Badische Firmen wollen, dass die Interessen der Familienunternehmen künftig tatkräftiger angepackt werden. So zugreifend wie die Greifen auf dem Wappen des einst selbstständigen Landes Baden. Foto: Archiv

Ein Verband badischer Unternehmen eröffnet ein Büro in Stuttgart. Der Landesverband der Industrie gibt sich erfreut. Doch gerade ihm wollen die Badener Dampf machen.

Stuttgart - Das Badnerlied dürfte zur Eröffnung wohl nicht gesungen werden. Sonst könnte man es leicht ergänzen: „In Karlruh’ ist die Residenz, in Mannheim die Fabrik“, singt man jenseits des Schwarzwalds. Hinzufügen könnte man seit heute „...und in Stuttgart ein Büro“. Der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen in Baden (Wvib) nämlich eröffnet eine Filiale in Stuttgart.

Der Landesverband der Industrie (LVI) gibt sich ob des Antritts der Badener durchaus erfreut: „Wir beglückwünschen den Wvib zur Eröffnung seiner Stuttgarter Repräsentanz“, erklärt LVI-Präsident Heinrich Baumann. Es sei gut, wenn es in Stuttgart eine weitere Stimme für die soziale Marktwirtschaft gebe. Zudem könnten mit dem Verband, der auch Mitglied im LVI ist, badische Belange in der Hauptstadt noch besser artikuliert werden.

Verband: Industrie soll mehr Kampagnen führen

Die Verband mit Sitz in Freiburg indes tritt in Stuttgart nicht an, um Glückwünsche entgegenzunehmen. Vielmehr will er Dampf machen – auch dem LVI selbst. Christoph Münzer, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, der auch unter dem Namen „Schwarzwald AG“ firmiert, sieht durchaus Defizite. Die Interessen der Industrie müssten deutlicher vertreten werden, als dies der LVI tue. So würde man sich etwa wünschen, dass Kampagnen organisiert würden, meint Münzer – für Europa ebenso wie um Bloggern oder der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Paroli zu bieten. „Die Kampagnenfähigkeit der baden-württembergischen Industrie liegt bei Null“, kritisiert er. Und auch beim Zusammengehen von LVI und und Arbeitgebern Baden-Württemberg zum neuen Verband Unternehmer Baden-Württemberg möchte man gerne stärker mitmischen – auch um den oft nicht tarifgebundenen Familienunternehmen im ländlichen Raum mehr Gehör zu verschaffen. Etwa ein Drittel der mehr als 1000 Mitglieder des badischen Verbands kommt aus dem Württembergischen – so etwa der Automatisierungsspezialist Schiller aus Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb.

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