Gesellschaftskritische Kunst: Markus Eberlein stellt im Arbeitsgericht aus. Foto: factum/Bach

Markus Eberlein ist ein Freund der Kunst und ein erklärter Feind der Wegwerfgesellschaft. Jetzt hat er seine Kunstleidenschaft und den Naturschutzgedanken mit seinem Beruf verquickt – am Arbeitsgericht an der Ludwigsburger Friedrichstraße.

Ludwigsburg - Markus Eberlein ist ein Freund der Kunst und ein erklärter Feind der Wegwerfgesellschaft. Wie Kunstleidenschaft und Naturschutzgedanken zusammengehen können, weiß er seit einigen Jahren. Nun hat er das Resultat auch noch mit seinem Beruf verquickt: Eberlein ist Anwalt, und zurzeit zieren seine Werke die Räume und Flure des Arbeitsgerichts an der Ludwigsburger Friedrichstraße. Es ist die erste Ausstellung in dem ansonsten eher nüchternen Behördengebäude, es werde aber gewiss nicht die letzte sein, versichert die Initiatorin Jessica Sellin.

„Wir möchten unsere Räume öffnen für anregende Eindrücke und Gespräche“, sagt Sellin, die als Richterin am Stuttgarter Arbeitsgericht tätig ist, zu dem auch die Ludwigsburger Zweigstelle gehört. 2016 hat sie in der Behörde das Amt der Kunstbeauftragten übernommen. Jetzt möchte sie auch in der Außenstelle ermöglichen, was am zentralen Gerichtsstandort Stuttgart schon lange die Regel ist: Sie möchte etwas Farbe in die meist farblose Justiz bringen. „Das ist in diesem Gebäude natürlich schwerer als in Stuttgart, wo wir höhere Räume und größere Flächen zur Verfügung haben“, sagt Sellin. „Aber wir möchten auch hier eine Stimmung kreieren.“

Positive Impulse in sachlichem Umfeld

Sellin räumt ein, dass Mandanten üblicherweise wohl kaum den Kopf für Kunstbetrachtungen frei haben, aber sie vertraut darauf, dass beim einen oder anderen doch ein paar positive Impulse ankommen. Ganz sicher aber könnten sich die Richter und Anwälte an den Werken erfreuen.

Zum Auftakt wird unter dem Titel „Aus. Nichts. Etwas.“ eine Werkserie des Anwalts und Rechtsberaters des Stuttgarter Fachverbands für Stuckateure, Markus Eberlein, gezeigt. Wer Landschaftsbilder in Pastell oder andere Idyllen erwartet, wird überrascht. Eberleins Bilder wollen gesellschaftskritisch sein: Zu sehen sind figurative Gemälde – etwa ein großes Echsentier – aber auch geometrische Kompositionen. Bei einer Vielzahl der rund 50 Werke ist die Idee indes fast vollkommen mit dem Material verschmolzen. Zum Beispiel, wo Eberlein eine alte Gießkanne oder Kehrschaufel mit Lack übergossen oder eine Jeanshose in eine Leinwand verwandelt hat.

Eines ist allen Arbeiten gemein: Der Künstler hat sich zu einer strikten Abstinenz in Bezug auf seine Materialien verpflichtet. Nichts darf neu sein, sämtliche Farben oder Bildträger holt er aus dem Abfall. Das ist seine Form des Protests gegen ungebremsten Konsum. „Ich verwende nur Gegenstände, deren sich die Gesellschaft schon entledigt hat.“

Abfall vom Malerbetrieb

So besorgt er sich seine Farben, indem er die Reste bei Stuckateuren und Malerbetrieben einsammelt. „Ansonsten arbeite ich mit allem, was ich finde“, sagt Eberlein, „meist Dinge aus dem Sperrmüll.“ Das können Schranktüren und Regalbretter, aber auch Drahtstücke, Nägel, Plastikteile oder alte Musikkassetten sein.

In einigen Werken hat Eberlein auch Sand aufgetragen. „Häufig schnitze ich mit einem Teppichmesser in das Holz und baue anschließend mit Sand und anderen Materialien auf, sodass unterschiedliche Ebenen entstehen“, sagt der malende Jurist. Klar, dass auch der Sand nicht aus dem Baumarkt kommt, sondern aus dem alten Sandkasten des Sohnes.