Der Waiblinger Pablo Fernandez hat in einer ehemaligen Apotheke am Marktplatz ein Lokal eröffnet, das von früh bis spät Gäste bewirtet – auch die des Sternekochs Bernd Bachofer.
Mehr als 250 Jahre war das Zacherhaus eine Anlaufstelle für Waiblinger, die gesund werden oder bleiben wollten: Das Fachwerkgebäude, das zu den ältesten Häusern in der Stadt gehört, war traditionell Sitz einer Apotheke. Die Untere Apotheke hat vor gut fünf Jahren endgültig ihre Türen geschlossen – und ist nun, nach grundlegender Renovierung, als Gasthaus wiederauferstanden. An die Vergangenheit erinnern der Name des neuen Lokals, „Untere Apotheke“, und ein knappes Dutzend Apothekerfläschchen, die im Regal hinter der Theke stehen.
„Die letzten Betreiber der Apotheke haben sie vor kurzem als Geschenk mitgebracht“, sagt Pablo Fernandez. Wenn das kein gutes Omen ist. Fernandez, der im Nachbarhaus, Kurze Straße 20, aufgewachsen ist, hat sich mit dem Lokal in der Heimatstadt einen lang gehegten Traum erfüllt. Auf dem kleinen Platz an der Rückseite des Zacherhauses ist er einst mit seinem Dreirad herumgedüst. Nun serviert er seinen Gästen dort an Donnerstagabenden Paella, freitags und samstags Tapas. Außerdem die ganze Woche über Weine aus dem Remstal, Drinks und Aperitife, darunter den selbst kreierten Apotini mit Limette, Kaffir, Pandan und Sekt, oder in der alkoholfreien Variante mit Tonic. Dass auf der Bar-Karte bei „Gin & Tonic“ auch ein „Bachofers“ gelistet ist, kommt nicht von ungefähr. Den Waiblinger Sternekoch Bernd Bachofer hat Pablo Fernandez als Teenager kennen gelernt und in dessen Lokal, das gleich schräg gegenüber der Unteren Apotheke ist, als Aushilfe gejobbt.
Flying Tapas – und Shakshuka zum Frühstück
Mit seinem Mentor macht Pablo Fernandez nun gemeinsame Sache. Er versorgt etwa die Gäste, die abends bei Bachofer gespeist und in dessen Boutique-Hotel übernachtet haben, mit Frühstück. Klassiker wie Laugengebäck, Ei und selbst gemachte Marmelade stehen ebenso auf der Karte, wie ein Radieschen-Brot mit Sprossen, Tortilla oder Shakshuka, pochiertes Eigelb in Tomatensud mit Harissa und Paprika. Auch für Mittagsgäste gibt es eine Speisekarte. Und immer am letzten Donnerstag eines Monats stehen Pablo Fernandez und Bernd Bachofer gemeinsam in der Küche und bereiten internationale Tapas für die Abendgäste zu.
Für den Kaffee, der aus der lokalen Rösterei Pilu stammt, ist vorwiegend Vincenzo Ferrantello zuständig. Der gebürtige Sizilianer und gelernte Hotelfachmann ist nach vielen Stationen rund um den Globus vor rund zehn Jahren im Raum Stuttgart gelandet – und geblieben. Er hat sich zum Barista weitergebildet und ist in der Unteren Apotheke schwerpunktmäßig für die professionelle Zubereitung von Kaffeespezialitäten zuständig. Wer eine Variante mit Milchschaum ordert, lernt neben dem Barista auch gleich noch den Latte Art-Künstler Vincenzo Ferrantello kennen, der geschickt Herzen und Tulpen in die Tassen zaubert.
Die Küche ist gut einsehbar
Tagsüber kann die Untere Apotheke ihren Gästen Sitzgelegenheiten auf dem Marktplatz bieten. „Abends ziehen wir uns auf unsere Terrasse zurück“, so Pablo Fernandez. Im Lokal selbst stehen 50 Plätze zur Verfügung, das Treiben auf dem Marktplatz können Besucher durch bis bodentiefe Fenster beobachten. Zudem haben sie freie Sicht auf den Barbereich hinter dem die ebenfalls gut einsehbare Küche liegt. „Wir wollen nicht hinter verschlossener Tür arbeiten, sondern das Kochhandwerk zeigen. Hier gibt es keine Tiefkühlware“, so Pablo Fernandez.
Den Gastraum, der zum Marktplatz hin ausgerichtet ist, prägen uralte Balken und üppig wuchernde Grünpflanzen. Im zweiten Bereich, der sich zum ruhigen Hinterhof orientiert, wachsen Bonsai-Pflanzen. Und auf der Toilette warte japanische Skulpturkunst auf die Gäste, sagt Pablo Fernandez – außerdem Literatur für die Ohren. „Bei uns laufen hier Hörbücher, entweder ‚Der kleine Prinz’ oder das ‚Dschungelbuch’“.
Mehr Infos zur Unteren Apotheke gibt es unter www.untereapotheke.com