Nokias erstes Windows-Tablet – das Lumia 2520 Foto: Nokia

Nokia, Microsoft und Apple buhlen mit neuen Modellen um die Gunst der Kunden. Apple versucht, mit neuen iPads seine Stellung als Marktführer zu verteidigen.

Abu Dhabi/Cupertino - Es ist ein heißer Dienstag im Tablet-Markt geworden: Nokia stieg in das boomende Geschäft ein, Microsoft brachte die neue Generation seiner Marke Surface auf den Markt, und Apple versuchte, mit neuen iPads seine Stellung als Marktführer zu verteidigen. Dabei zog Apple mit seiner Präsentation am Abend europäischer Zeit die meiste Aufmerksamkeit an. Das große iPad-Modell wurde deutlich dünner, leichter und leistungsstärker gemacht, sagte Marketingchef Phil Schiller. Deshalb bekam es den neuen Beinamen iPad Air. Äußerlich wurde es mit schmaleren Seitenrändern an das Design des kleineren iPad mini angepasst. Der Preis beginnt wie bisher bei 499 Dollar (365 Euro). Marktstart ist am 1. November.

Das iPad mini wurde wie erwartet mit einem Display mit höherer Auflösung aufgerüstet. Im Laufe des Novembers wird es bei 16-GB-Speicher für 399 Dollar (rund 290 Euro) zu haben sein. Beide Versionen bekamen den gleichen schnellen Chip, den Apple in sein Flaggschiff-Smartphone iPhone 5s einbaut. Apple ist damit weiterhin teurer als die Konkurrenz. So verkaufen Google und Amazon ihre 7-Zoll-Tablets, die noch etwas kleiner als das iPad mini sind, bereits ab 229 Dollar (167 Euro).

Zunächst hatten am Dienstag aber die verbündeten Apple-Rivalen Nokia und Microsoft die Bühne. Der einstige Handy-Weltmarktführer aus Finnland stellte dreieinhalb Jahre nach dem Start der ersten iPad-Generation sein erstes Tablet vor. Das Gerät mit der Bezeichnung Lumia 2520 läuft mit dem aufgefrischten Betriebssystem Windows RT 8.1 von Microsoft. Es lehnt ans Design der Lumia-Smartphones an und hat einen großen Zehn-Zoll-Bildschirm sowie schnellen LTE-Datenfunk. Das Tablet kommt zunächst nur in Finnland, Großbritannien und den USA auf den Markt. Nokia will bei seinem Tablet erprobte Stärken wie hochwertige Kamera-Technik und den hauseigenen Kartendienst ausspielen. Außerdem soll das Display auch bei starkem Sonnenlicht gut nutzbar sein. Zudem hofft Nokia, mit Software zu punkten, die es zumindest zunächst nur auf dem Lumia-Tablet geben soll – etwa das gemeinsam mit Dreamworks Animation entwickelte Netzwerk-Spiel „Dragon’s Adventure“.

Microsoft ist gerade dabei, die Gerätesparte von Nokia zu übernehmen – doch vorerst treten die beiden Anbieter mit konkurrierenden Geräten gegeneinander an. So brachte der Windows-Konzern die Weiterentwicklung seiner hauseigenen Surface-Geräte auf den Markt. Die neuen Modelle Surface 2 und Surface Pro 2 sind ab sofort in 21 Ländern erhältlich. Beide Geräte sind generalüberholt, warten mit weniger Gewicht, besseren Displays und schnellerer Rechenleistung auf. Für zwei Jahre bietet Microsoft seinen Kunden kostenlos 200 Gigabyte Speicher über seinen Online-Dienst SkyDrive an.

Neben dem Verbrauchermarkt will Microsoft verstärkt Unternehmen ansprechen. Als einen der ersten Großkunden gewann der Softwarekonzern die US-Fluggesellschaft Delta Airlines, die bis Ende 2014 rund 11 000 Piloten mit neuen Surface 2 ausstatten will. Die Tablets sollen den analogen Pilotenkoffer ersetzen. Mehrere andere Airlines setzen bereits auf Apples iPads.

Im scharfen Wettbewerb auf dem PC-Markt machte Apple eine klare Kampfansage an Microsoft: Das Betriebssystem für Mac-Computer ist jetzt kostenlos. Die neue Version des Systems OS X mit dem Codenamen „Mavericks“ sollte ab sofort verfügbar sein, kündigte Software-Chef Craig Federighi an. Die Upgrades zählten bisher zu den umsatzstärksten Software-Angeboten von Apple. Für Microsoft ist der Verkauf der Windows-Software nach wie vor eine zentrale Geldquelle.

Apple sägt auch am zweiten Microsoft-Standbein: Mit dem Kauf neuer Mac-Computer sind nun auch die hauseigenen Büroprogramme des Unternehmens kostenlos. „Wir machen das, weil wir wollen, dass alle unsere Kunden Zugang zu den neuesten Funktionen haben“, sagte Cook.

Es wird eng - Kommentar von Daniel Gräfe

Stuttgart - Es ist ungewöhnlich, dass mit Apple, Nokia und Microsoft drei Unternehmen am selben Tag neue Tablet-Modelle präsentiert haben. Das zeigt, wie sich der Wettstreit im Markt mit den flachen Minicomputern verschärft. Kein Hersteller kann es sich leisten, im Buhlen um Kunden Zeit zu verlieren. Lieber schnell etwas weniger Aufmerksamkeit, als zu lange zu warten, heißt die Devise. Denn das Geschäft mit den Tablets ist derzeit die Goldader der Branche – während sich PCs und Notebooks immer seltener verkaufen. Um mehr als 50 Prozent soll der Verkauf von Tablets dieses Jahr weltweit steigen. Allein in Deutschland werden geschätzt rund acht Millionen Geräte abgesetzt. Wer nicht schnell genug ist, macht weniger Umsatz.

Das spürt auch Apple. Der Platzhirsch wird immer stärker von der Konkurrenz getrieben. Innerhalb eines Jahres hat sich Apples Marktanteil bei den Tablets von 60 auf rund 30 Prozent halbiert. Verfolger Nummer eins ist Samsung, das auf das dominierende Betriebssystem Android setzt. Mehr noch: Apple hat seinen technologischen Vorsprung eingebüßt. Neben Samsung bauen auch Google, Sony, Huawei Spitzen-Tablets – und eben auch Nokia und Microsoft. Sie alle werden sich künftig noch mehr die Marktanteile streitig machen. Auch deshalb arbeitet die Branche an einem neuen, großen Ding, das die Kunden begeistert. Und gute Geschäfte verspricht. Bisher vergeblich. Die Innovationen bleiben aus.

  
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