, dass die Beschäftigten höher als bisher eingruppiert werden, und lehnen eine reine Gehaltserhöhung ab, wie sie vom Arbeitgeberverband bisher vorgeschlagen worden ist. „Sie müssen sich die Einkommensmöglichkeiten von Erzieherinnen wie eine Treppe vorstellen, bei der die Stufen immer höher werden“, sagt Nancy Hehl, die Tarifexpertin des Verdi-Landesbezirks Stuttgart. „Die Erzieherinnen steigen mit dem Gehaltstarif S 6 und der Entgeltstufe II in den Beruf ein, wo sie drei Jahre verbleiben (2589 Euro). In den Entgeltstufen III und IV müssen sie jeweils vier Jahre, in der Stufe V fünf Jahre bleiben, bevor sie die Endstufe VI erreichen. Wer also die Endstufe (3289 Euro) erreichen möchte, muss dazu 17 Jahre im Beruf gewesen sein.“ Besonders bitter für die Erzieherinnen: Nach einem Jobwechsel müssen die Berufsjahre nicht anerkannt werden; die Mitarbeiterinnen können dessen ungeachtet wieder bei Entgeltstufe II eingestellt werden.

Andreas Henke, Pressesprecher von Verdi, hält es für an der Zeit, dass die Eingruppierungen künftig höher ausfallen: „Die Eingruppierung im Sozial- und Erziehungsdienst stammt von 1991 und fußt auf den Tätigkeiten der 80er Jahre. Seither hat sich die Arbeit massiv verändert. Dafür fordern wir eine korrekte Bezahlung.“ Für das Streikziel hätten die Mitglieder bei der Urabstimmung ein klares Votum abgegeben.

Vehement wehrt sich Verdi gegen den Vorwurf, die Verhältnismäßigkeit nicht zu wahren: „Weil eine Pflegerin wenig verdient, darf auch die Erzieherin nicht mehr verdienen? Nein! Das Gehalt muss sich an der auszuübenden Tätigkeit orientieren, nicht am Gehalt einer anderen Berufsgruppe, die auch zu gering bewertet wird“, so Hehl. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erwartet von den Bürgermeistern in Baden-Württemberg, dass sie sich angesichts des Kita-Streiks „nicht wegducken“. „Wir verstehen, dass die Eltern der Kita-Kinder nicht glücklich über den unbefristeten Streik sind. Wir erwarten von den Bürgermeistern, dass sie den Eltern erklären, warum die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern so wenig wert sein soll“, sagte am Mittwoch die Landesvorsitzende Doro Moritz.

Am vergangenen Mittwoch waren 1367 städtische Mitar­beiter im Ausstand, davon 1332 vom Jugendamt. Elf Schüler­häuser und 143 Kindertagesstätten blieben geschlossen. 16 Einrichtungen haben einzelne ­Gruppen betreut, 19 blieben vollständig offen, in acht Kitas haben Eltern Aufsicht geführt, Notgruppen gab es in 15 Häusern.

„Wir wollen schnell zu einem Ergebnis kommen und fordern deshalb die Arbeitgebervertreter auf, endlich ein Angebot zu machen“, so Andreas Henke. Der GEB fordert: „Ein kurzer Arbeitskampf ist für Eltern und Kinder essenziell. Wir fordern Sie auf, mit einem echten, angemessenen Angebot Ihre tagsächliche Gesprächsbereitschaft zu signalisieren“, heißt es in dem offenen Brief.

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