Im Internet gibt es scharfe Kritik an der sprunghaften Erhöhung der Gebühren für Anwohnerparkausweise in Esslingen. Viele Betroffene sind gelassener.
Die Nachricht ist noch frisch: Vom 1. Juli an kosten die Anwohnerparkausweise in Esslingen 150 Euro pro Jahr – bislang liegt die Gebühr bei 30 Euro. Diese starke Erhöhung ist möglich geworden, weil ein Gesetz Kommunen künftig erlaubt, die Gebühr festzulegen. Bislang war sie deutschlandweit auf höchstens 30,70 Euro gedeckelt. Die Reaktionen der Betroffenen darauf sind unterschiedlich. Kritisiert wird vor allem der große Sprung von 30 auf 150 Euro – in einer Zeit, in der viele Artikel des täglichen Lebens teurer werden.
Wucher, Abzocke, Wegezoll – im Internet tobt ein Shitstorm
Im Netz schlägt die Gebührenerhöhung Wellen: „Abzocke der Autofahrer“ heißt es in einem Beitrag auf Facebook. Ein Kommentator vermutet: „Autos sollen raus aus der Stadt“ – und kündigt an: „Deshalb wird jetzt online gekauft.“ Andere nennen es „Wucher, Betrug, Wegezoll wie im Mittelalter“. Einige wenige rufen zur Mäßigung auf und verweisen auf hohe Kosten für gemietete Parkplätze und Garagen.
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Ein Rundgang durch die Innenstadt zeigt: Parkflächen sind rar in der City – egal, ob sie für Anwohner reserviert sind oder ob dort mit einem gültigen Parkschein geparkt werden darf. Die meisten Befragten wollen sich nicht zum Thema äußern und winken ab: Es sei doch beschlossene Sache. Anders als etliche Internetnutzer äußern sich Passanten jedoch reflektierter. Martin Oswald wohnt und parkt im Gebiet B an der Vogelsangbrücke. Er kann mit der Erhöhung gut leben. „150 Euro sind immer noch recht günstig“, sagt er und hat ausgerechnet, dass man bei diesem Betrag nur 41 Cent täglich fürs Parken ausgibt. Paul Metzger aus dem Gebiet A geht noch einen Schritt weiter: „Ich kann mir auch 365 Euro vorstellen. Das wäre ein Euro pro Tag dafür, dass ich in der Altstadt auf öffentlichen Flächen parken kann.“
Wer Glück hat, kann einen Parkplatz zur Wohnung zumieten
Martina Dittus wohnt ebenfalls in der Innenstadt. Es sei großes Glück, dass sie zu ihrer Wohnung in der östlichen Altstadt einen Parkplatz zumieten kann. Ansonsten ist sie zwiegespalten: „Einerseits sind 150 Euro für Innenstadtparker immer noch okay, wenn man es auf den Monat umrechnet“, sagt sie, meint aber, dass die Erhöhung zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt komme. „Jetzt wo, gerade alles teurer wird. Es ist so alternativlos.“ Andreas Krüger parkt im Gebiet R am Kesselwasen. Er sagt, der Unterhalt der Parkplätze sei doch bereits durch Steuergeldern finanziert und fragt sich: „Warum soll ich extra zahlen?“ Eine Passantin, sie kommt von außerhalb, will ihren Namen nicht nennen. Sie hat gerade einen Parkplatz gefunden – nach längerer Suche. Sie beneidet die Anwohner, die bessere Möglichkeiten hätten, einen Parkplatz zu finden. Esslingen sei „autofahrerunfreundlich“.
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Im Esslinger Rathaus weiß man um die Brisanz des Themas. Zum Stichtag am 1. Juli werde man die Bürger umfassend informieren. „Wir werden alle Anwohner anschreiben“, kündigt Raphael Clauss, Leiter der Verkehrsabteilung im Ordnungsamt, an. In den 13 Gebieten, in denen der Ausweis gilt, ist das Verhältnis von Parkern und Stellplätzen unterschiedlich. „Hoher Parkdruck“, wie Clauss sagt, existiere im Bereich B sowie im Gebiet R, wo etwa doppelt so viele grüne Scheine im Umlauf seien wie es Anwohnerparkplätze gibt. Gut bestückt mit Plätzen hingegen sei das Gebiet A, die östliche Altstadt. Er betont, dass man das Verhältnis von Parkern und Plätzen im Auge habe. „Fallen Plätze etwa durch Baustellen weg, so schauen wir, wo wir zusätzliche Flächen ausweisen können.“ Insgesamt sei die Stimmung in der Innenstadt gelassen, berichte das Kontrollpersonal, sagt Marc Petzold, der stellvertretende Leiter des Sachgebiets Verkehrsüberwachung. Er habe den Eindruck, die Esslinger hätten sich an die Regelungen gewöhnt.