Kanus und Sonnenhungrige im Erholungsgebiet Max-Eyth-See: Bislang ist der Sprung ins kühle Nass für die Besucher eine illegale Sache, was viele gar nicht wissen. Foto: Max Kovalenko

Ein Badesee in ihrer Stadt – das könnten sich die Stuttgarter schon vorstellen. Doch während sich die Schwimmer im Max-Eyth-See durch Verbote kaum abhalten lassen, stößt die Idee der CDU auch auf Kritik. Denn Wasserqualität und Naturschutz werfen Fragen auf.

Stuttgart - Bisher steht der Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion, zu prüfen, ob ein See in Stuttgart für den Badebetrieb infrage kommt, nur auf dem Papier. Überschrieben ist er mit dem Motto: „Ein Badesee in Stuttgart – das wäre toll!“ Dabei ist das Schriftstück längst von der Realität überholt worden. Denn an heißen Tagen tummeln sich im Max-Eyth-See Dutzende von Schwimmern im Wasser.

„Es ist untersagt, im See zu baden“, verkündet zwar ein Schild am Eingang des Erholungsgebiets. Doch dadurch lassen sich viele Besucher angesichts der Temperaturen kaum abschrecken. Erst recht nicht an einem heißen Samstagnachmittag. Am östlichen Ufer des Max-Eyth-Sees haben es sich im Schatten einer hochgewachsenen Trauerweide Eltern mit ihren Kindern bequem gemacht. Unter ihnen ist auch eine Familie aus dem Schwarzwald, die alle paar Monate einen Abstecher nach Hofen macht. „Ich wusste gar nicht, dass das Schwimmen verboten ist“, erklärt die Mutter im Bikini auf Nachfrage, während ihre mit Schwimmflügeln ausstaffierte Tochter ein Eis schleckt.

Immer wieder machen Radfahrer Station und halten ihre Füße ins erfrischende Nass, das so nah und doch so fern ist. Die Liegestühle am Kiosk auf der Halbinsel sind verwaist, nur Segelboote und Kanus drehen auf dem See ihre stetigen Runden. Die illegalen Wasserratten verstecken sich in der Uferbegrünung und nehmen zwischendurch unauffällig ihr Bad. Gerade abends kommen viele heimliche Badegäste – auch wenn bekannt ist, dass die Behörden die Einhaltung des Schwimmverbots häufig kontrollieren.

Gewässer sieht nicht einladend aus

Eher als die drohenden Bußgelder ist es die Wasserqualität, die manch einen potenziellen Schwimmer bislang noch abschreckt. Schließlich sieht das Gewässer nicht allzu einladend aus: Algen, Schlamm und Schaum treiben da munter vor sich hin. Ein Junge entdeckt beim Spielen am Ufer einen Fisch, der verdächtig träge an der Wasseroberfläche treibt. Ob der wohl noch lebt? „Der ist tot“, grummelt der Vater. Der Sohn wirft einen Stein. „Vielleicht kann man den noch grillen“, sagt er, als sich das Tier nicht rührt.

„Ich wüsste schon gerne, wie es um das Wasser steht“, sagt Anna Gottlewski, deren Dobermann-Schäferhund-Mischling Lea gerade ungeniert seine wohlverdiente Abkühlung genossen hat. Beim Thema Badeverbote gerät die Ludwigsburgerin schnell in Rage – denn sie würde nur zu gerne mit ihrem Haustier schwimmen gehen. „Was glauben Sie, was hier am See los wäre“, sagt sie, während fünf Jungs in Badehose mit ihrem Tretboot das Ufer ansteuern und kurz darauf vergnügt ins Wasser springen.

Während also das Projekt Badesee in der Praxis längst umgesetzt wird, ist die Kuh politisch noch lange nicht vom Eis. Der Vorstoß der CDU-Fraktion schlägt inzwischen hohe Wellen – vor allem beim politischen Gegner. Die SPD bezeichnet den Plan der Union im Gemeinderat schlicht als „Schnapsidee“. Hans H. Pfeifer, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, ist sich sicher, „dass die CDU damit baden gehen wird“. Das Ganze sei eine nette Idee, die aber nicht darstellbar sei. „Man kann aber niemand hindern, die Verwaltung mit Fragen zu beschäftigen“, sagt Pfeifer und tritt den CDU-Plan ins „Sommerloch“, wo er wohl entstanden sei. Der Bärensee als „kleiner Tümpel“ wäre durch den zu erwartenden Ansturm der Badegäste völlig überfordert, fürchtet Pfeifer unter Hinweis auf die Zustände am viel größeren Kirchentellinsfurter Baggersee. Hinzu komme die fehlende Infrastruktur wie Toiletten und nicht ausreichende Parkplätze. Der Max-Eyth-See ist für Pfeifer wegen der nicht ausreichenden Wasserqualität und der fehlenden natürlichen Durchströmung keine Alternative.

„Was jetzt passiert, klingt wie das Pfeifen im Sommerloch“, finden die Grünen

Auch die Grünen im Gemeinderat erteilen dem CDU-Antrag eine klare Absage. „Ein Badesee wäre zwar schön, aber keinesfalls auf Kosten des Naturschutzgebiets Rotwildpark und des Landschaftsschutzgebiets Max-Eyth-See“, sagt Silvia Fischer. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat fühlt sich an das Jahr 1997 erinnert. „Wir wundern uns, dass die CDU einen Altantrag aus diesem Jahr wieder aufwärmt“, mit dem sie bereits damals gescheitert sei. „Was jetzt passiert, klingt wie das Pfeifen im Sommerloch“, sagt Silvia Fischer. Am Bärensee und am Max-Eyth-See wollen sie und die Grünen keinen Badebetrieb zulassen. „Denn mehr Menschen profitieren von den beiden Naherholungsgebieten, wie sie jetzt sind, viel weniger wären es, die dort baden würden.“

Widerspruch aus dem eigenen Lager erntet auch Hans-Hermann Schock, der Vorsitzende des Württembergischen Anglervereins, der sich mit Begeisterung für die Pläne der CDU ausgesprochen hatte. „Man muss kein Biologe sein, um zu erkennen, dass Badende in Seen dem Fischbestand, den Wasservögeln und vielen anderen Tierarten nicht zuträglich sind“, sagt Manfred Wörner, der Vorsitzende des Angler-Vereins Möhringen. „Schock sollte sich nicht zum Sprachrohr aller Stuttgarter Angler aufschwingen.“

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