Die NGG warnt zum 25. November davor, sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz zu verharmlosen. Foto: imago/MiS

Jede fünfte Person erlebt sexuelle Belästigung im Job. Zum Aktionstag am 25. November ruft die Gastro-Gewerkschaft NGG die Betriebe im Rems-Murr-Kreis dazu auf, stärker gegenzusteuern.

„Zotige Sprüche, ungewünschte Nacktbilder und Fragen zu sexuellen Vorlieben sind keine Kavaliersdelikte, sondern sexualisierte Gewalt“, sagt Magdalena Krüger. Sie ist Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) der Region Stuttgart – und kritisiert, dass sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz zu oft kleingeredet wird. „Sie schadet den Betroffenen, ihren Kollegen und letztlich auch dem Betrieb selbst“, so Magdalena Krüger.

 

Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November richtet die Gewerkschaft ihren Blick auf die Arbeitswelt im Rems-Murr-Kreis. Es geht um die fast 180.000 Beschäftigten in 10.520 Betrieben, die im Handwerk, in der Industrie, in der Dienstleistungsbranche oder im Handel arbeiten – knapp die Hälfte davon sind Frauen.

Viele Beschäftigte erleben sexuelle Belästigung im Job

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben bundesweit 20 Prozent der Beschäftigten bereits sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. 13 Prozent der Betriebe geben an, dass es bei ihnen einen sexualisierten Übergriff in den letzten zwei Jahren gegeben hat. Frauen seien davon deutlich häufiger betroffen als Männer, so die NGG Stuttgart.

Gerade im Einzelhandel und im Gastgewerbe, in denen Kundenkontakt eine große Rolle spiele, würden viele Beschäftigte mit Übergriffen konfrontiert. Und auch innerhalb der Betriebe kann es zu sexualisierter Gewalt kommen, warnt die NGG.

Übergriffe schaden Arbeitsklima und Betrieben

Für Unternehmen kann ein solches Verhalten erhebliche Folgen haben. Fast drei Viertel der betroffenen Betriebe berichten, dass die Arbeitsmoral unter solchen Übergriffen massiv leide. Auch Krankschreibungen nähmen zu. „Viele Beschäftigte suchen sich dann einfach einen neuen Job. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels kann das gefährlich für das Unternehmen werden“, betont Magdalena Krüger.

Die NGG vertritt Kellner und andere Arbeitnehmer im Gastgewerbe, um für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Foto: IMAGO/Panthermedia

Trotz gesetzlicher Vorgaben zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt sieht es vielerorts ernüchternd aus. Zwar setzt sich der Studie zufolge mehr als die Hälfte der Betriebe grundsätzlich mit dem Thema auseinander, vorbeugende Maßnahmen gebe es jedoch selten.

Dabei verpflichtet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Arbeitgeber dazu, eine Beschwerdestelle einzurichten und Präventionsmaßnahmen umzusetzen. „Bei der Umsetzung dieser Schutzvorschriften ist noch viel Luft nach oben“, sagt Krüger.

NGG unterstützt „Orange the World“

Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz dürfe nicht kleingeredet werden, betont Krüger. Es sei wichtig, sich als Unternehmen aktiv dagegenzustellen. Aus diesem Grund unterstützt die NGG die UN-Kampagne „Orange the World“, die jedes Jahr vom 25. November bis 10. Dezember auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam macht. „Denn nur ein Betrieb, in dem sich alle Beteiligten wohlfühlen, ist fit für die Zukunft und kann auch größere Krisen meistern“, sagt die Geschäftsführerin.

Hilfetelefon
Als erste Anlaufstelle für Betroffene steht 365 Tage im Jahr rund um die Uhr unter der Nummer 116016 das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ zur Verfügung. Online ist die Einrichtung unter www.hilfetelefon.de zu erreichen. Die insgesamt 60 Mitarbeiterinnen helfen den Frauen vertraulich, kompetent und barrierefrei, Unterstützung vor Ort zu finden.