Sonnenauf- und -untergänge in der Wüste sind Naturerlebnisse, die sich einprägen. Foto: Weller

Ras Al Khaimah wird touristisch erst erschlossen - Exotische Landschaft mit Meeresküste.

Als mich der Stallbursche warnt, man müsse bei Raheel die Zügel sehr kurz nehmen, denn der wolle unbedingt rennen, werde ich hellhörig. Doch die Vorfreude, einen richtigen Araber – auch noch ein ehemaliges Rennpferd – zu reiten, ist größer als die Vorsicht. Es fühlt sich ungefähr so an, wie wenn man als Smart-Fahrer zum ersten Mal in einen Ferrari steigt. Raheel, ein durchtrainiertes Muskelpaket, gibt sofort Gas, beschleunigt, wie ich es noch nie bei einem Pferd erlebt habe. Die kurzen Zügel interessieren ihn nicht die Bohne. In vollem Galopp segle ich in einer Kurve aus dem Sattel, Gott sei Dank handle ich mir nur ein paar Schrammen und blaue Flecken ein, der Wüstensand dämpft den Aufprall. Noch mal Glück gehabt.

In Ras Al Khaimah (RAK) , was so viel wie die „Spitze des Zeltes“ bedeutet, ist manches anders, extremer, als es der Mitteleuropäer kennt. RAK liegt neben dem Oman und ist eines der sieben Scheichtümer, die zusammen die Vereinigten Arabischen Emirate bilden. Touristen ist meist nur Abu Dhabi und Dubai ein Begriff. Ras Al Khaimah repräsentiert jedoch eine ganz andere Welt, ursprünglicher als die seiner Nachbarn, noch ein bisschen verwunschen und mehr der Natur zugewandt. Keine verspiegelten Wolkenkratzer, keine protzigen Hotelbunker, keine sechs- oder achtspurigen Highways. Eine Oase für Menschen, die das Fremde suchen.

Andere Kulturen, andere Sitten: „Sprechen Sie als Frau keine Männer an, und schauen Sie Ihnen nicht in die Augen“, instruiert Samir, der pakistanische Fremdenführer mit Hang zu arabischer Lyrik, unsere bunt zusammengewürfelte Journalistengruppe. Wir fragen in einem Laden dennoch einen jungen Einheimischen in einer schneeweißen Dishdasha (bodenlanger Kaftan) mit Ray-Ban-Sonnenbrille und nagelneuem dickem SUV vor der Tür, ob wir ihn fotografieren dürfen. Er nickt und lächelt uns zu: „Welcome in my country“ (willkommen in meinem Land).

Die Geschlechtertrennung macht sich schon am Flughafen von Dubai bemerkbar, wo wir mit einem Kleinbus abgeholt werden. Dort sind für strenggläubige Musliminnen eigene Wartebereiche eingerichtet – und die rosa-cremeweißen Frauentaxis, in denen in ebendiesen Bonbonfarben gewandete Frauen ausschließlich Frauen befördern, hätten sich gut im orientalisch angehauchten Kinostreifen „Sex and the City II“ gemacht.

In den international geführten Hotelanlagen wie dem Wüstenluxusresort Banyan Tree Al Wadi, das in einem 130 Hektar großen Naturreservat liegt und wo wir Station machen, sind die Gepflogenheiten deutlich lockerer und den Ansprüchen der Kundschaft aus aller Welt angepasst. Die Gäste schätzen, was ihnen hier als typisch arabisch aufgetischt wird: Wüstendinner bei Sonnenuntergang im Beduinenzelt, Reiten auf (Araber-)Pferden oder Kamelen, Falkenshows.

Schaut man den Falken bei ihren Flugmanövern zu, dann kann man erahnen, weshalb diese Tiere im arabischen Raum noch immer als Statussymbole gehandelt und gehätschelt werden. Der in Südafrika geborene Falkner Jannes Kruger hat sein ganzes Berufsleben diesen ebenso pfeilschnellen wie empfindlichen Greifvögeln gewidmet. Der „Star“ der Vorführungen ist Romeo, ein kleiner Wanderfalke, der im Sturzflug eine Geschwindigkeit von rund 100 Metern pro Sekunde erreichen könne. Kruger erzählt, dass die Vögel schon nach wenigen Minuten durch solche körperlichen Höchstleistungen ausgepowert sind; sie verbringen etwa 23 Stunden des Tages mit Ausruhen und Verdauen.

