Der VfB Stuttgart hat – wie andere Clubs im Profifußball – Kurzarbeit eingeführt und weitere staatliche Hilfe beantragt. Das ist legitim, kommentiert unser Autor Dirk Preiß, der aber auch sagt: Das darf kein Modell für die Zukunft sein.
Stuttgart - Es ist nicht leicht in diesen Zeiten, bei all den Diskussionen rund um den Profifußball den Überblick zu behalten. Es geht um windige Finanzierungsmodelle, um Hygienekonzepte, um Werte wie Fairplay und Demut. Und es geht für zahlreiche Vereine um die eine existenzielle Frage: Wie kommen wir trotz der Corona-Krise finanziell über die Runden?
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Für viele Beobachter dieser Hochlohnbranche ist das eine verquere Diskussion – schließlich haben sich die Clubs im sportlichen Wettstreit selbst eine Ausgabenstruktur gegeben, unter der sie nun drohen zusammenzubrechen. Zwar leisten die kickenden Großverdiener, die das Geschäft letztlich am Laufen halten, vielerorts ihren freiwilligen Sparbeitrag, dennoch haben auch Fußballvereine für ihre „normalen“ Angestellten Kurzarbeit eingeführt. So wie der VfB Stuttgart – der vor Wochen eine weitere staatliche Hilfe beantragt hat.
Die Branche lebte lange in Saus und Braus
Das ist einerseits legitim, sehen sich die Proficlubs doch längst als Fußballunternehmen sowie in Summe als wichtigen Wirtschaftszweig und identitätsstiftenden Standortfaktor. Und mit den nun schwindenden Möglichkeiten, ihren vertraglich fixierten Leistungen (die Spielergehälter, aber auch die Löhne der weiteren Mitarbeiter) nachkommen zu können, befinden sie sich in Gesellschaft mit zahlreichen hochrangigen Firmen aus anderen Branchen.
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Auf der anderen Seite darf es in Zukunft nie mehr so weit kommen, dass diese sportliche Unterhaltungsbranche, die jahrelang in Saus und Braus – und meist von der Hand in den Mund oder gleich auf Pump – gelebt hat, mit Mitteln aufgepäppelt werden muss, die letztlich der Steuerzahler begleicht oder zumindest mit absichert. Egal, ob es sich um Landesbürgschaften, Kurzarbeitergeld oder geförderte Kredite handelt.
Der VfB hat in den vergangenen Jahren viel Geld eingenommen, es durch sportlichen Misserfolg, gut dotierte Spielerverträge und Beraterhonorare in Millionenhöhe aber auch wieder verloren. Nun braucht es – nicht nur in Stuttgart – ein nachhaltiges und maßvolles Wirtschaften mit entsprechenden Vertragswerken, das auch die Bewältigung von unvorhersehbaren Krisen möglich macht. Wie dies gelingen kann? Diese Frage sollten vor allem jene diskutieren, die im Fußball zuletzt vor allem eines wollten: Erfolg und Profit um jeden Preis.