Wanderfalke auf der Jagd Foto: dpa

Der Wanderfalke, den ein Falkenexperte auf dem Brückenpfeiler der Körschtalbrücke zwischen Neuhausen und Ostfildern-Nellingen unweit der von Vogelschützern angebrachten Nisthilfe gefunden hatte, war gezielt vergiftet worden..

Ostfildern - Ein Blick auf den toten Vogel hat Jürgen Becht genügt. Der Wanderfalke, den der Falkenexperte auf dem Brückenpfeiler der Körschtalbrücke zwischen Neuhausen und Ostfildern-Nellingen unweit der von Vogelschützern angebrachten Nisthilfe gefunden hatte, war gezielt vergiftet worden. Die Federn, die er noch im Schnabel hatte, zeugten von seiner letzten Mahlzeit – einer lebenden Giftbombe. So nennen die Naturschützer die mit tödlichen Chemikalien bestrichenen Vögel, die von den unbekannten Tätern als Köder eingesetzt werden. Meist kommen dabei Tauben zum Einsatz.

„Ein Wanderfalke schlägt seine Beute nur im Flug. Da scheidet schon mal aus, dass er mit dem Gift versehentlich am Boden in Kontakt gekommen sein könnte“, sagt Andre Baumann, Landesvorsitzender des Umweltverbandes Nabu. Diesen Verdacht hatte Jürgen Becht, der auch Sprecher der beim Nabu angesiedelten Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz ist, von Beginn an. Jetzt bekam er die Bestätigung durch eine Analyse des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart. „Der streng geschützte Wanderfalke ist mit dem sonst zur Tötung von Getreideschädlingen angewandten Beizmittel Pirimiphos-Methyl vergiftet worden“, sagt Becht. Der Nabu, vertreten durch seinen Landesvorsitzenden Baumann, hat inzwischen Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Der Naturschutzbund Baden-Württemberg hat eine Belohnung von 1000 Euro ausgelobt.

„Wir gehen von zwei Täterkreisen aus“, sagt Baumann. Da seien zum einen die Jäger, die den Wanderfalken als Raubwild brandmarken und daraus das Recht ableiten, seinen Bestand klein zu halten. „Das gilt auch für den Habicht, in dem die Jäger einen Konkurrenten in der Jagd auf Rebhühner und Fasane sehen“, so Baumann. Als weitere potenzielle Wanderfalkenfeinde nennt er die Taubenzüchter. Kein Züchter sehe schließlich gerne, wenn Tiere im Wert von mehreren Tausend Euro ihr Leben in den Klauen eines Wanderfalken aushauchten. Für Baumann ist es daher auch kein Zufall, dass die meisten Greifvögel in Nordrhein-Westfalen vergiftet werden. „Dort hat der Brieftaubensport eine große Tradition“, sagt der Nabu-Vorsitzende. An zweiter Stelle der Todes­statistik folgt Baden-Württemberg.