Joachim Lang hat im September Premiere seines Films „Cranko“ im Opernhaus gefeiert. Foto: Lichtgut

Wie dies vereinbart sei, möchte „Cranko“-Regisseur Joachim Lang für den SWR einen weiteren Film drehen. Der Sender verweist auf den Sparzwang und lehnt dies ab. Das Arbeitsgericht verhandelt die Klage.

Der Film „Cranko“ ist nun in den USA angekommen. Das Biopic über den Vater des Stuttgarter Ballettwunders steht auf der Hotlist des American Film Market in Las Vegas. Dabei handelt es sich um den weltweit größten Branchentreff, bei dem Produzenten und Verleihe über vielversprechende Neuheiten informieren und Verträge aushandeln. Der Regisseur Joachim Lang und der Hauptdarsteller Sam Railey haben dieser Tage Hollywoodreportern mehrere Interviews gegeben. In Deutschland ist das Leben des legendären Choreografen in 134 Kinos zu sehen – etwa 150 000 Besucherinnen und Besucher wurden bisher gezählt.

 

Für den Stuttgarter Autor Joachim Lang, so könnte man meinen, läuft es gut. Beim SWR, bei dem er seit bald 40 Jahren arbeitet, ist er jedoch offenbar in Ungnade gefallen. Weil der Sender ihm eine sogenannte Änderungskündigung ausgesprochen hat, ihn keine Filme mehr drehen lässt, klagt der Autor gegen seinen Arbeitgeber. Am Arbeitsgericht Stuttgart trafen sich erneut beide Seiten.

Verdi protestiert: „SWR ist hart und kleinkariert“

Die Kammer vertritt die Ansicht, dass Lang ein Schadenersatz zusteht, weil der SWR es ablehnt, ein vertraglich vereinbartes Filmprojekt über das KZ Theresienstadt zu realisieren. Das Arbeitsgericht will dazu einen Vergleich vorschlagen, um das Verfahren einvernehmlich zu beenden. Die Gewerkschaft Verdi ist damit nicht einverstanden und übt heftige Kritik am SWR. Im Sinne der Gebührenzahler sei es, dass Lang den Film dreht und nicht, dass er mit einer sechsstelligen Summe abgefunden werde. Der Sender verhalte sich „kompromisslos, hart und kleinkariert“, klagt Sidar Carman, die Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Stuttgart.

Szene aus dem Film „Cranko“ Foto: Verleih

Anstatt Joachim Lang ein vertraglich zugesichertes Filmprojekt zu ermöglichen, gehe es in dem Verfahren nur noch um Schadenersatz. Dieser stehe dem Regisseur „zweifellos zu“, erklärt die Verdi-Vertreterin, weil das Gericht den „Vertragsbruch des SWR“ festgestellt habe. Die Gebührenzahler müssten ausgerechnet bei einem Sender, der Millionen einsparen muss, nun geradestehen für weitere Ausgaben, protestiert Verdi – „und das ohne Gegenleistung in Form eines weiteren Spielfilms des derzeit renommiertesten Regisseurs des SWR“.

Für den SWR hält Carina Eckert, die stellvertretende Unternehmenssprecherin, dagegen: Der Sender habe beim Kammertermin keineswegs zugestimmt, Schadenersatz an Joachim Lang in sechsstelliger Höhe zu bezahlen. Vielmehr wehre man sich in dem Verfahren „gegen die geltend gemachten Ansprüche“. In dem Termin sei darüber diskutiert worden, ob das Gericht einen Vergleichsvorschlag unterbreiten sollte, den die Parteien dann annehmen oder ablehnen könnten. Dieser liegt nun vor. Der SWR werde prüfen, ob mit der von der Kammer vorgeschlagenen Summe eine „annehmbare Lösung zur einvernehmlichen Beendigung des Verfahrens“ möglich sei, betont Eckert.

SWR verweist auf seinen Sparzwang

Das Projekt über Theresienstadt, erklärt die SWR-Sprecherin außerdem, sei bisher nicht über den „Stand der Angebotseinholung“ hinausgegangen und sei noch gar nicht begonnen worden. Joachim Lang habe zuletzt zwei große Spielfilmsonderprojekte für den SWR verwirklicht, die in diesem Jahr ihre Kinopremiere feierten: „Führer und Verführer“ und „Cranko“.

Da der SWR vom Jahr 2025 an ein dauerhaftes strukturelles Defizit von rund 70 Millionen Euro pro Jahr erwartet, muss der Sender in vielen Bereichen sparen. Die Streichung der Spielfilmsonderprojekte sei Teil dieses Sparprozesses, heißt es aus der Pressestelle. „Herr Lang wird weiterhin Aufgaben rund um ,Cranko‘ wahrnehmen, Filmprojekte an der Filmakademie zum Abschluss bringen und vereinbarte Doku-Projekte umsetzen, bis er im Laufe des kommenden Jahres in den Ruhestand geht“, teilte die stellvertretende Unternehmenssprecherin mit.