Um Geschwindigkeit geht es auch bei den Kamelrennen – Fremdenführer Samir berichtet bei einer ausgedehnten Stadtrundfahrt in Ras Al Khaimah-Stadt, dass die Kamelrennbahn acht Kilometer lang ist und die samstäglichen Rennen ein bei Jung und Alt beliebtes Spektakel und stets gut besucht seien. Während wir die staubige Rennpiste begutachten, dösen die in bunte Tücher eingewickelten Rennkamele – eigentlich Dromedare mit einem Höcker und in der Mehrzahl weibliche Tiere – in der glutheißen Mittagshitze im Schatten vertrockneter Bäume.

Überhaupt ist es meist richtig heiß in Ras Al Khaimah. Wenn man aus den klimatisierten Innenräumen nach draußen kommt, hat man den Eindruck, als würde man im Luftstrom eines auf Höchststufe eingestellten Haarföhns stehen; dank der praktisch nicht vorhandenen Luftfeuchtigkeit ist das Wüstenklima nach zwei, drei Tagen Akklimatisierungsphase aber erstaunlich gut verträglich.

Wer klug ist, der verlegt seine Aktivitäten in die kühleren frühen Morgen- und in die Abendstunden. Um 5 Uhr morgens kann man zum Beispiel silbrig schimmernde Sandfische über die Sanddünen flitzen oder arabische Oryxe, eine Antilopenart mit fast weißem Fell und dunkelbrauner Gesichtszeichnung, am Gestrüpp knabbern sehen.

Wen es nach so viel Wüstenromantik nach urbaner Abwechslung dürstet, für den lohnt ein Ausflug nach Dubai, das in einer Stunde mit dem Auto bequem zu erreichen ist. Ziemlich dekadent, aber durchaus überlegenswert ist es, eine Limousine samt Fahrer zu mieten und etwa einen Nachmittag in einem Luxushotel wie dem Burj al Arab („Turm der Araber“) beim aufwendig zelebrierten Afternoon Tea zu verbringen. Achtung, in diese Nobelherberge kann man nicht einfach hineinspazieren und sich umschauen, sondern man muss zuvor reserviert haben: Hier ist tatsächlich alles Gold, was glänzt.

Ras Al Khaimah

Anreise
Asian Adventure bietet eine neuntägige Luxusreise ab/bis Frankfurt oder München mit Oman Air. Das Paket beinhaltet sieben Übernachtungen im Banyan Tree Al Wadi, www.banyantree.com/en/al_wadi, ab 2090 Euro pro Person im DZ; www.asian-adventure.de, Telefon 02104/97310. Günstigere Pauschalreisen nach Ras Al Khaimah gibt es etwa bei Neckermann Reisen, www.neckermann-reisen.de.

Was Sie tun und lassen sollten
Auf jeden Fall die köstlichen Datteln probieren, die in den fruchtbaren Plantagen gedeihen – diese Jumbo-Exemplare sind nicht vergleichbar mit hiesiger Supermarktware und oft mit Mandeln oder Walnüssen gefüllt. Auch Pistazien oder Gewürze sind beliebte Souvenirs.

Empfehlenswert ist auch ein Ausflug nach Dubai mit Besuch des Afternoon Tea (Nachmittagstee) im Luxushotel Burj al Arab, www.burj-al-arab.com. Dazu ist ca. zwei Wochen vorher eine Reservierung per E-Mail mit Angabe der Kreditkartennummer notwendig (BAArestaurants@jumeirah.com); Bestätigung vom Hotel abwarten, ausdrucken und mitnehmen. Pro Person ca. 75 Euro, je nach Wechselkurs.

Auf keinen Fall die landestypischen Verhaltensregeln ignorieren, sondern auf angemessene Kleidung achten, auf der Straße nicht rauchen, keinen Alkohol trinken.
 

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