Jobcenter und Arbeitsagentur weiten ihr digitales Angebot aus Foto: Frank Rodenhausen

Die Corona-Beschränkungen haben auch die Arbeitsagentur genötigt, neue Zugangswege für ihre Klienten zu ermöglichen. Diese sollen auch nach dem Ende der Pandemie aufrecht erhalten und ausgebaut werden.

Waiblingen - Wie viele Betriebe, Organisationen und Einrichtungen hat das Coronavirus auch die Waiblinger Agentur für Arbeit und das Jobcenter Rems-Murr in den vergangenen Monaten zu einer gewissen Abschottung gezwungen. Nun ermöglichen die aktuell stabil niedrigen Inzidenzzahlen nach langer Zeit wieder persönliche Beratungsgespräche. Doch die Verantwortlichen haben sich eigenen Angaben zufolge vorgenommen, nicht einfach so weiterzumachen wie vor dem März 2020. Man will die Erkenntnisse und Möglichkeiten, die man im Zuge der Corona-Beschränkungen gewonnen hat, auch über die Zeit der Pandemie hinaus aufgreifen.

Viele Anliegen können schon telefonisch geklärt werden

Eine eher banale, aber nicht unerhebliche Umstellung greift bereits mit der aktuellen Öffnung. So sollen die Kunden auch künftig zunächst online oder telefonisch Kontakt aufnehmen, statt ohne vorherige Absprache in die Beratungsstellen in Waiblingen, Backnang oder Schorndorf zu gehen. Man habe einerseits festgestellt, dass viele Anliegen schon am Telefon schnell, unkompliziert und ohne lange Anfahrts- und Wartezeiten erledigt werden könnten, sagt Christine Käferle, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Waiblingen. Und für alles Weitergehende sei andererseits sinnvoll, einen Termin zu vereinbaren, fügt Gunnar Schwab, der Geschäftsführer des Jobcenters, hinzu. Denn so sei sichergestellt, dass ein kundiger Sachbearbeiter verfügbar sei und längere Wartezeiten könnten vermieden werden, die sich durch ein schwankendes und schwer zu kalkulierendes Kundenaufkommen mitunter ergäben.

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„Die positiven Rückmeldungen der Kunden und auch der Mitarbeiter“ hätten die Verantwortlichen zudem darin bestärkt, „die flexiblen und zeitgemäßen Zugangswege zu unseren Dienstleistungen auch in Zukunft anzubieten“, sagt Schwab. Schon jetzt ließen sich Erstanträge, Weiterbewilligungen oder Veränderungsmitteilungen via Internet erledigen.

Doch das „digitale Jobcenter“ soll noch weiter ausgebaut werden. So werde es spätestens von Herbst an möglich sein, Termine online zu buchen, ebenso sollen Klienten schon bald den jeweiligen Bearbeitungszustand ihrer Anträge einsehen können. Möglich sei dies, weil die elektronische Akte beim Jobcenter Rems-Murr schon vor der Coronazeit eingeführt worden sei. Auch das Arbeitslosengeld und weitere Leistungen könnten online beantragt werden, sagt Christine Käferle. Zudem werde über einen gemeinsamen Account von Berater und Klient nachgedacht. Für die Stellensuche, Berufsorientierung oder Unternehmensanliegen seien zahlreiche Online-Angebote verfügbar. Seit Dezember vergangenen Jahres stehe auf den Internetseiten zudem bei Fragen ein digitaler Assistent, ein sogenannter Chatbot, zur Verfügung. Dieser sei rund um die Uhr verfügbar und beantworte viele Fragen rechtssicher und ohne Suchaufwand.

„Echter“ Berater nach wie vor Mittel der ersten Wahl

All dies aber seien alternative oder zusätzliche Angebote, betont Christine Käferle. Der Kontakt mit einem „echten“ Berater sei nach wie vor ein Mittel der ersten Wahl. „Wo ein persönliches Gespräch der bessere Weg ist, werden terminierte persönliche Beratungsgespräche vor Ort angeboten“ – dank der Inzidenzlage ab sofort auch wieder verstärkt.