Talissa Kneissler ist Polizeihauptmeisterin und arbeitet in diesem Jahr zum ersten Mal an Heiligabend. Bleibt Platz für Besinnliches – und für die Familie? Wie sind die Menschen drauf?
Heiligabend bedeutet bei vielen Menschen in Deutschland: Zeit mit der Familie zu verbringen, gut essen und trinken, Freude über Geschenke. Manche besinnen sich auch des eigentlichen Anlasses des Christfestes und gehen in die Kirche. Und ein großer Teil der Bevölkerung arbeitet am 24. Dezember nicht – obwohl es sich bei dem Datum um keinen offiziellen Feiertag handelt.
Es gibt jedoch auch viele Menschen, die Heiligabend ran müssen – nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer beim Gottesdienst. In Krankenhäusern, im Bus- und Bahnverkehr wird normal gearbeitet, vereinzelt haben sogar Restaurants und Kneipen geöffnet. Und natürlich müssen auch Polizeibeamtinnen und -beamte ihren Dienst verrichten, während andere mit ihren Lieben zusammensitzen.
Talissa Kneissler ist seit fast vier Jahren auf dem Leonberger Revier
So auch die Polizeihauptmeisterin Talissa Kneissler. Die 27-Jährige ist seit knapp vier Jahren im Leonberger Polizeirevier tätig. Und in diesem Jahr hat der Dienstplan erstmals jenen ganz speziellen Tag im Jahr für sie vorgesehen.
„Wir arbeiten nach einem vorgegeben Schichtplan für das ganze Jahr“, sagt sie, „somit ist schon seit Anfang des Jahres bekannt gewesen, dass ich an Heiligabend arbeiten muss.“ Es habe auch die Möglichkeit gegeben, freizunehmen. „Aber natürlich nicht für jeden.“ Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag habe sie in der Vergangenheit bereits gearbeitet – Heiligabend aber noch nie.
Mit Besinnlichkeit dürfte es also eher nichts werden in dieser Schicht – oder doch? „Grundsätzlich ist es ein Dienst wie jeder andere, und wir arbeiten die anfallenden Einsätze ab“, sagt Talissa Kneissler, „aber natürlich versuchen wir schon, auch mal einen Moment zusammenzusitzen und beispielsweise gemeinsam zu essen, wenn es die Einsatzlage zulässt.“
Und Zeit für Weihnachten bleibt ihr dann auch noch. Denn die 27-Jährige arbeitet in der Nacht vom 24. auf 25. Dezember. Den ersten und zweiten Weihnachtstag hat sie frei. „Ich habe die beiden Tage noch, um sie mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen.“ Ihre Familie habe viel Verständnis dafür und richte die Weihnachtsfeiertage nach ihr aus. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt die Polizistin. Daher bereite es ihr auch keine allzu großen Umstände, Heiligabend zu arbeiten. „Zumal die Stimmung in der Schicht sehr harmonisch ist und man so natürlich gern zur Arbeit kommt.“
Polizistin berichtet: An Heiligabend wird auch so einiges getrunken
Gibt es denn auch so etwas wie „typische Heiligabend-Einsätze“? Vielleicht gerade aufgrund der speziellen Stimmung, gepaart mit zu viel Eierpunsch und den einen oder anderen schwierigen Familienmitgliedern? „Erfahrungsgemäß wird vermehrt Alkohol getrunken“, bestätigt Talissa Kneissler. Das habe zur Folge, dass die Hemmschwelle sinkt und die Menschen manchmal unbeherrschter reagierten. „Da die meisten Heiligabend im Kreis der Familie verbringen, kommt es natürlich auch hier zu der einen oder anderen Streitigkeit.“
Am Ende kommt die Beamtin aber zu dem Fazit: „Im Allgemeinen verhalten sich die Menschen zur Weihnachtszeit doch freundlich und aufgeschlossen.“