In manchen Situationen sollte man eine Versicherung haben. Zur Not kann man diese noch rasch mobil auf dem Handy abschließen. Foto:  

Kurzzeitpolicen kann man im Bedarfsfall spontan via Smartphone abschließen. Sie sind aber nur eine Ergänzung zum Basisschutz.

Stuttgart - Eine Spritztour mit einem fremden Auto. Nach Jahren endlich wieder auf die Skipiste. Ein Spontantrip in die Sonne. Und plötzlich das mulmige Gefühl: Was, wenn etwas passiert? Bin ich dann gut abgesichert? Kurzentschlossenen, die sich nicht rechtzeitig Gedanken über ihren Versicherungsschutz gemacht haben, bietet sich ein Ausweg: Sie können spontan per Smartphone oder Tablet Kurzzeit-Versicherungspolicen abschließen, tageweise und nur so lange, wie sie gerade gebraucht werden. Das geht auch noch am Flughafen oder im Skilift – vorausgesetzt, das Handy hat Empfang.

Manche Versicherer haben eigene Apps programmiert, mit denen sie die Minipolicen vertreiben. Die meisten verkaufen sie aber über das Portal AppSichern.de, das vom Düsseldorfer Start-up-Unternehmen Situative betrieben wird. Angeboten werden dort etwa Reisekrankenversicherungen, Unfallpolicen für Bus- oder Dienstreisen sowie Kinder-Unfallversicherungen für den Kita- oder Schulausflug von unterschiedlichen Anbietern. Außerdem können sich beispielsweise Fußballfans kurz vor Anpfiff gegen Verletzungen beim Stadionbesuch versichern.

Wiesn- oder Karnevalsversicherung

Zum Münchener Oktoberfest hatte die Versicherungsgruppe Die Bayerische die Police Wiesn-Schutz kreiert. Für 5,99 Euro konnten sich Wiesn-Besucher für 24 Stunden gegen Unfallfolgen, unfallbedingte kosmetische Operationen, Kosten für einen Krankenrücktransport im Inland oder für die Wiederbeschaffung verlorener Papiere absichern. Darüber hinaus enthielt das Paket auch eine Zahnzusatzversicherung – man weiß ja nie. Das Plus gegenüber herkömmlichen Policen: Selbst Schäden unter Alkoholeinfluss ließen sich auf diese Weise versichern. Zu Karneval gibt es auf AppSichern.de mit dem Jecken-Schutz ein ähnliches Konzept.

Wer sich einmal registriert und dabei möglichst auch einen Begünstigten für den Todesfall eingegeben hat, braucht die Police bloß noch anzuklicken – und schon ist sie abgeschlossen, minutengenau für 24 Stunden.

Verbraucherschützer sind allerdings skeptisch: Sinnvoller sei es, das ganze Jahr einen guten Versicherungsschutz zu haben, etwa in Form einer privaten Haftpflicht-, einer Unfall- und einer Berufsunfähigkeitsversicherung, heißt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, denn die Tagespolicen würden vergleichsweise viel kosten, dafür aber nur eine niedrige Deckung des Schadens bieten. In der Tat ist das, was mit Preisen zwischen – je nach Police – einem und sechs Euro zunächst günstig klingt, vergleichsweise teuer, wenn man es hochrechnet und mit herkömmlichen, langfristigen Versicherungspolicen vergleicht.

Auf den Monat umgerechnet sind die Policen sehr teuer

Die von der Versicherungsgruppe Lloyd’s konzipierte und über AppSichern.de angebotene Kurzzeitpolice Kita-Ausflugschutz beispielsweise, mit der Eltern ihre Sprösslinge gegen Unfälle beim Kindergartenausflug absichern können, kostet 1,49 Euro für 24 Stunden. Auf einen Monat hochgerechnet wären das 44,70 Euro. Dafür leistet die Versicherung bei bleibenden Schäden des Kindes aufgrund eines Unfalls während des Kita-Ausflugs bis zu 50 000 Euro. Im Todesfall werden einmalig 10 000 Euro gezahlt.

Eine herkömmliche private Unfallversicherung mit gleichen Leistungen gibt es etwa beim Direktversicherer Asstel schon für zwei Euro monatlich, bei Syncro 24 für 2,38 Euro. Dafür bindet man sich dann aber auch für mindestens zwölf Monate.

Ein Grund für die vergleichsweise hohen Kosten der Kurzzeitpolicen ist der Verwaltungsaufwand, der bei einer kurzen Vertragslaufzeit von nur einem bis drei Tagen stärker ins Gewicht fällt. Trotzdem hinkt der Vergleich: Lennart Wulff, Geschäftsführer des AppSichern.de-Betreibers Situative, versteht sein Angebot nicht als Konkurrenz zu herkömmlichen Jahrespolicen. „Wir würden nie auf die Idee kommen, Leuten zu raten, ihren kompletten Hausstand über kurzfristige Lösungen abzusichern.“ Zielgruppe seien vielmehr Menschen, die keine Versicherung hätten und plötzlich feststellten, dass sie spontan eine Police brauchen. Mit Kurzzeitversicherungen lasse sich der Versicherungsschutz flexibel anpassen, so Wulff.

Zu geringe Leistung im Schadensfall

Allerdings ist der Preis nicht der einzige Kritikpunkt von Verbraucherschützern. Auch die Leistungen der Kurzzeitpolicen seien unzureichend, moniert Rita Reichard, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine Unfallversicherung, die bei bleibenden Schäden 50 000 Euro an den Versicherten auszahlt, sei unzureichend – gebraucht würden mindestens 400 000 Euro. Aber auch ein unzureichender Schutz ist im Fall der Fälle besser als gar keiner.

Sicherlich ist es klüger, eine Unfall- sowie Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, die das ganze Jahr über rund um die Uhr greift und nicht nur in speziellen Fällen. „Man kann sich grundsätzlich viel besser versichern als mit den Miniversionen per Handy“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Allerdings machen sich viele Menschen erst dann Gedanken über ihren Versicherungsschutz, wenn es darauf ankommt. Und diese können dann mit den Kurzzeitpolicen zumindest einen Basisschutz abschließen – und sich dann im Anschluss um eine richtige Versicherung zu kümmern, die die entsprechenden Risiken dauerhaft und mit einer ausreichenden Deckungssumme absichert.

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