Das Ebelu am Herdweg– die Traditionsschule kann nicht wie geplant umziehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium kann nicht wie geplant zum Schuljahresende ein Ausweichquartier beziehen. Dadurch verzögert sich auch der geplante Umbau. Die Enttäuschung in der Schule ist groß.

Stuttgart - Auf diesen Paukenschlag hätte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, das auch das Musikgymnasium des Landes beherbergt, gerne verzichtet: Offenbar aufgrund des Einspruchs eines Anwohners können die Schüler und Lehrer nicht wie geplant am Ende dieses Schuljahres vom Herdweg in das rund zwei Kilometer entfernte ehemalige Gebäude der Hedwig-Dohm-Schule in der Ludwigstraße umziehen. Das verlautete aus Elternkreisen. Die Stadt wollte den Umzugsstopp am Freitag offiziell nicht bestätigen.

Der Umzug ist notwendig, um mit dem seit Jahren geplanten und auf rund 44 Millionen Euro veranschlagten Um- und Ausbau des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums beginnen zu können. Die Bauzeit soll drei Jahre betragen. Baubeginn sollte im Herbst sein. An der Schule herrscht Enttäuschung über die Verzögerung: „Wir haben unsere Planung des ganzen Schuljahres auf den Umzug abgestimmt – Projekttage, Schulfest, Einschulung der neuen Fünftklässler am Interimsstandort, Vorbereitungssamstage der Lehrer zum Umzug. Jetzt ist das alles für die Schublade. Wir müssen den Umzug absagen und wissen momentan nicht, wie’s weitergeht“, sagte Schulleiterin Karin Winkler auf Anfrage. Das Baugenehmigungsverfahren scheint sich durch den Einspruch eines Nachbarn erheblich zu verzögern. Zu den Folgen will sich die Stadt demnächst äußern.

Die Schulleiterin befürchtet, dass Schüler und Lehrer auf absehbare Zeit in dem sanierungsbedürftigen Gebäude bleiben müssen. Mit Blick auf den bevorstehenden Umbau ist dort seit seit Jahren kaum noch etwas erneuert worden. Besonders die sanitären Anlagen sind veraltet.

Verunsicherung bei den Eltern

Das macht es für das Ebelu nicht leicht, im Wettbewerb mit anderen Stuttgarter Gymnasien zu bestehen. „Durch großen Einsatz ist es gelungen, die Anmeldezahlen wie in den Vorjahren zu halten“, sagt Karin Winkler. „Bei vielen Eltern ist aber eine Verunsicherung wegen der unklaren Situation festzustellen.“

Nach den Sommerferien werden zwei fünfte Klassen mit zusammen 52 Schülern starten. Dazu kommen neun neue Schüler des Hochbegabten-Musikzugs, der jetzt 60 Schüler zählt. Die Rektorin nennt die Situation „extrem belastend“. „Das geht zu Lasten von fast 500 Schülern, 1000 Eltern und 60 Lehrern.“ Was sie angesichts der langen Planungszeit besonders bewegt: „Eine komplette Schülergeneration wird in der Schwebe gehalten.“

Im Laufe seiner Geschichte hat das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, an dem auch die Brüder Stauffenberg zur Schule gingen, eine wechselvolle Geschichte erlebt. Es geht auf das 1686 gegründete Gymnasium illustre zurück und wurde ab 1806 auch das Königliche Gymnasium genannt. Seit 1903 war das Ebelu in der Holzgartenstraße untergebracht. Nach der Zerstörung des Schulgebäudes im Krieg und mehreren Interimsstandorten zog es 1957 in das inzwischen denkmalgeschützte Schulhaus am Herdweg. Dorthin soll es nach erfolgtem Umbau auch wieder zurückkehren. Offen ist wann.

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